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Gabbi WernerGirl Friday – Buch des Bösen 17. Ein unsittlicher Antrag

Von | 29.11.2013, 9:00 | Kein Kommentar

Er ist verheiratet! Was zum Teufel mach ich hier?

Willkommen. Zu Geschichten aus vielen Hotelzimmern. Ich erzählte sie einem Mann, der nicht schlafen konnte. Ein Business-Deal. Er zahlte für meine Worte. Hier sind sie.

*

R. sah mich an. „Hast Du in diesem Hotel auch eine Zeichnung gemacht?“

Ich sagte, dafür hatte ich noch keine Zeit.

„Willst Du hier ein Bild für mich machen? Und dass ich zusehe, während Du zeichnest?“

Ich sagte, das wäre mir zu persönlich. Schon der Gedanke, dass er mir bei irgendwas zusieht, war mir unangenehm. Ihm Geschichten zu erzählen war eine Sache. R. sah mich zwar gelegentlich an, wenn ich erzählte. Aber meistens lag er nur auf dem Bett, mit dem Kopf hoch oben auf den Polstern. Es war wie eine verkehrte Therapiestunde. Der Patient – ich – auf einem Sessel redend und der Herr Doktor am Sofa in diesem Fall das Hotelbett. Ein Bild malen, aktiv sein während er zusieht – das war wie eine Verletzung meiner Intimsphäre.

Andererseits wirkte er enthusiastisch, als er den Vorschlag machte. Ich blieb eine Weile still. Betrachtete das Bild im Zimmer. Es war schrecklich, Kategorie unbestimmt modern, passend für Businessmänner, in Rot, Schwarz und Grau und natürlich mit dem unvermeidlichen Klecks Gold.

Dann sagte ich, es wäre nett, wenn wir zusammen ein Bild machen könnten. R. sprang auf und näherte sich dem Bild, versuchte es runter zu nehmen, aber es war an die Wand geschraubt.

R. riss und zog an dem Bild, sein Gesicht wurde rot. „Ich muss einen Bohrer für morgen organisieren. Dieses Bild muss weg! Ich will, dass hier unser Meisterwerk hängt.“

Ich fragte ihn, ob das nicht Lärm machen würde, wenn er das Bild runterschraubt. „Du hast recht, ich werde es mit der Hand machen. Wir müssen eins malen! Es wird Spaß machen! Du kaufst morgen Stifte und Farben. Ich werde den Schraubenzieher organisieren, und Drinks. Ich muss betrunken sein, um sowas zu machen.  Ich muss einen auf Dennis Hopper hinlegen, hat der gemalt? Oder wie heißt der Typ mit den angespritzten Gemälden?

Ich fragte ihn, ob er Jackson Pollock meinte.

„Ja, das ist er, der Action-Maler. Ich möchte wild werden. Machst Du mit? Ah, das wird die beste Nacht aller Zeiten. Wie soll ich heute einschlafen? Ich werde verrückt beim Gedanken an morgen. Ich muss meine Frau anrufen, tut mir Leid.“

*

Ich ging. Wie betäubt. Er war verheiratet. Was zum Himmel machte ich hier? Er hatte eine Frau. Warum nahm er sie nicht mit? Und was würde sie sagen, wenn sie wüsste, dass ich hier bin? Die meisten meiner Freunde wussten nicht wirklich, was ich die ganze Zeit auf Reisen treibe. Ich hatte ihnen gesagt, dass ich für jemand Sachen recherchiere, alles ganz vage. Ich war häufig unterwegs für Dreharbeiten, also fragten sie nicht weiter. Aber eine Gattin! Warum ist mir sein Ehering nie aufgefallen? Trug er überhaupt einen? Ich saß in meinem Zimmer. Das Bild hier war auch in die Wand geschraubt. Das schien mehr und mehr üblich zu werden. Vielleicht gab es mehr Menschen mit der gleichen Idee, und die Hotels mochten das nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Mensch bei vollen Sinnen so ein Hotelbild stehlen wollte, wie einen Fön.

Der Mann war verheiratet. Das war etwas, womit mein Sinn für Moral schwer umgehen konnte.

Fortsetzung folgt. Nächsten Freitag. Um 9.00h.

Link zur Englischen Originalfassung: auf  Girl Friday – the Book of Bad 17. Indecent Proposal klicken.

Artwork: Gabbi Werner

Übersetzung ins Deutsche: Manfred Sax

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