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Sex für Fortgeschrittene 02. Die Zigarette danach. Plus: „Smoking Women“.

Von | 23.04.2009, 19:38 | 9 Kommentare

Über die Momente, wenn sie „was denkst du“ sagt und er eine raucht. Plus: Bilder von rauchenden Frauen, in Szene gesetzt von Erich Reismann.

Smoking Women by Erich Reismann

Einmal prinzipiell:  Die perfekte Zigarette ist diese hier, die ich gerade rauche. Vor 20 Minuten wäre es jene Ziggy gewesen. Ich will nicht ausschließen, dass es irgendwann wieder mal so einen erfüllenden Rauch geben wird, möglich ist alles. Aber die perfekte Zigarette ist diese hier, die selbst gedrehte „Dünne“ zwischen Zeige – und Mittelfinger meiner Rechten.

Es gibt keine perfekte Ex-Zigarette. Ein lebenslanger Raucher hat nichts mit dem Gutessen-Fascho am Hut, der irgendeinen Tafelspitz aus dem Beisl-das-es-nimma-gibt zur Unvergesslichkeit schubladisiert. Es geht nicht um Memories, die aus Besitz und „richtigem“ Gebrauch des „richtigen“ Tabaks entstanden sind. Was zählt ist jetzt gerade, dieser große Moment mit dem inhalierten Stoff in der Lunge.

Raucher

Raucher

Zur Zigarette im Allgemeinen. Sie ist ein Anachronismus. Sie ist eher Zwanzigstes Jahrhundert, eher nicht das einundzwanzigste. Sie ist eher Paris und Rom und Alte Welt, eher nicht Sydney, Los Angeles und Toronto. Sie ist eher Jean Paul Belmondo und Marcello Mastroianni und Marlene Dietrich, eher nicht Tom Cruise und Matt Damon und Gwyneth Paltrow.

Nichtraucher

Nichtraucher

Sie ist eher La Dolce Vita und Gefährliche Liebschaften und Der Letzte Tango, eher nicht Top Gun und Der Talentierte Mister Ripley und Kung Fu Panda. Sie ist eher starker Kaffee und lange wache Nächte und trau keinem über 30. Eher nicht ist sie Müsli und Frühsport und Plan für die Pension. Das Wesen einer Zigarette hat eher im Single-Dasein ihr natürliches Milieu als dort, wo die Goldenen Hochzeiten gefeiert werden.

Gibt es die unvergessliche Zigarette? Schwer zu sagen. Vielleicht wird der finale Lungenzug vor dem Aushauchen des Lebens sowas sein. Nur kannst du darüber nicht berichten. Bleibt also die nächstbeste Sache: die Zigarette danach, nach dem kleinen Tod zuvor – dem Orgasmus.

Der kleine Tod, der seine Zigarette verdient hat, ist nicht irgendein Orgasmus. Der hatte was, sonst hätte er nicht die Zigarette. Und der Mann dazu hat in diesem Moment nur das stille, vom Nikotin veredelte Nichts. In den paar unbeschreiblichen Minuten der Nichts-als-Stille vor der Ernüchterung hast du weder Lust noch Launen. Keine Unrast, keine Gedanken. Weil dem so ist, widmete ein wacher Geist, der mit Sicherheit in der körperlichen Hülle eines Mannes hauste, dem Orgasmus einst das Label „kleiner Tod“.

Es kann dem Mann Dümmeres widerfahren, als diese rare „nichts“ sagende Momentanität mit ein paar Zügen Nikotin zu beseelen. Tatsächlich passiert ihm bisweilen Dümmeres. Hier nur der GAU – der Größte Annehmbare Unfall. Der wird, das liegt in der Natur der Sache, von der Bettgespielin getriggert, die den zartbitteren Nachwehen seiner Entladung mit der unabsichtlich brutal in sein Nichts veräußerten Frage „Was denkst Du?“ ein jähes Ende beschert. Damn. Woran denkt ein vorüber gehend Toter? Und natürlich, auch sie hat in dem Moment, da sie die drei Worte zur Frage formte, ganz offenbar nicht gedacht, oder nichts Bestimmtes, vielleicht wollte sie nur dem Nichts, das ihn beseelte, einen kleinen Spin vom heimelig Unheimlichen ins unheimlich Heimelige bescheren. Aber dem Himmel sei Dank, dass sich der Mann in solchen Momenten noch ein paar Züge von der Zigarette besorgen kann. Das lindert dieses unbehaglich Abrupte des Erwachens vom kleinen Tod.

Manche Leute meinen, dass seine Zigarette danach und ihr Wasdenkstdu einander verdienen. Im Allgemeinen sind das die Leute, mit denen der Raucher wenig zu tun hat. Auch hat er wenig Zeit für Nichtraucher, die sein Rauchen zu ihrer Sache machen, die Nikotin und Aschenbecher aus Schlafzimmern verbannen würden, die nicht ihre Schlafzimmer sind, und die heute von Lokal zu Lokal patrouillieren, um Raucher brandzumarken. Bekanntlich wurde dieser Unfug in den USA geboren, dem Land, wo Mister Clinton nie inhalierte.

Aber zurück zur Gespielin, ich muss ja den Bogen zu folgender Bildstrecke schaffen. Die ideale Gefährtin zur „Zigarette danach“ des Mannes ist selbstverständlich eine Raucherin. Es gibt unzählige Gründe, die für sie sprechen. Hier nur zwei: Sie ist in der Regel nicht eine, die den Mann zu einem „besseren“ Menschen machen will. Angenehm. Und sie sagt nicht „Was denkst Du“. Sie weiß, dass sie darüber schweigen muss, worüber ihr nichts Bemerkenswertes einfällt.

Im folgenden präsentiert ZiB21 Porträts von Raucherinnen, in Szene gesetzt von Erich Reismann. Bitte klicken Sie auf die Damen. Üblicher Weise werden Reismanns Bilder auf diesem Portal auch von ihm kommentiert. Das ist hier nicht der Fall. Um Missverständnisse zu vermeiden, sei darauf hin gewiesen, dass es sich bei den Rauchgeräten der schönen Geschöpfe nicht um „Zigaretten danach“ handelt. „Leider-nein-Zigaretten-danach“, würde Erich wohl sagen. Was er nicht tut. Sicher aber wird er gerade irgendwo eine Zigarette rauchen, und wenn es nicht eine danach ist, dann ist es sicher jene eine vor dem Rest seines Lebens.

Sollten Sie es noch nicht gehört haben: Rauchen kann Ihre Gesundheit beeinträchtigen. Das heißt auch, dass Rauchen wie Sex ist und wie das Leben schlechthin: immer gefährlich und bisweilen unwiderstehlich. Und jetzt rolle ich mir eine Dünne.

9 Kommentare »

  • […] denkst Du?“ der Gespielin entzaubert wurde. Wozu die Gedanken meines Jungen mit den Segnungen der Zigarette danach belasten, wenn sich das Danach erübrigt, solange das Davor irgendwie kompliziert […]

  • Knut sagt:

    Rauchen im Schlafzimmer ist ungefähr so wie ORF, Österreich und EurovisionSongContest auf einmal.

  • Elisabeth sagt:

    Was denkt ein vorübergehend Toter? ( in der Momentanität) danke, sehr schön!

  • Susanne sagt:

    Es ist so sexy, wenn sich der Mann die Zigarette danach anzündet. Ich hab mir schon oft überlegt, warum das für mich so ist. Vielleicht, weil er dann noch bleibt. Zumindest die paar Minuten, bis er abdämpft. Und ich glaube, dass er bei der Zigarette danach ganz bei sich selbst ist, und das mag ich. Außerdem ist er dann ein bisschen schwach..Und das ist unwiderstehlich..

    • Manfred Sax sagt:

      Ach? Stört das eine Nichtraucherin nicht?

      • Susanne sagt:

        Nein, ganz im Gegenteil. War noch nie mit einem Nichtraucher im Bett. Habe einen Hang zu Männern mit „Schwächen“ (sogennanten, den für mich ist das keine Schwäche). Am liebsten sind mir die, die sich zur Zigarette danach auch noch das Bier danach oder was auch immer gönnen. Genuss pur sozusagen. Und das ist verdammt geil..

        • Susanne sagt:

          ..verraucht, versoffen, und ein bisschen kaputt..das ist es, was einen Mann erst interessant macht. Brave Milchbubies, die nicht rauchen und Cola light trinken..tja, sehr nett…aber nix für mich..

  • Simone sagt:

    … Helmut und Loki hätt´n a ihre Freude an jenem Artikel :)
    DOCH! MIT diesen Worten hast du zumindest ein Lächeln von jedem Raucher und eines jeden loyalen,freidenkenden Nichtraucher´s sicher – ganz. Ganz sicher ;)

    … das Wort „Perfekt“ mag ich nicht so sehr – weil ich´s nicht Perfekt mag – aber dieser Artikel! MamaMia! DIESE Zigarette ist einfach süffig und wunderschön perfekto! i love…

    … das macht Lust auf Mee(h)r… – aber weil´s nicht kann sein – bleib ich hier und geh jetzt auf Terrasien und smoke eine – natürlich selbstgedreht – WAS sonst? ABER! mit Kaffe ;)

    Viva La Vita
    ComanChe

  • karotterl sagt:

    hm
    karotterl und rauch,,,hab geknickt einsehen müssen, dass es sich nicht verträgt….
    aber leitet der senior daraus ab, dass das laszive aus dem grünzeugleben verschwunden ist? dass das lutschen meines saxophon-blattes eine schwache ersatzbefriedigung ist? dass es anderes gibt, dass nur durch tiefes inhalieren trainiert werden kann, um so richtig gut anzunuckeln?
    echt?
    illusionen oder visionen? wahrheiten oder klarheiten?
    das ist hier die frage….
    herzlichst

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