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Face Off. Leben im 1000-Freunde-Klub. Conny De Beauclair

Von | 21.04.2009, 9:19 | Ein Kommentar

Name: Constantin Marquis de Rouville dictet de Beauclair Alter: 57 Familienstand: verheiratet Beruf: Fotograf Wohnort: Wien, U4 Zeit bei Facebook: 3 Monate Freunde: 1728 Web-Alternative: conny.at Satz: „Es ist eine Modeerscheinung und da macht man halt mit.“ ZiB21: Wie bist du zu Facebook gekommen? Conny de Beauclair: Ein Security im U4 hat mich überredet. Der […]

Conny de Beauclair

Name: Constantin Marquis de Rouville dictet de Beauclair
Alter:
57
Familienstand:
verheiratet
Beruf:
Fotograf
Wohnort:
Wien, U4
Zeit bei Facebook:
3 Monate
Freunde:
1728
Web-Alternative:
conny.at
Satz:
„Es ist eine Modeerscheinung und da macht man halt mit.“

ZiB21: Wie bist du zu Facebook gekommen?
Conny de Beauclair: Ein Security im U4 hat mich überredet. Der sagte Conny, du hast so viele Freunde, warum bist du nicht im Facebook? Ich hab mir erst gedacht, dass ich dafür keine Zeit und mit meiner Homepage genug zu tun habe. Dann hat er mir gezeigt, wie einfach das geht und ich hab mich reingestellt. Eine Woche später hatte ich 800 Freunde.
ZiB21: Wie nutzt du Facebook?
CdB: Ich habe damit alte Freunde wiedergefunden und habe  Kontakt zu Verwandten in Amerika aufgenommen. Die habe ich über Facebook gefunden. Mein Name ist ja nicht so häufig. Ich lerne dadurch aber auch die Namen zu den Gesichtern kennen. Viele kenn ich nur vom „Hallo“-sagen. Und jetzt ist es auch schon so, dass die zweite Generation im U4 vorbeikommt. Die sagen dann: „Schöne Grüße vom Papa oder der Mama.“ Und ich weiß dann nicht, wer das ist. Über Facebook hab ich zum Beispiel herausgefunden, dass ein junges Mädel, das mich immer von der Mutter grüßen lässt, die Tochter einer ehemaligen U4-Kellnerin ist. Facebook ist natürlich auch eine gute Werbung für meine Homepage conny.at. Hauptsächlich ist es aber eine Spaßangelegenheit.
ZiB21: Du hast momentan über 1700 Freunde auf Facebook. Wie viele Postings bekommst du an einem Tag?
CdB: Ich hab mir da einen Facebook-Email-Ordner angelegt. 3428 Nachrichten sind da drinnen. Die hab ich mir aber noch nie angeschaut, weil ich das dann ja eh auf Facebook sehe. Wie viel ich an einem Tag bekomme, weiß ich nicht. Die Leute schreiben halt Kommentare zu meinen Fotos. Das sind oft 20 oder 30 Kommentare zu einem Foto.
ZiB21: Hat man da nicht ständig ein ungutes Gefühl, dass einem jemand gerade eine wichtige Mitteilung geschickt haben könnte?
CdB: Ich seh das wie ein Spiel. Man kann nicht alles wissen und sehen. Leute sprechen mich ja auch an, dass sie mich schon wieder im Fernsehen gesehen haben. Und ich muss ja überall sein. Aber wenn ich mir dann im Fernsehen den Heinzel anschau, seh ich soviel, wo ich nicht war. Wenn ich Zeit habe, lese ich aber gerne die Kommentare zu den Fotos. Da schreiben viele was Lustiges dazu.
ZiB21: Welche Kommentare?
CdB: Ich zeig eben gerne meine Fotos. Und dazu bekomme ich oft witzige Kommentare. Ich hab zum Beispiel ein Bild der Rumänischen Fußballmannschaft reingestellt. Weil ich dort war und fotografiert habe, wie die angekommen sind. Und dann hab ich 30 Kommentare dazu bekommen. Vor allem hat den Leuten eine „Original-rumänische-Louis-Vuitton-Reisetasche“ eines Spielers gefallen. Die schauen sich die Fotos genau an. Und kitzeln dann ein Ding heraus und schreiben darüber einen Kommentar. Auf was für Ideen die dabei oft kommen. Antworten schreib ich aber keine zu den Kommentaren.
ZiB21: Wie oft bist du drinnen?
CdB: Fast jeden Tag. Ich verlier auch sehr viel Zeit dadurch. Aber das ist eine Modeerscheinung und da macht man halt mit.
ZiB21: Wie viele Emails schreibst du zurück?
CdB: Zu meinem Geburtstag habe ich hunderte Geburtstagswünsche bekommen. Und da hab ich mich einen Nachmittag hingesetzt – an dem ich eigentlich Fotos bearbeiten hätte sollen – und hab zurückgedankt. Dabei bin ich drauf gekommen, dass ich nicht 200 oder 300 Emails schreiben kann. Das ist unmöglich. Ich wundere mich, wo die Leute die Zeit hernehmen. Und jetzt schreib ich wenig zurück. Ich bin kein Schreiber. Ich geb lieber ein Foto hinein. Wenn mich dann wer anchattet, schreib ich gleich, er soll mir lieber die Telefonnummer geben, dann können wir telefonieren. Das ist persönlicher.
ZiB21: Wie viele Stunden verbringst du im Facebook an einem Tag?
CdB: Das ist unterschiedlich. Ich hab oft gar keine Zeit. War die letzten zwei Tage gar nicht drinnen. Aber ansonsten viel zuviel Zeit.
ZiB21: Triffst du deine 1700 Freunde auch einmal im richtigen Leben?
CdB: Zum Beispiel gestern. Da habe ich in der Strandbar fotografiert. Und am Schluss kommt ein Kellner und sagt, der DJ möchte mich noch kurz begrüßen. Da bin ich halt zu dem hin und seh, den kenn ich ja eh. Und seine Freundin sagt zu mir „wir sind ja auch Facebookfreunde.“
ZiB21: Nach welchen Kriterien suchst du dir die Freunde aus?
CdB: Erst hab ich nur Freunde geadded, die ich kenne. Aber dann hat mir einer eine Geschichte erzählt, von einem, der 2000 Freunde im Facebook hat und darüber Werbung für sein Lokal macht. Das möchte ich auch machen. Nur kenn ich mich noch zu wenig aus. Aber jetzt lasse ich jeden mein Freund sein, der auf dem Foto nicht ganz unsympathisch ausschaut
ZiB21: Hattest du schon einmal das Gefühl über Facebook gelinkt worden zu sein?
CdB: Ich hab den Vorteil, dass ich sehr wenig Feinde hab. Vielleicht gibt’s den einen oder anderen, den ich irgendwann einmal nicht ins U4 reinlassen hab. Aber
die meisten mögen mich.
ZiB21: Hast du in Facebook mehr Frauen oder Männer als Freunde?
CdB: Ich glaube mehr Frauen. Hab auch immer hübsche Mädels angeklickt und geschaut, ob ich die vielleicht kennen könnte. Und wenn ja, schreibt man die halt an.
ZiB21: Könntest du dir vorstellen, über Facebook einen Partner zu suchen?
CdB: Ich bin glücklich verheiratet, aber vorstellen kann ich mir das schon. Es gibt ja auch diese Singlebörsen. Und es haben sich ja auch im U4 schon Leute kennengelernt.
ZiB21: Was würdest du ohne Facebook machen?
CdB: Genauso glücklich weiterleben wie bisher und ein bisschen mehr Freizeit haben.

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