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Daniela KrammerBerufsheer also. Oder doch Wehrpflicht?

Von | 17.01.2013, 18:43 | 17 Kommentare

Gehn wir oder gehn wir nicht wählen? Klar ist: So wie jetzt darf es nicht bleiben.

Wegen dem Zivildienst wäre es nämlich gewesen, weil wir uns dann, wenn wir pflegebedürftig sind, wahnsinnig gerne den Hintern von zwangsverpflichteten, unwilligen Youngsters putzen lassen würden. Oder sollten soziale Betreuung und Katastrophenschutz eventuell doch in einem eigenen Kontext gesehen werden, die mit dem Schutz der Landesgrenzen eines souveränen Staates nichts zu tun haben?

Diese Abstimmung ist eine Farce, eine Frechheit, und ein mündiger, denkender Staatsbürger lässt sich nicht an der Nase rumführen, darum geht er gar nicht hin.

So tönt es aus linksliberalen Kreisen – also im Grunde eh aus der Ecke, der ich üblicher Weise zugerechnet werde. Aber dazu habe ich diesmal keine Lust. Ich habe keine Lust dazu, mir von politisch eingefärbten oder ganz objektiven Wahlanalysten im Nachhinein sagen zu lassen, warum ich nicht gewählt habe. Die einen behaupten, es wäre mir Wurscht (ist es nicht), die anderen, ich sei halt ein kluger Mensch, der sich nicht an der Nase rumführen lässt (na ja, wäre ich eh gerne). Der eine behauptet, ich hätte damit im Grunde gemeint, alles solle so bleiben, wie es ist (bitte nicht!), die anderen, ich hätte mein stilles Einverständnis erteilt, es endlich nach ihren Vorstellungen besser zu machen (bitte auch nicht).

Ich bin „nicht“ betroffen. Weil ich eine Frau bin. Und nie beim Bundesheer war und keine Ahnung habe und überhaupt. Nun gut. Ich war auch mal 18 und hatte Freunde und Brüder, die zum Bundesheer gingen. Natürlich zum Bundesheer, in einer kleinen, tiefschwarzen Gemeinde in Oberösterreich. Jeder wusste, dass nur Weicheier und Schlappschwänze zum Zivildienst gehen. Meine Brüder leisteten murrend und zähneknirschend den nach der Grundausbildung zunehmend frustrierenden Dienst ab.

Gesinnungswechsel

Als sich der 15 Jahre später geborene Nachzügler für den Zivildienst entschied, war bei seinen großen Brüdern ein interessanter Gesinnungswechsel eingetreten. Wie toll das Heer doch sei, was ihm nicht alles entgeht. Richtige Männer halten so was aus und überhaupt. Scheint so, als würde mit zunehmender zeitlichen Entfernung das Erlebnis Bundesheer in strahlenden Farben der Kameradschaftlichkeit aufleuchten. Sich gegenseitig wegen ausufernden Alkoholkonsums aus Erbrochenem ziehen schweißt zusammen. Der Nachzügler zuckte mit den Schultern, klopfte seinen mittler Weile leicht übergewichtigen Brüdern auf die Schultern, ging weiterhin 5x die Woche zum Fitnesstraining und zum Zivildienst bei der Volkshilfe. Da er sowieso bei der freiwilligen Feuerwehr genug Katastrophenschutzausbildung bekam, schien dem jungen Mann das irgendwie logischer. Sein Körperfettanteil ist bei der Volkshilfe stabil geblieben, wer weiß, wie es beim Bundesheer gewesen wäre.

Vielleicht handelt es sich bei dieser Vergangenheitsbewältigung mittels Gedächtnisschwunds aber auch um eine so genannte Tochter der Zeit (Zitat Andreas Khol: die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit)

Mich selber hat die ja auch eingeholt, die Wahrheit. Weil nämlich (räusper, outing): Mit 15 war ich in der HAK Wels eine stürmische Verfechterin der Wehrpflicht für alle. Unbedingt wollte ich meinen Dienst an der Waffe absolvieren und sah nicht ein, dass für mich damals keine Möglichkeit bestand, meinem Vaterland auf diese Art zu dienen. Ein paar Jahre später – ein paar Erfahrungen mit dem, was landläufig als Realität bezeichnet wird, plus zwei Geburten später – erwachte in mir die Gewissheit, dass es viele Arten gibt, seinem Land und seiner Familie zu dienen.

Mein 13jähriger Sohn meinte letztens, er wolle unbedingt in eine Kadettenschule, und zum Bundesheer natürlich auch. Wir seien ihm zu wenig streng. Tja, da muss er durch, der Arme. Und wenn er dann mit 18 noch immer will, soll er machen, was immer es dann in diese Richtung gibt. Aber da sind noch ein paar Jahre hin.

Bis dahin will ich zumindest das meine dazu tun, dass sich etwas ändert. Meine nächste Chance: Die Wahl am Sonntag und ein Kreuz bei Berufsheer. Da muss sich etwas ändern. Und so wie jetzt soll es auf keinen Fall bleiben.

Finde ich.

Foto: pixabay, Lizenz: Public Domain

17 Kommentare »

  • […] weil sie davon nicht unmittelbar betroffen sind – entschieden gegen die Wehrpflicht auf. Daniela Krammer liefert bei ZIB21 sogar noch ein interessantes Outing dazu: “Mit 15 war ich in der HAK Wels eine stürmische Verfechterin der Wehrpflicht für alle. […]

  • Elisabeth sagt:

    Ich denke, ich werde für die Wehrpflicht stimmen, obwohl mir die jungen Männer leid tun, die jedes Jahr einrücken müssen. Aber ich habe einfach angst vor einem Berufsheer. Wer geht den freiwillig zum Heer? Die Linke etwa? Es sind in den allermeisten Fällen junge Männer ganz weit rechts. Das ist kein Klischee. Leider! Ich habe in meinem Bekanntenkreis jemanden der einmal freiwillig beim Heer war, weil er Geld brauchte, es ist tatsächlich so, dass die Leute dort zum großen Teil so gepolt sind (politisch), dass sie unser Land nicht repräsentieren sollten.

    • Jacob sagt:

      Mh – naja klar, Nationalismus und Gewalt finden sich eher rechts. Aber wenns um genau diese Fähigkeiten geht, nämlich die Nation notfalls mit Gewalt zu verteidigen, ist das .. vllt gar nicht so schlecht. Ich selbst bin weit fern von rechts, aber wenn rechts überhaupt zu irgendwas gut ist, dann dafür. Verstehst?

      • Daniela Krammer sagt:

        Elisabeth, selbst wenn es so ist: dann weiß ich die harten rechten Jungs wenigstens sicher verwahrt und sie machen nicht die Straßen unsicher. Aber ich glaube garnicht, dass das so sein muss. Alle Buben wollen mal Räuber und Gendarm spielen, aber als Beruf ist das wieder was anderes.

  • julia sagt:

    Keiner von den Zivildienern putzt jemand den Hintern. Sie sprechen hauptsächlich mit den Bewohnern.

  • Hans Karl sagt:

    Das Fatale ist, daß fast alle Standpunkte ihre Logik haben. Ich trug das felddünnschißgrüne Kleid zu einer Zeit als es die samariterische Alternative noch nicht gab. Und hätte ich, so wie ich eigentlich wollte, verweigert, hätte es dazumal noch Gefängnis gesetzt, und anschließend erst recht zum Barras. So blieb mir nichts anderes übrig als den neunmonatigen Intensivkurs in Pegelsaufen notgedrungen durchzubeißen. Was ich sonst noch gelernt hab‘ ? Nun, wie man einen Uhu-Käfig für den Herrn Stabswachtmeister reinigt, dann habe ich gelernt mir das Kotzen zu verbeißen, wenn es zum Essen fassen ging, wie man über eine Dachrinne in sein Zimmer kommt, wenn es 5 nach 10 ist, habe ich gelernt, ein paar alte Nazilieder grölen beim Hatschen durch den Gatsch habe ich gelernt, nur kuschen zu jedem verdammten Blödsinn haben sie mir nicht eintrichtern können ! — Warum ich trotzdem, und zum Erstaunen vieler FÜR die Wehrpflicht bin, ist einfach mit einer Jahreszahl erklärt: 1934. Damals hat auch ein Berufsheer auf Arbeiter und Arbeitslose geschossen ! Sogar mit Kanonen ! — Leider gibt es kein Ringerl zum Ankreuzen für „Ganz abschaffen“. Somit ergehe ich mich in der Illusion, daß man aus dem, was wir jetzt haben, mit Bedacht und Vernunft endlich etwas Gescheites macht. Träumen darf man ja noch.

  • Martin sagt:

    Diese Begründung wäre eigentlich eine ganzseitige Anzeige in jeder Tageszeitung wert … ich hoffe ja noch immer, dass genug das Kreuzerl beim Berufsheer machen – obwohl die Fragestellung an sich ja ein Witz ist. Wir haben ja schon lange ein Berufsheer. In Wahrheit gehts nur um den Zwang. Und der gehört sicherlich nicht mehr ins 21. Jahrhundert.

  • simone sagt:

    …finde deine begründung verständlich….würde am liebsten weiss wählen, aber es wird gewählt und wenns nur 30 % sind, die diese wahl entscheiden, wissen wir eigentlich nicht – was nachher sein wird. ob es die politik dann weiss, ist auch ungewiss. daher wähle ich die allg. wehrpflicht, denn die kann man immer noch ändern und wir sind auf der sicheren seit. ausserdem möchte ich nicht, dass junge österreicherInnen in einem krisenherd in den kampf ziehen müssen und unser land dann nicht mehr neutral ist!

    • Daniela Krammer sagt:

      simone, das ist ja das verrückte: so wie die wehrpflicht jetzt ist, kann es passieren, dass grünschnäbel mit 2 monaten ausbildung zum einsatz kommen. in krisenherden. mit ihrer ausbildung!!! das ist doch absurd.

      • Martin sagt:

        @simone … schau dir mal auf der Homepage vom BMI an wer aller Zivildiener verwendet … Pensionistenheime, Naturschutzorganisationen, Kriegsgräberpfleger, Augenklimiken usw. Also durchaus KEINE Blaulichtorganisationen .. und wennn ich dran denke was Leute im Pensionistenheim zahlen frage ich mich schon warum die dann auch noch billige Arbeitskräfte (Zivis) brauchen. Da gehts nur um die Kosten und nicht um den sozialen Gedanken

  • Jürgen sagt:

    Mir gefällt deine Meinung und wie du sie begründest … auch wenn ich weiterhin eher für die Wehrpflicht bin … oder doch nicht … hmm … naja, bis Sonntag werde ich dann hoffentlich „wissen“ was ich ankreuzen werde …

  • eckart sagt:

    soso. Und damit man gut Schneeschaufeln kann brauchen wir Panzer und Abfangjäger?

    • Daniela Krammer sagt:

      Verrückt, oder? Ich frage mich schon länger, warum diese Dinge vermischt werden. Darum wähle ich am Sonntag das berufsheer. Vielleicht wird dann eine Veränderung möglich.

  • ursula sagt:

    wegen der paar tage, wo es schnee gibt ??..interessant

    • Daniela Krammer sagt:

      Gell. Aja und der Zivildienst ist wichtig, weil soziale Betreuung nix kosten darf, oder?

      • ursula sagt:

        die moderne form der sklaverei wenns was kostet brauchen wir’s dann nicht oder so …dann lassen wir die leute unbetreut, oder nur die werden betreut, die auch das geld dafür haben …??

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