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London 2012 & kein Olympischer Gedanke

Von | 22.07.2012, 17:44 | 7 Kommentare

Wenn du ein Pepsi-T-shirt trägst, darfst du nicht zu Usain rein. Zum Zynismus eines Spektakel, das mit dem Olympischen Gedanken nichts anzufangen weiß.

Usain Bolt by José Goulão, Lizenz: CC BY-NC 3.0

Die Zeichen sind schon an der Wand. Der Zufall wollte es, dass ich vor wenigen Tagen am Londoner Flughafen Gatwick zwischenlandete und da sah ich sie, die Wände. Jede Menge Holzverbauten mit dem Schriftzug „wegen Bauarbeiten geschlossen“, eine Woche vor Beginn der Spiele. Die Hallen wimmelten von ankommenden Athleten und Briten, die das Weite suchten, hinter den Wänden wurde gehämmert.

Die Olympischen Spiele 2012 haben noch nicht begonnen, aber sie haben bereits ihre Vorzeigevisagen. Zum Beispiel jene von Nick Buckles, Boss der Sicherheitsfirma G4S, der etwas zwiespältig budgetierte. Großzügig sich selbst gegenüber (olympisches Salär seiner Firma: EUR 65 Mio), knapp kalkuliert das Sicherheitspersonal. Eine Schlappe. Bekanntlich wurden zusätzlich nun 3500 Soldaten für London 2012 zwangsrekrutiert.

Oder Lord Coe, ehemaliger Goldmedaillist über 1500 Meter, heute Vorsitzender des Olympischen Organisations-Komitees. Der nun unterm Wetter ist, weil er das nicht zu Rechtfertigende rechtfertigen muss: dass Fans, die Pepsi-T-shirts tragen, der Eintritt in den Olympiapark verweigert wird (weil Coca Cola sponsert); dass für Nike-Schuhe tragende Fans dasselbe gilt (Sponsor Adidas); dass man in den Olympischen Stätten vergeblich nach den traditionell englischen Fish´n´Chips suchen wird, weil sich MacDonalds das Monopol für Pommes erkauft hat. Freiheit, die Sponsoren meinen.

Besonders heftig kritisiert Londons wiedergewählter Bürgermeister Boris Johnson, dessen berühmter Schmäh langsam stad wird. Er ist Gastgeber der „britischen“ Spiele, die er zur Werbefläche der großen US-Konzerne verkommen ließ. Er hatte „the People´s Olympics“ versprochen, nun fleht er die Londoner an, zeit der Spiele auf Urlaub zu fahren, damit mehr Platz auf den Straßen ist. Er hatte den Londonern olympische Arbeitsplätze versprochen, nun muss er den „Slum Park“ im Olympischen Dorf verteidigen, hunderte im Hochwasser stehende Container für das mehrere tausendköpfige, aus Südeuropa eingeflogene Putzpersonal – das vor den arbeitslosen Londonern den Vorzug erhielt, weil man Gastarbeitern aus Übersee außerdem tägliche 25 Euro Miete pro Person abknöpfen kann.

Ich sage Euch, London 2012 wird ein Chaos sein, weil London schon lange nicht verkehrsfähig ist und jetzt erst recht nicht, die Spiele werden eine Pleite sein, weil nur vom Olympischen Gedanken der Moderne – maximaler Profit bei minimaler Investition – getragen. Und es wird keine sportlichen Rekorde geben – weil es sowas wie Gerechtigkeit gibt. Obwohl, für letzteren Gedanken muss bei mir Zeus herhalten (unterstrichen von den Prognosen der Wetterpropheten, dass 80% der Spiele im Regen stattfinden werden).

 Der Olympische Gedanke

Zeus by Jastrow, Lizenz: Public Domain

Bekanntlich war der erste Bewerb der Olympischen Spiele (wir sind jetzt in der griechischen Mythologie) eine Idee, ein Gedanke zur Entstehung der Welt. Demnach forderte der einjährige Zeus seinen Vater Kronos zu einem Ringkampf um die Herrschaft am Olymp, jenem Ort, dem die griechischen Dichter und Künstler im Auftrag ihrer den Göttern in den Arsch kriechenden irdischen Machthaber huldigten.

Zum Ringkampf war es gekommen, weil der Titan Kronos seinem Vater Uranos, Gott der ersten Stunde, die Genitalien abgeschnitten hatte, aus Rache für Mutter Gaia (die von Lover Uranos recht chauvinistisch behandelt worden war). Rund um die im Meer treibenden Hoden des Uranos entstand übrigens Meerschaum – aphros -, aus dem die Aphrodite entstand, aber das führt jetzt wohl zu weit. Wir müssen uns damit zufrieden geben, dass anfangs Chaos war, woraus sich Uranos (Himmel) und Gaia (Erde) kristallisierten, die für elementaren Nachwuchs sorgten – und somit für Troubles, unter Menschen manifest als stürmische See, unfruchtbare Felder, aufdringliche Nachbarn und dergleichen. Die Welt, wie alte Griechen sie reflektierten, war aus dem Lot. Sie bedurfte einer schlichtenden Hand, und auf trat Zeus, jüngster Spross der dritten Göttergeneration.

Der um seine Genitalien erleichterte Uranos verpasste Kronos postwendend den Fluch, dass ihm von seinem Nachwuchs ähnliches blühen werde – worauf Kronos alle Kinder, die ihm Gattin Rhea gebar, schluckte. Worauf Rhea den Zeus insgeheim gebar und Kronos an Stelle von Zeus einen in Tücher gewickelten Stein schlucken ließ.

Also forderte Zeus den Cronus, besiegte ihn, zwang ihn, all die verschluckten Geschwister wieder raus zu speien. Und befreite auch die bereits von Urvater Uranos Fritzl-style in dunkle Kammern verbannten, teils missgeborenen Verwandten (Zyklopen) – die dem Zeus dankbar ihre Spielzeuge schenkten, Donner und Blitz unter anderem, mit denen er unbesiegbar wurde. Somit herrschte Waffenstillstand am Olymp und Daumenhoch auf Erden, des Meeres Wogen waren geglättet, die Stürme besänftigt, die Erde wieder fruchtbar, das menschliche Leben machbar.

Das ist der originale Olympische Gedanke, die Spiele wurden als Huldigung an Zeus etabliert, angefangen mit Homer, der in der Ilias die Troja belagernden Helden rund um Achilles entsprechende Wettkämpfe austragen ließ, fortgesetzt 776BC in den originalen Olympischen Spielen zu Olympia, die über tausend Jahre lang ausgetragen wurden, ein schier superhumanes Spektakel um Ruhm und Herrlichkeit, der originale sportliche Bewerb, befreit von allem materiellem Streben und allem irdischen Tand, nicht einmal ein Tuch trugen die Athleten um die Hüften.

Dieser Gedanke liegt irgendwo zertrümmert unter den Bannern des globalen Kapitals. Darum setz ich, erstens, auf Zeus. Er wird Regen schicken und Usain Bolt durch Pfützen ans Ziel sprinten lassen. Zweitens wird er das hoffentlich so lange betreiben, bis das Internationale Olympische Komitee sich endlich herab lässt, dem Staat Griechenland Tantiemen aus den Spielen zu überweisen. Schließlich gibt es so etwas wie Urheberrecht. Und wie so vieles (Denken, Rechnen etc) müssten ohne die Griechen auch die Olympischen Spiele erst erfunden werden.

7 Kommentare »

  • FNF sagt:

    tja, das wird eine der letzten amtshandlungen des alten sein, mit ende januar 2013 tritt er ja den wohlverdienten ruhestand an. sein weib hera.astarte wehrt sich zwar noch heftig (das weib ist vollkommen verrückt sich mit ihrer tochter pallas athina und der schaumchimäre aphrodite um den goldenen apfel zu matchen, bzw. in ihrer gestalt als locate den adhs-sohn oidipos in ihr bett zu holen, oder?), es wird ihr aber nix anderes übrig bleiben, zeus.jehova hat die nase voll von ihren zickereien, in hinkunft wird sie sich vielleicht mit stickereien die zeit vertreiben, und wenn sie nicht endlich zur vernunft kommt, wird sie das im hades tun.

    wir haben es dann also mit der next generation apollon und pallas athina zu tun, die ihre lektion gelernt haben: war es doch die shitty little adam.paris, der mit pallas.lilith einfach nicht konnte und sich für ein schaumgebilde aus der eigene rippe entschied, die dann statt ihrer äpfelchen einen apfel reichte, was zur erkenntnis von gut und böse führte sowie lokalverbot im paradies.

    matriachat war shit, das sie ersetzende patriarchat nicht minder, die einzig vernünftige lösung also nicht glawi.evas matriachat reloaded and enhanced per kronotischen adhs-vaterkastrationsbrauch zwecks domestizierung zu der domina das guccitascherl nachtragenden fifis, sondern gleichberechtigung von yin und yang bei anerkenntnis der unterschiedlichen stärken und schwächen: gemeinsam sind wir unausstehlich.

    also, ran an den baum des lebens (der wink mit dem zaunpfahl war ja eigentlich wirklich nicht zu übersehen), and they lived happily ever after. cooler plan, no?

  • saxo lady sagt:

    naja, gefällt mir nicht. gar nicht. was opfert man zeus eigentlich? für den regen und so? hoffetnlich keine jungfräulichkeit. damit kann ich nicht mehr dienen.

    • Frater Gladius sagt:

      Es wird sicher Alternativen geben, saxo. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zeus auf Jungfräulichkeit beharrt. Dein FG

      • saxo lady sagt:

        Es nervt gewaltig. Olympia vor der glotze, exotische Sportarten, Bodenturnen, etc. Das gibts nur alle 4 Jahre. Meine söhne sind genau jetzt alt genug, um von diesen Zauber was mit zu bekommen. Und jetzt diese Kommerzsch….. nein. Mehr. Im grunde ist es Politiksch…. grrr

        • Frater Gladius sagt:

          Ja, es ist Jammer. Dennoch finde ich gewisse Disziplinen, wie etwa den Hochsprung der Frauen, intellektuell nach wie vor sehr stimulierend …

          • saxo sagt:

            ..und jetzt sitze ich und starre gebannt auf ringe und trampoline und recke (-s?)und wellen und (weniger intellektuelle) stimuli überschwemmen mich. sekundenbruchteile, die freude machen und leid..welch herrliche illusion. und dann schau ich und denk mir: schauschau. kein logo weit und breit. nur london 2012. gut gemacht :) diese schöne stadt muss ich dringend besuchen!

  • mare sagt:

    Kompliment Herr Frater, dass nenn ich mal eine ordentliche Predigt! Ja, schreien Sie hinaus wie die Gier alles zersetzt und wie die schleichende Pest die Werte der Menschen verfaulen lässt! Das mit dem Coyright ist echt eine Super-Eingabe, damit wäre den Griechen in vielerlei Hinsicht geholfen. Dann bitten wir mal alle, den Supervisior, nicht wahr?;-)

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