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Sex für Fortgeschrittene 50. Sex oder Sieg?

Von | 08.06.2012, 16:44 | Kein Kommentar

Ist Sex vor dem Match eine gute Idee? Es gibt Fragen, die können sogar Fußballgötter in psychische Konflikte stürzen.

Wayne Rooney by toksuede, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Folgende Verse ergeben im Spanischen angeblich einen Reim:

Hey Trainer, gib uns Freizeit / gib uns etwas Freiheit / damit wir etwas bumsen können / und nicht mehr wichsen müssen.

Der spontane Eindruck, dass der Urheber dieses Ergusses wahrscheinlich ein Fußballer ist oder war, trügt nicht. Es waren die argentinischen Weltmeister von 1986, angeführt von Diego Maradona, die obiges Ständchen sangen. Im Teambus, auf dem Weg zum Match. Sie wussten da noch nicht, dass ihnen letztlich der Sieg im Weltcup blühen würde. Sie wussten lediglich, dass ihnen die vom Manager diktierte, vier Wochen lange frauenlose Kasernierung buchstäblich auf die Eier ging. Welcher Mann würde das nicht verstehen?

Ist Sex vor dem sportlichen Bewerb – oder im Laufe eines Turniers – eine gute Idee? Die Antwort ist zunächst ebenso logisch wie einfach: Guter Sex ist immer eine gute Idee. Aber wie viele Männer haben schon wirklich guten Sex? Nicht die Mehrheit, sagt die Statistik. Anno Alfred Kinsey (1948) waren es neun von zehn Männern, die sich beim Thema Sex zu Problemen bekannten. Ein knappes halbes Jahrhundert später (Reuben Fine, San Francisco 1988) waren es immerhin noch drei von vier.  Und heute ist nicht nur seine Psyche labil sondern seine Samenladung subfertil.

Laut Fine entwickelt der Mann seine sexuellen Konflikte auf dreierlei Niveau. Die einen kommen mit dem bedauerlich miesen Image der Masturbation nicht zurecht, die zweite – und weitaus größte – Gruppe glaubt an vorzeitigem Erguss zu leiden. Die dritte Gruppe findet ihren Dauerzustand der Impotenz irgendwie unbefriedigend.

Was unsere sportlichen Betrachtungen anbelangt, kann letztere Gruppe ignoriert werden. Diese Männer haben zwar jede Menge Probleme, aber die Frage, ob sie vor dem Wettkampf noch eine Nummer schieben sollen, belastet sie nicht.

Das Problem des Rests hat vor allem damit zu tun, dass sie im Zustand der Hochform Inhaber eines Testosteronspiegels sind, der auch den Sexualtrieb maximal beflügelt. Das heißt, sie haben nicht nur den alltäglichen Affen im Kopf, sie haben den ganzen Zoo.

Sex oder Sieg?

Im Turnierfußball haben sich Teamchefs der Thematik unterschiedlich genähert. Zeitlose Tradition hat das Prinzip der Kasernierung, unterstrichen vom Credo, dass Fußball ohnehin eine Art Sex ist, nur eben heftiger. Sowas wie ein Gangbang mit Schiedsrichter. Wenn ein Engländer vom „Fuck of the Century“ redet, meint er noch immer den legendären 5:1-Sieg über die Deutschen (2001).

Verantwortlich für die sexlastige Sprache im Fußball ist, klar, der Treibstoff, der Sex und Fußball dynamisiert. Testosteron ist im Fußball der Katalysator für alles, was unter „leistungsfördernd“ läuft, im Sex läuft ohne Testosteron genau nichts.

Der männliche Organismus hat in diesem energetischen Szenario allerdings einen imposanten Trick auf Lager: Um Sex zu haben, braucht der Mann Testosteron. Gleichzeitig produziert er Testosteron, während er Sex hat. Und je öfter  – (merke: nicht in einer Nacht, sondern in langfristiger Regelmäßigkeit) – er Sex hat, umso mehr Testosteron hat er im Tank. Genial, no?

Allerdings wird Masturbation in diesem Szenario nicht als „Sex“ klassifiziert. Der Orgasmus, den du dir selbst bescherst, mag zwar entspannen, aber auf einen etwaigen Testosteron-Bonus wartest du vergeblich. (Quelle: The Intimate History of the Orgasm by Jonathan Margolis)

Möglich, dass o.a. Umstände mit eine Rolle spielten, als 1974 die holländische Teamführung anlässlich der WM in Deutschland erstmals beschloss, die Gattinnen und Girlfriends (engl.: WAGS) im Hotel ihrer Kicker einzuquartieren. Bekanntlich erreichten die Oranjes das Finale, in dem sie die Deutschen Eins zu Zwei an die Wand spielten.

Anlässlich der WM 2006 wiederum, wieder in Deutschland, bescherte die gleiche WAG-Strategie den Engländern ein Fiasko, unter anderem weil die britischen Medien mehr über die WAGs berichteten als über ihre Kickergatten, was letztere unrunder machte als es zu einem Ball passt.

WAGs oder nicht WAGs?

Fußballerfreundin Shakira by Donnie Brasco, Lizenz: CC BY-ND 2.0

Was die Euro 2012 in Polen und Ukraine anbelangt, haben die Teambetreuer generell beschlossen, die Frage „WAGs oder nicht WAGs“ diskret zu behandeln. Gattinnen und Girlfriends finden hin und wieder individuelle Erwähnung. WAGs mit Publicity-Bedarf etablierten ihre eigenen Websites. Charismatikerin Shakira, Freundin des spanischen Verteidigers Gerard Pique, spielt in einer eigenen Liga. Und Fußballgötter, die einfach immer für Schlagzeilen gut sind – check Mario „Why Always Me?“ Balotelli – haben ihre sexuellen Eskapaden bereits vor dem Turnier erledigt, nenne es brüderlicher Soldarität mit England´s Wayne Rooney.

Dass ein Trainer, der seine Schützlinge letztlich siegen sehen will, sie auch heute noch gern zur sexuellen Abstinenz bewegen möchte, basiert im wesentlichen auf zwei Erwägungen: Er hat erstens die (nicht ganz unbegründete) Angst, dass der Sportler in der Arena nach dem Erguss nicht aus dem vollen Maß seiner Energie schöpfen kann.

Er würde, zweitens, bei der Frage „masturbieren oder koitieren“ eher zu letzterem raten, was wiederum insofern zu einem Problem führen kann, als Sex ja nicht nur Sex ist, sondern häufig eine Beziehung inkludiert. Das kann zu demotivierenden Konflikten führen, man denke an die Anekdote vom Boxer, der sich die Nacht vor dem Weltmeisterschaftskampf gegen Muhammad Ali mit seiner Gattin verkrachte.

Sie wollte Sex, er widerstand mannhaft, um sie schließlich zu trösten: „Morgen, meine Liebe, wirst du mit dem Weltmeister schlafen.“ – „Okay,“ erwiderte sie, „dann gib mir die Nummer von Ali.“

Die eingangs erwähnten Argentinier hatten zu ihrem Glück in Ricardo Bochini einen weisen Coach. „Wozu heute an Sex denken, “ meinte er nur zu Maradona und Co. „Wenn ihr Weltmeister werdet, will euch morgen ganz Argentinien bumsen.“

Der Rest ist nicht nur Fußballgeschichte.

 

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