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Wie Ritterlichkeit den Frauenhass besiegt

Von | 05.03.2014, 19:13 | 6 Kommentare

Ana Tajder ante portas. Und zib21 öffnet ihr ritterlich die Tür. Denn Ritterlichkeit IS IT, sagt sie, wenn du Frauenhass eliminieren willst.

Ich hab gerade im Sozialen Netzwerk eine Meldung gefunden, betitelt mit „5 Gründe, warum Frauen den Tod der Ritterlichkeit feiern sollten“. Ich wär am liebsten die Wände hoch geklettert.

Seit der Woody Allen-Skandal vor ein paar Wochen wieder aufgewärmt wurde, hab ich viel über die Frauen in Amerika nachgedacht. Das heißt, eigentlich denke ich über diese Frauen nach, seit ich vor drei Jahren hierher gezogen bin. Zuvor hab ich in Kroatien und Österreich gelebt. Und es schockiert mich immer aufs Neue, wenn ich sehe, wie sehr die Frauen in Amerika gehasst werden. Irgendwas ist hier total schief gelaufen. Seit es um Gleichberechtigung geht, geht es nicht mehr um Partnerschaft. Amerikanische Männer und Frauen stehen im Wettbewerb zu einander, sie sind Gegner.

Meine langsame und ernüchternde Erkenntnis, was in diesem Land wirklich läuft, ging mit einer großen Enttäuschung einher: Europäischen Frauen wird ständig weisgemacht, dass die Frauen in den USA besser behandelt werden und die Gleichberechtigung weiter fortgeschritten ist. In Europa werden den Frauen erstaunliche Statistiken über weibliche CEOs und Politikerinnen und arbeitende Frauen und gerechte Bezahlung vor die Nase gehalten.

Nicht gesagt wird ihnen aber, dass dieses hübsche Bild eine finstere Seite verbirgt. Ganz bestimmt wird verschwiegen, dass Frauen in Europa es wesentlich besser haben. Europäische Frauen werden respektiert – als Frauen. Sie haben Würde und Stolz. Männer gehen nicht zu privaten Abendessen, wo sie von Frauen in Unterwäsche oder oben ohne bedient werden. Es ist nicht „normal“ für Männer, regelmäßig mit ihren Kumpels Stripperbuden zu besuchen. Und ihre Girlfriends fänden das ganz sicher nicht „okay“. Und keinesfalls fänden sie es „cool“ oder „emanzipiert“, ihre Männer dorthin zu begleiten und Banknoten in die Höschen der Stripperinnen zu stecken.

In meiner alten Heimat verstehen die Menschen, dass sich keine Frau wohl dabei fühlt und dass es erniedrigend ist, vor Fremden nackt zu tanzen. Es ist nicht cool, ein Poledance-Seminar zu besuchen. Bescheuerte Junggesellenpartys mit Strippern und Hurensex sind leider nur Kopien amerikanischer Traditionen.

Zuhause in Europa gibt es keine TV-Werbeclips mit Frauen, die Würsten einen Blowjob verpassen. Fernsehserien kommen nicht wie Softpornos daher. Es wird von Frauen nicht erwartet, dass sie sich zwischen den Beinen wie Pornodarstellerinnen rasieren. Oder sich wie sie anziehen.

Angesichts dieser Respektlosigkeit und Erniedrigung ist es kein Wunder, dass amerikanische Frauen zornig sind. Dass sie hassen. Sie hassen Männer, und sie hassen sich selbst. Sie ziehen herum und schreien Männer an. Sie brüllen „Wir brauchen Euch nicht!“ und „Ritterlichkeit ist Scheiße!“ und „Es gibt nicht genug Frauen in den Medien!“, wenn sie eigentlich „Respektiert mich!“ sagen wollen.

Die Botschaft ist falsch. Und schafft eine „Catch 22“-Situation. Je zorniger und militanter Frauen sind, je mehr sie Männer attackieren und dieses „Ich bin wie Du, also brauch ich Dich nicht!“ anbringen, umso mehr Männer werden sich nach „fraulichen“ Frauen sehnen und Stripperlokale besuchen, um von sexy Ladies verführt zu werden, die in ihre Ohren schnurren und ihnen das Gefühl geben, sie seien der Mittelpunkt des Universums, je nachdem, wieviel Geld sie ihnen aus der Tasche locken.

Wir alle wollen was Besonderes sein und Wertschätzung genießen. Männer wollen sich wie Männer fühlen, ebenso, wie Frauen sich wie Frauen fühlen wollen. Alle auf ihre unterschiedliche Art.

Ja, der Unterschied. Es lebe der Unterschied!

Der Unterschied ist die Mutter der Ritterlichkeit. Es würde das Leben von Männern UND Frauen vereinfachen und verschönen, wenn wir diesen Unterschied nicht ignorieren. Wir sind anders. Die Natur hat uns anders gemacht. Dieser Unterschied ist die Quelle unseres Lebens, die Quelle der Magie. Ich kann nicht so schwere Sachen heben wie mein Gatte. Ich bin nicht stark genug, um den Kühlschrank wo hinzuschieben. Aber ich kann kochen und nähen. Ich kann ein Baby neun Monate lang in mir herumtragen und dann auch noch meinen Körper dazu bringen, es ein Jahr lang am Leben zu erhalten. In dieser Zeit wär ich allerdings dankbar, wenn der Mann uns beschützt und die Dinge erledigt, die mir nicht so leicht fallen. Wir sind unterschiedlich. Das heißt aber nicht, dass wir nicht die gleichen Möglichkeiten haben sollten, und die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, oder die gleichen Rechte. Es bedeutet nur, dass es okay ist, wenn ein Mann mir mit dem Gepäck hilft – er ist schließlich stärker. Es ist okay, wenn er mir die Tür aufmacht. Es ist auch okay, wenn ich ihm was koche.

Es ist okay, wenn ich seine Stärke schätze und er auf meine Weiblichkeit abfährt. Männer und Frauen sollten wie Yin und Yang sein und einander ergänzen und so ein starkes Ganzes schaffen. Das ist Ritterlichkeit – einander ermächtigen und gegenseitigen Respekt zollen. Einander Gesten der Zuneigung vermitteln, indem du die Dinge erledigst, die dir leicht fallen und dem anderen schwer.

Ritterlichkeit bedeutet, nett zu einander zu sein. Das ist was Großartiges. Warum zum Teufel sollen wir den Tod von etwas feiern, das großartig ist?

Wie schlimm die Situation in diesem Land wirklich ist, hab ich vor ein paar Wochen erkannt, als der Woody Allen-Skandal in die Medien geriet. (Sollte der Fall nicht geläufig sein: Allen heiratete seine Adoptivtocher aus seiner Beziehung mit Mia Farrow, als sie 19 war – und nachdem sie pornografische Fotos der Tochter in Allens Wohnung fand. Jahre davor hatte außerdem deren andere Adoptivtochter Dylan behauptet, dass Allen sie sexuell belästigt hat, sie war 7!)

Aber wirklich erschüttert hatte mich die Reaktion meiner Freunde. Sie meinten allen Ernstes, dass Frauen nur deswegen auf Allens Kinderschändung so empfindlich reagieren, weil es ihre tiefsten Ängste triggert: dass ihre Gatten sie eines Tages wegen eines 19jährigen Girls verlassen würden. Das meinte eine Gruppe gebildeter und verheirateter Männer mit Kindern – die wirklich ein etwas gehobeneres Bewusstsein zum Thema Kinderschändung vertragen könnten.

Als ich das hörte, wurde mir körperlich schlecht. Ich wage zu behaupten, dass die Männer in meiner alten Heimat nie zu so einem frauenhasserischen Schluss kämen.

In meinen Augen halten amerikanische Männer die Frauen für egoistische, hysterische, frustrierte, eifersüchtige und unsichere Geschöpfe, die nur ihren Anteil – und den der Männer auch – haben wollen und dazu bereit sind, den Männern zu diesem Zwecke zornig und von Revanchegelüsten getrieben den Kopf abzuhacken.

Und zum Teil sind die Frauen selbst daran schuld. Solange sie die Männer nur anschreien, dass sie nutzlos sind und niemand sie braucht, und solange sie beleidigt sind, wenn ein Mann für ihr Essen zahlen will oder ihnen die Tür öffnet, solange werden Männer auch von 19jährigen Mädchen träumen, die über all diese Dinge noch staunen können. Das letzte, was die Frauen in diesem Land brauchen, ist der Tod der Ritterlichkeit. Sie sollten das Gegenteil wollen. Sie sollten ein Comeback der Ritterlichkeit fordern. Sie sollten den Unterschied feiern. Es genießen, eine Frau zu sein. Den Männern das Gefühl geben, dass sie was Besonderes sind.

Bringt den verlorenen Respekt zurück, und die gegenseitige Bewunderung. Wehrt Euch gegen den Frauenhass, aber weich und sanft, wie nur Frauen es können. Was aber im übrigen nicht bedeutet, dass Frauen auf gerechte Bezahlung und ihre CEO-Positionen verzichten müssen.

Quelle und englische Originalfassung: Tajder.com

Foto: Art Renewal Center Museum, Lizenz: gemeinfrei

 

6 Kommentare »

  • Daniela sagt:

    was für ein großartiger Beitrag! Danke für diesen Artikel, dem kann ich mich nur vollinhaltlich anschließen. ich war offenbar viel zu lange nicht mehr hier, sonst hätte ich diesen ARtikel schon viel früher „gefeiert“ :)

  • Liz sagt:

    Wusste nicht, dass das wirklich so ist in den USA, erstaunt mich sehr, aber es ist einfach eine ganz andere Welt dort, das sagen die Amerikaner auch immer, wenn sie nach Europa kommen…

    • Ana Tajder sagt:

      Liz, ich war auch erstaunt. Ich dachte immer dass wir – westliche Kulturen – ähnlich sind. Jetzt denke ich mir manchmal, dass USA nicht auf einem anderen Kontinent sondern auf einem anderen Planeten liegt….

  • Ana Tajder sagt:

    Hi Tommi!
    Danke für dein Kommentar! Stimmt – es kann nur gemeinsam gelöst werden.
    Es war mir aber wichtig zu sagen: Es geht uns (Frauen) auf dem alten Kontinent ziemlich gut!
    Alles Liebe,
    Ana
    P.S. Den Alten zusammen packen und nach Europa kommen steht eh im Plan!

  • tommi sagt:

    huh das is ja schon fast ein Pamphlet……..aber wenn sich eine Gesellschaft – ja eine Nation – dem Wettbewerb verschreibt und die Wertmasstäbe ausschließlich in Kapital gemessen werden – was erwartest du Prinzessin? Ich bin absolut einer Meinung mit dir und froh dass das eine Frau geschrieben hat denn wenn ich das schreiben würde wär ich ein Frauenhasser der mit der Situation nicht fertig werden würde weil die Frauen zur Attacke reiten.

    ich halte es aber darüber hinaus für ein gemeinsames Problem auch im Sinne von: es kann nur gemeinsam gelöst werden kann – von Frauen und Männern – solange wir uns weiter auf die Unterschiede konzentrieren die ja für einen Wettbewerb so wichtig sind anstatt darauf wie gleich wir sind – ich meine ich bin ja auch eine Frau also so bis auf ein Chromosom und das is sehr klein – solange werden wir Konkurrenten sein und das hilft keinem etwas.

    Was ich igentlich sagen wollte: Danke oller Artikel

    Alles Liebe aus der alten Heimat – wenn dus dort nicht mehr aushältst dann pack deinen Alten zusammen und komm nach Europa Tommi

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