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Daniela KrammerReif für den Zivildienst: Jungs, ihr werdet müssen dürfen

Von | 21.01.2013, 21:11 | Ein Kommentar

Es bleiben so viele Fragen. Und keine muss jetzt mehr beantwortet werden. Noch einmal davon gekommen …

Meine zwei Söhne  werden in den nächsten 10 Jahren also doch noch „einrücken“ dürfen. Müssen. Dürfen ihren Solidaritätsbeitrag zur Gesellschaft erbringen. Zu jener Gesellschaft, die für meine beiden Buben dieses Bildungssystem geschaffen hat. Genau dieses, in dem in erster Linie zählt, ja nicht aufzufallen  in dem, was die Lehrer und Lehrerinnen gerade noch als normal anerkennen. Nicht zu leise, aber ja nicht zu laut. Nicht zu langsam, aber ja nicht zu schnell. Nicht zu dumm, aber ja nicht zu klug. Brav reinducken, über sich ergehen lassen, Zeit totschlagen. So gesehen sind sie natürlich auf die Wehrpflicht wunderbar vorbereitet.

Da geht es nämlich um die Landesverteidigung. Die Sicherung unserer Grenzen. Und es gibt auch jene, die aus ihrer persönlichen Geschichte heraus zu Recht sagen: nie wieder Söldner! Menschen, denen die Zeit um 1930 noch in den Knochen steckt. Diese Stimmen sind wichtig, werden es immer bleiben. Aber die Situation jetzt mitten in Europa mit 1930 zu vergleichen ist absurd. Wir demonstrieren ja auch nicht mehr dafür, an jeder Straßenecke Pferdetränken zu installieren.

Und als Zukunftsperspektive gibt es für meine Söhne die großartige Aussicht auf eher keine Pensionsabsicherung. Die wird sich nicht wirklich ausgehen nach den heutigen Rechnungen, weil sich der Solidaritätsbeitrag der jetzigen Pensionsbezieher mit den jungen in Grenzen hält. Mit dem Hinweis, die wohlerworbenen Rechte könne man keinesfalls einschränken, und außerdem kümmern sich die Alten ja mit ihrem Geld sowieso um die Enkerl. Stecken ihnen von der Mindestpension auch noch hie und da einen 20er zu. Freiwillig. Den einen kann man offenbar Freiwilligkeit zumuten, den anderen nicht. Die hatten ja offenbar auch keine oder die falschen Vorbilder.

Freiwillig ein Sozialjahr ableisten. Mit einer vernünftigen Entlohnung. Nein, das macht sicher keiner von den heute Jungen. Die sind ja so verantwortungslos, egoistisch, selbstbezogen. Die jungen Männer und Frauen in der Jungschar, bei den Pfadfindern, bei der freiwilligen Feuerwehr, die ihre Freizeit dafür verwenden, für andere da zu sein? Ja. Eh. Aber…

Alt gegen Jung

Werden da die Alten gegen die Jungen ausgespielt? Ja, werden sie. Fragt sich nur, von wem? Jene, die wieder eine Zukunftsvision schaffen wollen, oder jene, die bei jedem Versuch, das Pensionssystem ändern zu wollen, sofort „arme Mindestpensionisten, wohlerworbene Rechte“ schreien?

.Aber wir brauchen einfach die Zivildiener. Wie sollen wir sonst unser Sozialsystem aufrecht erhalten? Rettungsautos, die nicht kommen, Schneeberge, die nicht verräumt werden. Krankenhäuser, die kollabieren. Und das nur, weil es an Stelle von Zivildienern, die für 9 Monate zwangsverpflichtet um etwa 350,- diesen Job erledigen, angedacht war, Menschen für 12 Monate um 1400,– die Arbeit tun zu lassen. Ja wer soll denn das bezahlen, bitte? – fragt da der gelernte Österreicher.

Ein Sozialsystem, das darauf aufbaut, billige Zwangsarbeitskräfte zu haben. Sehr schön. Da brauchen wir jetzt ja nichts zu ändern. Weil die Sozialberufe halt nichts kosten dürfen. Darum muss sich ein ausgelernter Sozialarbeiter mit „variablen“ Arbeitszeiten halt mit etwa 1800,– zufrieden geben. Schließlich haben wir genug Zivis, die den Job (wer unterscheidet bei diesen Arbeiten schon nach qualifizierten und nach Hilfsarbeitskräften) um viel weniger machen können. Wollen. Müssen.

Warum verdient eigentlich ein Bankangestellter etwa 3000,- netto und ein jahrelang erprobter Sozialarbeiter  1800,–netto? Warum darf das eine soviel und das andere nur soviel wert sein? Wer hat das eigentlich festgelegt? Warum haben „wir“ es so festgelegt? Und warum darf sich das nicht ändern?

Lauter Fragen, die „wir“ uns jetzt nicht stellen müssen. Nicht die nächsten 10 Jahre, haben uns die Politiker angedroht. Das Bundesheer wird a bisserl reformiert. Der Herr Entacher hat ja treffend gemeint: „Na wenn ihr das wollt, dann gibt’s halt weniger Brigadiere.“  Scheint man ja nicht weiter zu brauchen. 1 Brigadier für 20 Zivis? Oder 2 Brigadiere für renovierte Sanitätsanalagen?

Die Reform wird super. Freu mich schon.

Foto: pixabay, Lizenz: gemeinfrei

Ein Kommentar »

  • luscioniola sagt:

    danke, treffender Kommentar. Diese Volksabstimmung war ein Auftrag, nur ja nichts zu ändern, weil man es sich gut eingerichtet hat, auf Kosten anderer zu leben. Und nichts fürchtet der Österreicher mehr als Veränderungen – noch dazu, wenn die das gewohnte Leben durcheinander bringen können.

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