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Bagdad Blog 04. Pack den Rucksack, auf in den Irak!

Von | 20.04.2009, 12:33 | Kein Kommentar

Also meldete die BBC: „Unverschnörkelter Tourismus im Irak. Fünf britische Touristen, zwei Amerikaner und ein Kanadier verbrachten die beiden letzten Tage einer Tour im Irak. Der Trip inkludierte historische Stätten und auch Städte, wo extreme Gewalt noch immer möglich ist.“ Eine nette Sonntagsmeldung ist das. Sie ist frisch und locker und passt gut zum erzählerischen […]

Unser Mann in BagdadAlso meldete die BBC: „Unverschnörkelter Tourismus im Irak. Fünf britische Touristen, zwei Amerikaner und ein Kanadier verbrachten die beiden letzten Tage einer Tour im Irak. Der Trip inkludierte historische Stätten und auch Städte, wo extreme Gewalt noch immer möglich ist.“
Eine nette Sonntagsmeldung ist das. Sie ist frisch und locker und passt gut zum erzählerischen Spin, der dieser Tage aus dem Irak verbreitet wird. Wir hatten sogar Wahlen ohne wesentlichen Zoff und eine jüngere Umfrage deutet an, dass die Lage rosig ist – und jetzt haben wir sogar die ersten Touristen aus dem Westen. Wenn du die Ohren spitzt kannst du die Auslandsredakteure hören, wie sie Bagdad anwählen, um ihren Reportern zu raten, die Koffer zu packen und nach Afghanistan zu gehen, weil: Es ist ja soo vorbei in Bagdad.

Also hört mal, ich bin total dafür. Bringt die Touristen rüber, wir werden Spaß haben. Aber diese BBC-Meldung ist trotzdem etwas seltsam. Das Filmchen wurde bei Saddams alten Paradegründen gedreht. Die sind mitten in der Grünen Zone. Normales Volk – oder soll ich „Iraker“ sagen – kommt dort ohne Eskorte nicht hin. Und da quasseln sie über einen Trip zu den alten Stätten von Babylon! Werden die nicht von einer Einheit der US-Armee als Basislager verwendet? Dort braucht man doch Spezialpässe um rein zu kommen, oder? Ich kann mir zwar vorstellen, dass das Wacheln mit nichtirakischen Reisepässen genügt, um ein paar Hindernisse aus dem Weg zu räumen, aber wir reden da von einem Bus voller Ausländer, die durch ein Land kutschieren, in welchem Entführungen noch immer an der Tagesordnung sind. Der Arbeitskollege meines Vaters hat noch immer nichts von seiner Frau und der 4jährigen Tochter gehört, die Anfang des Jahres entführt wurden.
Ich nehme mal an, es ist eine nette Schleichwerbung für Hinterland Travel, checkt mal deren Website. Die Route ist recht beeindruckend, die haben sich die Werbung sicher verdient, um so eine wunderbar verrückte Sache wie eine Tour durch den Irak auf die Beine zu stellen. Ehrlich gesagt, so ein dreiwöchiger Trip durch mein Land würde auch mich interessieren. Neben den obligaten religiösen Stätten und Märkten gäbe es da sicher auch Zugang zu Plätzen, wo Iraker in der Regel nicht willkommen sind.

Irak-Museum, EröffnungstagSeht euch mal das Bild links an. So ging es Ende Februar zu, bei der Eröffnung des Irak-Museums. Kein Zugang für normale Inländer. Ausländische Reisepässe öffnen dir den Irak noch immer leichter als eine irakische Identitäskarte. Leider gilt der Satz „Vermutlich ein Terrorist, es sei denn, er kann seine Unschuld beweisen“ für Iraker bis auf weiteres noch immer.
Alles in allem sind diese Touristen aber sehr tapfere Seelen und ich bin neugierig, wie die Leute von Hinterland Travel das organisieren. Ihre Kunden müssen schätzungsweise jede Menge Schadenersatzverzichtserklärungen unterschreiben, ehe sie das Ticket kriegen. Und sollte es jemanden interessieren: Ja, ich bin eifersüchtig. Wie der Fuchs, dem die Trauben zu sauer sind.
Hier ein paar Attraktionen:
* Gestern gesellte sich ein kleiner Hochgeschwindigkeits-Sturm zu den ohnehin traditionell staubigen Bagdader Nächten.
* Der größte „Hummer H3“-Markt außerhalb der USA? Irak! http://bit.ly/TMdD8 . Käufer sind üblicher Weise Regierungsbeamte, die sich eine nette Gehaltserhöhung gegönnt haben.
* Zuerst ein Foltermuseum, jetzt auch noch eines für die Saddam-Statuen! Also wirklich, es reicht. Wie wär´s mal mit Elektrizität und sauberem Wasser?
Twitter:http://twitter.com/Salam
Blog: http://salampax.wordpress.com/
Flickr: http://www.flickr.com/photos/salam_pax/

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