Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber

Sie sind hier: Home » Girl Friday - Buch des Bösen » Girl Friday – Buch des Bösen 04. Affäre in Barcelona
Share

Gabbi WernerGirl Friday – Buch des Bösen 04. Affäre in Barcelona

Von | 19.04.2013, 9:00 | Kein Kommentar

Es sollte eine Affäre sein, die nur einmal passieren durfte – Here And Now, live in Barcelona.

Willkommen. Zu Geschichten aus vielen Hotelzimmern. Ich erzählte sie einem Mann, der nicht schlafen konnte. Ein Business-Deal. Er zahlte für meine Worte. Hier sind sie.

*

Hotel Majestic, Barcelona im Herbst. Ich sollte mich an das Reisen und Geschichten erzählen nie gewöhnen. Am schlimmsten war die Langeweile, die mich jedes Mal überfiel, wenn ich in eine fremde Stadt geriet, aus keinem anderen Grund als dort Worte zu hinterlassen, die jedenfalls keine persönliche Frage an R. enthalten durften. Es war ihm einerlei, ob ich eine Geschichte erfand oder eine wahre erzählte. Ich ließ die Worte heraus … und ging.

Das nächste Ziel war Barcelona. Mein Freund musste auch dorthin, er ging zum Molekularküchenkochkurs eines Kochgottes nicht ganz in der Liga von Ferran Adriá. Ich konnte mir vorstellen, dass dies unsere Zukunft war – ich erzähle Geschichten, er wird ein immer besserer Koch.

Er hatte ein anderes Hotel gebucht, billiger, mehr am Rand der Stadt. Es war mir klar, dass er in meinem Hotel schlafen würde, in jener Nacht, die wir beide dort waren. Wir fanden es großartig. Eine geheime Mission.

In den Wochen vor der Reise planten wir unsere Eskapade. Wir fanden es lustiger, die Buchungen so zu belassen, wie sie waren. Wir würden einander begegnen, ohne einander zu kennen, ohne die Geschichte unserer Liebe und unseres vierjährigen Zusammenseins.

Es würde Schicksal sein, das uns zusammen führt, ich eine Sekretärin, die eine Affäre mit ihrem Boss hat, er der Drummer einer Band. Oder ein Exdrummer. Der Exdrummer von Oasis, kein Mensch weiß, wie der aussieht, oder? Kein Mensch weiß, wie Oasis aussehen, jenseits der zwei Brüder mit den Augenbrauen.

Wir würden dort sein, in Barcelona. Wir würden einander begegnen. Das war unser einer Plan. Das Date, die Zeit und der Ort unserer Begegnung.

Während wir die Affäre erfanden, stahlen wir den einen und anderen Kuss. Hielten Hände, auf den Straßen der Stadt, beim Konstruieren der Details. Wir schworen, dass unsere neuen Ichs einander nach dieser Nacht nie mehr begegnen würden, sie nach unserer Rückkehr nach Amsterdam nie mehr erwähnt werden, auch nicht unter Freunden.

Die Vorbereitungen machten Spaß. Ich kaufte die Sekretärinnengarnitur und versteckte die Kleider und Schuhe in einem Kasten, damit mein Mann sie nicht fand. Er reiste dann drei Tage vor mir ab und würde zurück sein, während ich noch for R. arbeitete. Mit meinem Lover an der Seite, dachte ich, würde ich eine großartige Geschichte erzählen, es würde Spaß machen, ich könnte R. sogar echte Abenteuer auftischen, ohne ihn wissen zu lassen, wie echt sie tatsächlich waren.

Am Flughafen zog ich mir die neuen Kleider an, zwängte die Haare in einen Knopf, setzte eine Brille auf und begann flott und zielstrebig zu gehen.

Ich war jetzt eine Sekretärin mit Affäre!

*

Das Majestic war riesig, mit überwältigender Eingangshalle und einer Bar mit einem richtigen Klavierspieler und einer Terasse am Dach, Swimming-pool und Massage inbegriffen. Von dort konnte man die ganze Stadt überblicken. Viel mehr sah ich von der Stadt damals nicht.

Ich glaube nicht, dass Barcelona und ich je enge Freunde werden.

Nachdem ich eingecheckt und mich mit dem Zimmer vertraut gemacht hatte, ging ich runter in die Rezeption, um nach dem Weg zum Ort zu fragen, wo ich meine Affäre treffen würde. Der Rezeptionist gab mir zwei Nachrichten, die eine von meinem Lover. Der Kochkurs werde länger dauern als angenommen, er würde es nicht zum Date schaffen, aber später am Nachmittag in mein Hotel kommen.

Die andere Nachricht war von R., der war voll mit Terminen, bis zehn Uhr mindestens, Abendessen in Barcelona können Stunden dauern, wie wärs mit etwas Shopping bis dahin? Dieser Nachricht war ein Kuvert beigefügt, mit so viel Geld, wie ich es in einem Monat nicht ausgebe.
Ich nahm ein wenig davon, um etwas Tee zu kaufen. Von meinem eigenen Geld kaufte ich Make-up. Der Tag war heiß wie im Sommer, ich brauchte kühles Make-up und würde es kaufen und dann trotzdem zum ausgemachten Treffpunkt gehen. Ich fühlte mich seltsam. Was da kommen sollte, war keine Menage a Trois. Aber es war verwirrend.

Ich wollte der Verwirrung mit offenen Augen begegnen.

Fortsetzung folgt. Nächsten Freitag. Jeden Freitag.

Link zur Englischen Originalfassung: auf Girl Friday – the Book of Bad 04. How To Have An Affair In Barcelona klicken.

Artwork: Gabbi Werner

Übersetzung ins Deutsche: Manfred Sax

Kommentare sind geschlossen.

ZiB21 sind: unsere Blogger