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Gladius 02. Fucked in Fundiland.

Von | 19.04.2009, 16:04 | 16 Kommentare

Und es begab sich im Iran, dass eine selbstbewusste Frau zu 8 Jahren Kerker verurteilt wurde. Hat sie was getan, wofür sie sich schämen müsste? Aber wo.

Roxana Saberi, derzeit inhaftiertSie heißt Roxana Saberi und ist die Tochter einer Japanerin und eines Iraners. Sie wurde vor 31 Jahren in den USA geboren und wuchs als eines der lieblicheren Menschenkinder dieses Planeten heran. Saberi ist studierte Journalistin und war Schönheitskönigin von Nord-Dakota und weil die Motive eines Mädchens manchmal ebenso exotisch sind wie der Wille des Schöpfers ohne Gründe, beschloss Roxana, ihren Liebreiz in einen Tschador zu hüllen und in das Land ihres Vaters zu ziehen, um dort Reporter zu sein. Das war vor sechs Jahren. Vor zwei Jahren entzog ihr ein strenger Beamter die Journalisten-Lizenz, und wer ohne Lizenz über den Iran berichtet, der ist ein Spion. Befand die Iranische Regierung, die Miss Saberi vergangenen Februar inhaftieren ließ und nun zu acht Jahren Kerker verurteilte. Der Prozess dazu währte nicht ganz einen Tag, wozu auch einen Fall entrollen, wenn das Urteil beschlossene Sache ist.

Liebe Lesergemeinde, seit Alfa-Hirten und andere Wüstenwanderer uns ihre Geschichten und Gedanken und Träume als schriftliche Vermächtnisse ihres Dialogs mit dem Schöpfer hinterließen, seit Kleriker und andere Handküsser der Macht es verstehen, uns diese Vermächtnisse wie den ultimativen Cumshot der einen Allwahrheit zu offerieren, auf dass wir sie willig schlucken oder zur Hölle fahren – seither hat jeder gemeine Mensch den Scherm auf, wenn sein Land entsprechend fundamental unterwandert ist. Für Frauen gilt das ganz besonders, denn nicht in einem dieser „heilig“ genannten Ergüsse findet sich irgendwas, das ihnen die Röte vorfreudiger Erregung ins Gesicht treiben könnte. Die Frauen in diesen Schriften waren allesamt devote Dienerinnen vor dem Herrn, sie waren Brutstätten, sie hatten einen Preis, der in Schafen und Rindern gemessen wurde, und glänzte ihr Haar wie Seide, dann musste es in Tücher gewickelt werden, damit die Lende des Nachbarn nicht in vorzeitiger Schwäche ermatte.

Und sie waren Mittel zum Zweck ihrer Herren und Meister, das hielt schon Abraham, der Ahnherr der Monotheismen, nicht anders. Als er sich seinerzeit im Weideland von Gerar niederließ, genierte er sich bekanntlich nicht, seine Frau Sara als seine Schwester auszugeben, damit Gerars König Abimelech den Abraham links liegen lasse, wenn er auf die Idee verfiele, die  Sara nach Leibeslust zu begatten, anstatt zuerst den Abraham zu massakrieren und dann dessen Witwe zu vernaschen. Daher sagt man bis heute, dass Wennsätze würdelos sind.

Auch mit Ermächtigung des Christentums wandte sich der Frauen Blatt keineswegs, und ich muss hier gar nicht erst ein paar tausend Jahre drauf legen, um auf die notorischen Hexenverbrennungen zu verweisen, es reicht, im Jahr 415 AD zu verweilen – (all die „emanzipierten“ römischen Göttinnen wie Diana, Libra und Pomona waren da bereits zu Gunsten der farblosen Jungfrau Maria verschrottet) – als die sagenhafte Mathematikerin und Philosophin Hypathia in Alexandria von einem christlichen Mob ermordet wurde, weil sie sich erfrecht hatte, die Wissenschaft gegenüber dem religiösen Fundamentalismus wortgewaltig zu verteidigen.

Das ist fast 1600 Jahre her, aber eingedenk Roxana Saberis ist das wie gestern, zumal der Koran, aus dem der klerikale Iran seine Wahrheit bezieht, auch schon fast eineinhalb tausend Jahre Staub auf den Suren hat. Und wenn man sich daher heute auf der Suche nach dem Wesen des Seins auf die Wahrheiten von gestern berufen muss, dann ist es, als wären Fortschritt und Emanzipation und gleiches Recht für die Frauen nie manifest geworden.

Aber wie steht es um die Befindlichkeit der Frau im Westen, wo Freiheit Verfassung ist? Haben die Abenteuer Feminismus und Postfeminismus den weiblichen Willen zur gesunden Nie-wieder-zurück-Mentalität ausreichend geschürt, um wenigstens ein solidarisch beherztes „Freiheit für Roxana“ Richtung Iranische Botschaft zu schmettern? Es wäre Lüge, wenn ich behauptete, dass mir Entsprechendes aufgefallen sei. Allerdings war ich auch noch nie in der Nähe einer Iranischen Botschaft.

Sehr wohl aber weiß ich von Frauen, die aus freien Stücken beschließen, den Blick zurück zu wagen. Nicht weit zurück, nur auf ein Stück des Weges, den sie gekommen waren. Zurück auf Zeiten, als ihre Brüste straff waren und keine Falten das Umfeld ihrer Augen zierten, auf Zeiten also, da sie kaum persönliche Geschichte hatten. Dennoch scheinen sie von süßer Sehnsucht nach dieser Vergangenheit übermannt zu sein. Sie sitzen im Wartezimmer des Schönheitschirurgen und sie warten und lesen das Neueste von Brangelina. Als intimer Kenner der Bücher von Mose hätte ich gute Lust, sie zu warnen und anzuflehen, sich diesen dummen Blick zurück auf keinen Fall zu gestatten, denn das hat auch schon der Gattin des Lot, des Neffen von Abraham, nicht sonderlich gut getan, sie ward zur Salzsäule erstarrt. Aber wer hört schon auf einen simplen Frater wie mich?

PS. Nach einer Berufungsverhandlung (nebst diplomatischen Interventionen) wurde Roxana Saberi am 11.05.09 enthaftet. Ihr Buch zur Affäre: Between Two Worlds: My Life and Captivity in Iran

16 Kommentare »

  • sakristan biringer sagt:

    geschätzter frater, lieber truetigger, oida karotterl,

    das ist ja schön und gut, wenn ihr alle findet, die gute roxanna sei eine feine märtyrerin. das mag ja auch, bitteschön, so sein. wer märtyrern will soll märtyrern.

    aber:

    wenn mir ein land eine genehmigung entzieht, die ich in diesem land brauche, um von dort zu berichten – und das sei jetzt mal rein faktisch zu betrachten, nicht von moralischen, westlichen oder sonstigen werten beeinflußt – und ich weiss das auch, mach aber trotzdem weiter, dann muss ich damit rechnen, dass ich verhaftet werde.

    dass die arme roxanna natürlich zum spielball der wahnsinnigen islamisten da unten wird, von wegen zuckerbrot und peitsche (einerseits wollen wir international werden, andererseits nehmen wir US-amerikanerinnen fest, die wir dann gegen weitere zugeständnisse wieder freilassen) steht auf einem anderen blatt.

    die verhaftung kam dennoch nicht unerwartet. und auch der gedankensprung vom illegalen berichten zur spionage ist zwar freilich bananenrepublikös, aber doch nachvollziehbar.

    an Sie, werter frater: auf einer sonntagskanzel wähne ich poesie als fehl am platz. genauso wie unruhen unter der kordel. das sei hier einmal klargestellt …

    • Frater Gladius sagt:

      Herr Biringer, da Sie den Zusammenhang von Roxana mit den US-iranischen Beziehungen ohnehin sehen (die eventuelle Freilassung der Journalistin als Teil eines diplomatischen Deals), muss ich mich nicht darüber auslassen. Über Ihr Argument von der Genehmigung, die man von einem Land braucht, um darüber zu berichten, wiederum, will ich mich nicht auslassen. Das brächte mich nur ins Fahrwasser eines gewissen Jesus, der auch nicht die Genehmigung hatte, im Tempel von Jerusalem zu predigen und es dennoch tat und siehe, wie steht er heute da und so weiter … und dort war ich zu oft, das ist ein Thema, das hängt mir zum Halse raus, das werden Sie mir wohl glauben.
      Es kommt halt darauf an, wem Sie zu gehorchen bereit sind. Einem Landesherrn, einem Bullen, einem Gott, einer inneren Stimme? Wem? Wer ist die letzte Instanz? Vergessen Sie nur nicht, dass Sie im Leben durchschnittlich 70 bis 80 Jahre Zeit haben, sich darauf einen Reim zu machen. Und irgendwann wollen Sie genau das. Einen Reim.
      Bleibt also die Poesie. Meiner Ansicht nach gibt es ein Alter, da bleibt nur noch die Poesie, wenn Sie Ihrem Geist weiterhin gestatten wollen, an Orte zu gelangen, wo Sie noch nicht waren. Alles andere ist Modelleisenbahn. Und Roxana in ihrer im Tschador geborgenen Anmut ist pure Poesie, sie inspiriert, sie weckt meine Lebensgeister und nachts in meiner Zelle seh ich sie, die anmutige Schöne gegen ihn, den senilen Mullah und der Mullah hat die Macht und fragt „was tust du da“ und sie sagt „berichten“ und er sagt „steck dir den Bericht irgendwohin“ und sie sagt „leck mich am Arsch“ und dann tut sich was unter der Kordel und das Leben hat wieder Frische (apropos Kordel: Sie haben ja keinen Tau, was in Mönchen diesbezüglich abgeht. Ist wohl auch besser so …) Ihr FG

    • karotterL sagt:

      keine poesie und keine unruhe????
      oida!

  • sakristan biringer sagt:

    und wiedereinmal glänzt des fraters sonntagsschrift vor kampf-platitüden, die sich hinter seinem exzellenten historischen wissen zu verstecken suchen.

    kann mir aber bitte mal irgendjemand erklären, was die gute frau noch im iran verloren hat, wenn sie nicht mehr dort sein dürfte?

    regeln gibt es ja schließlich auch abseits des klerikalen … oder?

    • karotterl sagt:

      ha

      was hat die gute frau im iran verloren!!!

      oida, denken wir das mal weiter:
      was haben die asylanten bei uns verloren?
      was haben die sykoras und skswrks bei uns verloren
      was haben die kriegsberichterstatter sonstwo verloren
      was macht a eberstalzeller in vorchdorf…

      jaja, bleiben wir nur alle da, wo irgendjemand feststellt, dass es der richtig platz für uns ist.
      bestimmung? berufung?
      a so a bledsinn.
      guschn, pappm halten und die mädls-najo, dürfen sich halt nicht so aufreizend anziehen, dann lass mas eh in ruh.
      gell?

      • Frater Gladius sagt:

        Karotterl, in Ihnen pocht das Herz einer stattlich stolzen Karotte. Richten Sie sich auf, Sie sind gesund. Ihr FG

        • karotterL sagt:

          verehrtester frater!

          dank Ihrer zusprache hab ich mir ein großes L erlaubt!
          stolzer als zuvor wandel ich durchs jungemüsenvolk und bedank mich!
          ihr dankbarer

          karotterL
          ;-)

          • Frater Gladius sagt:

            Nur weiter so, karotterL. Und wenn Sie einst beim „A“ anlangen (karotterL, karotteRL, karottERL etc, bis endlich zu kAROTTERL), dann denken Sie ganz laut „Alfatier“. Das abschließend fällige „K“ sollte dann eigentlich zur Nebensache verKümmern … Ihr FG

            • karotterL sagt:

              frater!! verehrtester!!

              ist das der weg zum steak???
              das tier mit dem (zugegebenermassen etwas seltsamen, bin ich doch ein fanaatischer ph-anhänger, schon das saxophon, das wunderbare, dass plötzlich ein saxofon sein soll, seufz) alfa erscheint mir zwar …ähm …fast zu weit gegriffen. wo doch in unserer schönen neuen welt die aufgaben klar verteilt sind.

              nun, solang es soma gibt…
              und wahrhaft standhaft harre ich der aufzuerlegenden buße und wachse halt ein bisserl weiter…

              ihr fast schon erleuchteter
              karotteRL
              (erscheint mir fast vorwitzig, das R, aber der überschwang der frühlingsgefühle,… seid nachsichtig, verehrtester!)

    • Frater Gladius sagt:

      Platitüden, Herr Biringer? Ich möchte schon bitten … Mit einem Schwert wurde noch kein Acker bestellt. Und wenn dir so ein Gerät in den Namen gepflanzt wird, dann kannst du es als Berufung nehmen. Oder du musst es fliehen. Die liebliche Roxana wurde übrigens nie ihres Vaterlandes verwiesen. Es wurde ihr aber untersagt, darüber zu berichten. Die Frage ist: Kann ein weltlicher Fürst dir etwas untersagen, das dir Berufung wurde? Für mich persönlich jedoch ist Roxana ein klarer Fall von (göttlich arrangierter?) Poesie: Eine anmutige Frau hüllt ihren Liebreiz in einen Sack und geht in ein Land, wo Liebreiz das Licht des Tages nicht erblicken darf. Wem blutet da nicht das Herz? Aber ich gebe schon zu, dass Gewänder, die mich ans Nonnenkloster von nebenan erinnern, immer schon im Stande waren, für teuflische Unruhe unter meiner Kordel zu sorgen, während diese verwelkten, der verlorenen Jugend nachtrauernden Gestalten des Westens mit ihren aufgeblasenen Bazookas nur den leiblichen Frieden im Fraterland besiegeln. Allein, wir Fratren brauchen den Unfrieden. Wir brauchen den Teufel, sonst wissen wir nicht, was wir auf Erden sollen. Ihr FG

    • truetigger sagt:

      @sakristan biringer:

      Die junge Frau arbeitet im Iran als Reporterin für diverse ausländische Medien. Als man sie loswerden wollte hat man ihr – quasi in einem Atemzug – erst rückwirkend die Journalismus-Lizenz entzogen und sie dann gleich der Spionage angeklagt, dazwischen lag nicht wirklich viel Zeit.

      Natürlich hätte sie mit ihren herausragenden Abschlüssen auch für die Vogue in New York einen Job gefunden oder als Hollywood-Reporterin von sogenannten VIPs berichten können – dafür gibt es immer einen Markt. Aber mit ihren iranischen Wurzeln beschloss sie, sich SELBST ein Bild ihrer Heimat zu machen und nicht einzig auf das zu setzen, was man über den Mainstream von dort mitbekommt.

      Sie ist den unbequemen Weg gegangen, hat Mut bewiesen, indem sie den Fundis dort ans Bein pinkelte und sitzt nun als politische Gefangene ein. Meine Hochachtung vor soviel Courage!

  • truetigger sagt:

    Wer sagt, dass Frauen die besseren Menschen seien? Die ganze westliche sogenannte Zivilisation basiert ja auf der Fähigkeit, Wissen über Vorkommnisse ausblenden zu können. Gequälte Tiere, ungerechte Kriege, Völkermorde in fernen Regionen, unterdrückte Frauen, offener Rassismus, die Auspressung der dritten Welt, Militärputsche und abgeschlachtete Glaubensbrüder in Indien – all das verdirbt uns Dekadenten ja nicht den Appetit und lenkt uns nicht von den wesentlichen Themen beim gepflegten Abendessen ab: Was wird wohl die nächste DancingStar-Folge bringen?

    Da sind doch Frauen und Männer gleich feig und bequem.

    In diesem Sinne: Amen.

    • Frater Gladius sagt:

      truetrigger, das Vermögen, Wissen über Vorkommnisse ausblenden zu können, ist genau das: (selbst)Blendung. Und ja, es ist Bequemlichkeit. Aber es ist keine Fähigkeit. Fähigkeit ist das Vorhandensein eines Talents. Obig erwähntes Ausblenden ist also bestenfalls die Weigerung, auf eine Fähigkeit zurück zu greifen. Und wir Geistlichen wissen halt, dass Gott diejenigen bestraft, die nicht versuchen, ihr (gottgegebenes) Talent zur Blüte zu bringen. Es grüßt Sie herzlichst: Ihr FG

  • claudia sagt:

    schade, dass der pater michael hass nicht mehr hier (sonntags) schreibt …

    • Werte Claudia,
      das finden wir von ZiB21.com auch. Und auch wenn uns des Paters Entscheidung, fortan nicht mehr hier zu predigen, unergründlich erscheint, müssen wir sie akzeptieren.

    • Frater Gladius sagt:

      Liebe Frau Claudia,
      ich bin ganz Ihrer Meinung. Leider ließ sich der Pater nicht zu einer Fortsetzung seines sonntäglichen Tuns hierda bewegen. Im „Evolver“ allerdings meldet er sich weiterhin Donnerstags zu Wort. Mit einer Serie über „Weibliche Archetypen“ gelangt dort übrigens auch eine weitere seiner exzellenten Ideen zur Veröffentlichung. Herzlichst, Ihr FG.

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