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Daniela KrammerIch bin Konsumentin

Von | 01.05.2013, 16:22 | 10 Kommentare

Tote Bienen, suspekte Warenwelt. Ich konsumiere. Aber kann ich mir aussuchen, was ich für mein Geld bekomme?

Foto: WestportWiki, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es ist in Ordnung, dass die Lebensmittelindustrie versucht, genug Nahrungsmittel für uns zur Verfügung zu stellen. Aber es ist nicht in Ordnung, dass das oberste Gebot Gewinnmaximierung ist und unser Essen von Chemikalien und Konservierungsstoffen durchsetzt ist. Dass der Einsatz der Pestizide Nützlinge wie Bienen nachhaltig schädigt und unser langfristiges Überleben aufs Spiel setzt.

Es ist in Ordung, dass in unserer globalisierten Welt Stoffe und Bekleidung in Bangladesh, Indien, Kambodscha erzeugt werden. Und es ist auch in Ordnung, dass die Firmen damit Profit erwirtschaften. Aber es ist nicht in Ordnung, dass es auf Kosten von Menschenleben passiert. Dass die Arbeitsbedingungen jeder Sklavenhaltung Hohn spotten. Dass ein Arbeiter für ein T-Shirt 16 Cent bekommt. Selbst wenn der Lohn verdoppelt wird, die Arbeitsbedingungen menschliche Züge bekommen, selbst dann würden die Gewinnspannen noch hoch genug sein. Ich würde begeistert 50 Cent mehr für ein Tshirt bezahlten, wenn ich wüsste, dass es unter fairen Bedingungen hergestellt ist und die Baumwolle nicht mit Pestiziden und anderen Chemikalien verseucht ist. Jetzt ist es verdammt mühsam, die Quellen zu erschließen, die solche Waren anbieten. Aber es gibt sie. Und solange mir H&M, C&A, Tom Tailor etc nicht beweisen, dass ihre Ware unter ähnlichen Bedingungen produziert wird, machen sie mit mir kein Geschäft mehr.

Ohne mein Geld

Es ist in Ordnung, dass Menschen, besonders Frauen, hübsch und gepflegt ausschauen wollen. Und es ist in Ordnung, dass Kosmetikfirmen wie L’oreal, Nivea etc damit Profit erwirtschaften. Aber es ist nicht in Ordnung, dass sie uns um teures Geld Abfallstoffe der Petrochemie, die diese sonst teuer auf Sondermülldeponie entsorgen müsste, in das Zeug mischen, einen Haufen Konservierungsstoffe dazu geben, a bisserl Pflegestoffe, a bisserl Duftzeugs – vornehmlich auch chemisch erzeugte, vielleicht noch etwas Aluminium – und uns mit Brainwash-PR davon überzeugen, dass das super toll ist für unsere Haut. Und noch weniger ist es ok, dass sie uns erzählen, Mister L`Oreal, gaaar keine Tierversuche zu machen. Nein, eh nicht. Die Tierversuche finden in der vorgelagerten Pharmaindustrie statt. Für jeden ach so tollen Inhaltsstoff muss nämlich die letale Grenze an einem Labormäuschen getestet werden. Bis zu 60 solcher Stoffe in jeder Creme. Bis zu 60 tote Mäuse. Sind ja für diesen Zweck gezüchtet.

Ach ja? Ethik? Moral?

Zum Glück gibt es auch Firmen, die ohne auskommen. Und die immer erfolgreicher sind.

Habe ich viel Macht mit meiner Stimme bei den Wahlgängen? Volksabstimmungen? Schaut nicht so aus. Aber eine Macht habe ich auf jeden Fall. Meine Münzen und Scheinchen. Diese Abstimmung kann ich täglich an der Kassa machen. Ich bin Konsumentin!

10 Kommentare »

  • FNF sagt:

    soso. zensur also. nett.

    ich wusste ja, warum ich bei euch ned bloggen will. macht nix, auch andere leute haben schöne seiten: Eine kurze Geschichte von eh Allem

  • saxo sagt:

    Klar kann ich von der Situation eine arbeitslosen ausgehen. Oder um meine Situation. Und wenn ich 25,- hab, kann ich mich entscheiden, ob ich damit 4-5 packerl Zigaretten kaufe, oder eine Körpermilch.
    Wenn ich sehe, dass Mütter beim kik shirts um 3,– einkaufen, mit der Begründung, kein Geld…. uns ihre Kinder spielen mit dem iPhone…..dann ist es eine frage der wertigkeit. Oder?

    • fnf sagt:

      eine weitere option wäre möglicherweise die 25 euro nem sandler zu geben. oder sie auf mehrere aufzuteilen (und es denen zu überlassen, ob sie sich was zu essen oder nen doppler kaufen.)

      eifons hab ich bei kik ehrlich gesagt noch nie gesehen. aber ich geh da auch ned oft hin.

      • saxo sagt:

        und wenn ich diese 25,– euro einem sandler gebe, wie verhindert das, dass menschen in bangladesh vernichtet werden in einer mörderischen bekleidungsindustrie? oder auf plantagen, wo sie an chemikalien krepieren, die offenbar unumgänlgich sind für tabak, früchte, baumwolle? dass transnationale konzerne um 66 cent ein t-shirt nähen lassen und es dann um den halben erdball schippern, nur weil der transport pro stück so gut wie nix kostet, dafür aber megatonnen heizöl schwer oder noch mieseres zeug in den schiffdieseln der containerschiffe verbrannt werden.

        ja aber….ist weniger als ein nein.
        ich bin konsumentin. da brauch ich mir nix vormachen. (unabhängig davon, ob ich ein „wohltätiger“ netter mensch bin) wofür geb ich die scheinchen aus, über die ich verfüge? das ist eine frage, die mich als konsumentin ziemlich mächtig werden lässt – vor allem, weil das bewusstsein darüber immer größer wird.

        • FNF sagt:

          paroles, paroles, paroles.

          der sandler hat mit bangladesh natürlich nix zu tun, aber rom wurde auch ned an einem tag erbaut. auch die weiteste reise beginnt mit dem ersten schritt, sagt lao tzu. und bei den giebelkreuzern zu zu blasen war halt ein schritt in die andere richtung. shit happenz, doesn’t it. buchtipp: sun tzu, die kunst des krieges 8-)

          wo ist dann eigentlich deine macht, wenn du dir mit deinen „scheinchen“ bestenfalls das klo tapezieren kannst?
          Euro-Desaster – EZB-Chef: „Lieber heimlich doof – als unheimlich schlau“?!
          für die naheliegendere verwendung ist das zeug einfach ned saugfähig genug.

          • saxo sagt:

            was wäre wann…kann man auch spielen. manchmal recht sinnvoll. hier und jetzt schau ich was hier und jetzt läuft.
            mit scheinchen, münzen oder muscheln.

            ansonsten keine inhalte mehr?
            shit happenz

  • fnf sagt:

    es besteht halt nur die gefahr, dass sich die begeisterung der bms- bzw. hartz4-bezieherin über den mehrpreis in recht engen grenzen hält. auch die körpermilch um 25 euro pro fünftelliter wirds ned unbedingt sein für sie, sofern sie sich überhaupt eine leistet.

    und wir zumindest finden es nicht in ordnung, dass transnationale konzerne um 66 cent ein t-shirt nähen lassen und es dann um den halben erdball schippern, nur weil der transport pro stück so gut wie nix kostet, dafür aber megatonnen heizöl schwer oder noch mieseres zeug in den schiffdieseln der containerschiffe verbrannt werden.

    wahlen? volksabstimmungen? d’accord, die sind für a&f. aber es gibt sehr wohl andere möglichkeiten.

    die bergen aber natürlich die gefahr zum paria gestempelt zu werden. macht nix.

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