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Rettet das Urheberrecht! Schafft es ab!

Von | 11.05.2012, 1:23 | 5 Kommentare

Willst du sowohl Urheberrecht als auch Internet retten? Dann musst du ein neues Urheberrecht wollen.

Le Tiers-État portant le Clergé et la Noblesse sur son dos. (public domain)

Le Tiers-État portant le Clergé et la Noblesse sur son dos. (public domain)

Zu den der gegenseitigen Beschwichtigung dienenden Formeln in der aktuellen Urheberrechtsdiskussion gehört einerseits die Versicherung, niemand wünsche, daß private Nutzer kriminalisiert werden und das Internet der Totalüberwachung anheimfalle, und andererseits, daß niemand die Absicht habe, das geltende Urheberrecht abzuschaffen.

Die Worte vernehmen wir mit Wohlgefallen, indes, dem Frieden trauen wir nicht. Zu Recht, denn ein starkes Urheberrecht und ein freies Internet sind wesensmäßig einander diametral entgegengesetzt.

Unser geltendes Urheberrecht ist im Kern ein Kontroll- und Monopolrecht, das auf bestimmte Zeit den Urhebern bzw. deren Vertretern die absolute Kontrolle über geschaffene Werke zugesteht und dessen ökonomische Basis die künstliche Verknappung des immateriellen Gutes ist. Diese Herrschaft über das Werk ist absolut, ihr kann lediglich durch gesetzliche Schranken bzw. Zwangslizenzen Einhalt geboten werden. Jedoch können sich Urheber und deren Vertreter jederzeit darüber mittels technischer Schutzmechanismen hinweg- und die Schrankenregelungen außer Kraft setzen und so selbst Barrieren aufrichten. Damit ist das geltende Urheberrecht prinzipiell hierarisch organisiert, an dessen Spitze der einzelne Urheber steht und die Masse der Konsumenten die breite Basis bildet.

Teilen, eine Kulturtechnik

Das Internet hingegen existiert und lebt durch die Kulturtechnik des Teilens, durch den freien Austausch von Informationen unter Gleichgesinnten, ja: unter Gleichen. Internetnutzer teilen sich nicht vertikal – von oben nach unten – mit, sie teilen ihr Wissen und ihr Können horizontal mit anderen, ebenfalls teilenden Internetnutzern und verstehen sich und einander als Teil eines unabgeschlossenen und in die Zukunft offenen Ganzen. Immaterielle – digitale – Güter werden im Netz nicht als apriori knappe Güter verstanden, die durch ihre Verbreitung an Wert verlieren, sondern paradoxerweise an Wert gewinnen, je weiter sie verbreitet werden. Jede Barriere, die gegen die Verbreitung und das Mit-Teilen immatiereller Güter errichtet wird, ist somit strukturell und wesenmäßig ein Fremdkörper.

Horizontaler Austausch ist nicht gleichbedeutend mit ungezügelt-kannibalisierendem und regellosem Verkehr: Auch im Internet gelten (neben den nationalen und internationalen Gesetzen) wünschenswerte soziale Umgangsformen sowie Rechte und Pflichten im gegenseitigen Austausch. Barrierefreies Teilen heißt nicht kostenfreies Teilen: Denn eine monetäre Bezahlung dient nicht nur dem materiellen Erhalt von Strukturen und der Produktion von Wissen, sondern honoriert auch das Teilen und das Geteilte.

Das derzeitige Urheberrecht als Regelwerk im Umgang mit Immaterialgütern und das Internet als Umtauschplatz dieser Güter sind dogmatisch so grundverschieden, daß die Gesellschaft wählen muß zwischen einem starken Urheberrecht in der geltenden Fassung und einem prosperierenden Internet, wie wir es kennen.

Wer beides retten will – Urheberrecht und Internet – muß ein neues, ein anderes Urheberrecht wollen.

5 Kommentare »

  • […] in ZiB21 vom 5. Mai 2011 Bildnachweis: Kanaal van Korinthe (cc-by-sa Napoleon Vier aus nl) + 25. Mai […]

  • […] in ZiB21 vom 5. Mai 2011 Bildnachweis: ”Le Tiers-État portant le Clergé et la Noblesse sur son […]

  • @ m:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Seien sie versichtert, daß ich jegliche Ausbeutung von Menschen und ihrer Leistung sowie Kreativität für unmoralisch halte, gleich, ob sie legal und vertragsmäßig und illegal und ungesetzlich geschieht.

    Die Herausforderung, der wir uns als Gesellschaft jedoch stellen müssen – und das ist das Thema meines Beitrags -, ist, in wieweit der berechtigte Schutz kreativer Leistungen im Internet in die Strukturen dieses Kommunikationsraumes und in unsere Bürgerrechte eingreifen darf. Es geht also um eine Abwägung von Ansprüchen der einzelnen Urheber und den Ansprüchen der Gesellschaft als Ganzes; und auch, ob der volkswirtschaftliche Schaden, den Schutzmechanismen wie Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren verursachen, nicht größer ist, als deren Nutzen.

    Das Beispiel „kino.to“ zeigt, daß es weder Vorratsdatenspeicherung noch Netzsperren braucht, um kriminelle Handlungen zivil- und strafrechtlich zu verfolgen.

    Im Internet herrscht – bedingt durch die nicht-dingliche digitale Welt – eine andere Ökonomie, die Auswirkungen auf Verbreitung und Nutzung kreativer Immaterialgüter hat.

    Das Urheberrecht und die Urheber müssen sich dieser digitalen Ökonomie anpassen, außer sie stellen sich gegen die Wirklichkeit und den gesellschaftlichen Konsens.

  • m sagt:

    ich weiß nicht, was Sie dazu veranlasst so etwas zu schreiben, aber jeder Mensch, der schon einmal etwas geschaffen hat und dann mit ansehen musste, wie andere Menschen damit Profit machen, während dem Urheber nichts bleibt, der wird Ihnen widersprechen. Ich kann Ihrer Argumentation absolut nicht folgen. Ich verstehe nicht, was Freiheit im Internet mit Verstößen gegen das Urhaberrecht zu tun haben sollen.

  • […] sowohl Urheberrecht als auch Internet retten? Dann musst du ein neues Urheberrecht wollen, bloggt Joachim Losehand auf Zeit im Blog. Sharen mit:TwitterFacebookFlattrE-MailGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem diese(r) Artikel […]

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