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Die nackten Zahlen, Herr Freund

Von | 22.01.2014, 15:21 | Kein Kommentar

Vermögenspolitisch gesehen spielt Österreich in Europa die Rolle eines schwarzen Schafes. Was nicht heißt, dass Politiker exakte Zahlen wissen müssen. Aber es schadet nicht.

Vermögensverteilung by nulleffekt.net – Lizenz: CC BY-NC-ND

Eine G’schicht im profil und ich bin wieder platt. Eva Linsinger und Rosemarie Schwaiger interviewen Eugen Freund, den SP-Spitzenkandidaten der Europawahl. Herr Freund redet seit einer Woche in jedem Interview über sich und präsentiert keinen einzigen Inhalt. Wenn man also ihn nicht ad personam kommentieren will, muss man die Inhalte liefern, die er nicht hat. Denn seine Sicht der Welt hat “mit der heutigen Realität wenig zu tun”. Schmerzhaft wenig.

profil: Teilen Sie die Utopie einer klassenlosen Gesellschaft?
Freund: Ich glaube nicht, dass die SPÖ noch hinter einer klassenlosen Gesellschaft steht.
profil: Steht im Parteiprogramm.

Freund: Immer noch? Wahrscheinlich steht im Parteiprogramm noch viel mehr, das mit der heutigen Realität wenig zu tun hat. 

Nun, die Arbeiterkammer hat ja erst im Vorjahr eine neue Studie zur Vermögensverteilung gemacht. Die heutige Realität sieht so aus (Quellen aller Grafiken beim draufklicken):

Aber vielleicht klingt “Klassen” für Eugen Freund einfach zu sehr nach früheren Jahrhunderten, nach dem Frühkapitalismus und Feudalismus. Da gibts eine tolle Grafik (siehe ganz oben), die den Sozialbericht von 2004 nicht in nüchterner Balkenform darstellt, sondern auf Österreichs Fläche umgerechnet (Die finde ich sehr aussagekräftig, die hätt ich gern mit den aktuellen Zahlen).

Österreich befindet sich damit europaweit im Spitzenfeld der Ungerechtigkeit. Auch wenn Steuerpolitik und eine Korrektur der Vermögensverteilung nicht zu den Kompetenzen des EU-Parlaments gehören, erwarte ich mir von einem Linken, dass das ganz oben auf der inhaltlichen Agenda steht, da geht es um eine politische Haltung. Und ich erwart halt von einem SP-Kandidaten im Zweifelsfall immer noch, dass er ein Linker ist. Meine Schuld.

Die nackten Zahlen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

profil: Die SPÖ versteht sich immer noch als Arbeiterpartei. Glauben Sie, dass Sie mit Aussagen wie “von der ASVG-Höchstpension kann ich nicht leben“ bei Arbeitern gut ankommen – die von einer geringeren ASVG-Pension leben müssen?
Freund: Ich habe meinen Lebensstil: Meine Wohnung kostet einiges, meine Kinder studieren, eine Tochter in Amerika. Genauso gut könnte man den Bundeskanzler oder den Vizekanzler fragen, warum sie x-mal so viel verdienen wie ein durchschnittlicher Arbeiter.
profil: Wie viel verdient ein Arbeiter im Durchschnitt?
Freund: Ich weiß es nicht – ungefähr 3000 Euro brutto?
profil: Um ein Drittel weniger, 2000 Euro pro Monat.
Freund: Netto?
profil: Brutto.
Freund: Das ist sehr wenig. Aber ich glaube nicht, dass ich etwas dafür kann.

Hallo????? Da geht es um den Durchschnitt – und das bringt es mit sich, dass ziemlich viele Menschen UNTER diesen Einkommen durchkommen müssen. So schaut’s aus:
Wer mir jetzt gerade fast am meisten leid tut, sind die KollegInnen von der FSG, die jetzt im Arbeiterkammer-Wahlkampf laufen sollen. Für eine Organisation, die noch vor wenigen Monaten “Arbeit” und “Soziales” plakatiert hat und sich in Wahrheit eh nix mehr drum kümmert… Die Grafik unten stammt aus dem NR-Wahlkampf der SP…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe jetzt leider nicht die Zeit, mit einem umfangreicheren Text zu antworten, aber dazu hab ich in diesem Blog  schon geschrieben. Wichtig ist mir jedenfalls, eines hervorzustreichen: Die Vermögenspolitik ist sehr wohl ein europapolitisches Thema, denn Österreich spielt – gemeinsam mit Luxemburg – hier die Rolle eines schwarzen Schafes. Österreichs Banken bieten einen sicheren Hafen für – sagen wir so – steuerlich geschickt gehandhabte Vermögen: Österreich: Ich bin nur ein Egoist.

Eine Präzisierung ist mir wichtig: Was ich NICHT sagen will, ist, dass man Politiker danach beurteilen soll, ob sie exakte Zahlen auswendig wissen. Es wäre nicht schwer, etwas zu finden, das ich nicht auswendig weiß, gar nicht schwer. Es geht mir um die Haltung.

Zum Abschluss aber auch was Positives. Eugen Freund scheint ja lernfähig. Zumindest ORF-mäßig dürfte er verstanden haben, wie die SPÖ funktioniert
Freund: Ich kann mich insofern hineinfühlen in Arbeiter, indem ich immer wieder versucht habe, Leuten zu helfen. Wenn jemand mir erzählt hat, dass er arbeitslos ist, habe ich ein paar Leute angerufen, die ich kenne, und versucht, einen Job für ihn zu finden.

Quelle: dem michel reimon sein blog

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