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Sex für Fortgeschrittene 48. Woran Girls denken, während sie Sex haben

Von | 12.04.2012, 17:03 | 7 Kommentare

Stell dir vor, er ist von Kopf bis Fuß auf reinundraus und sie beginnt plötzlich laut zu denken. Vlog-Aufklärung von YouTube-VIP Jenna Marbles.

 

Jenna-Vlog, screenshot

Zum Beispiel: „Gott, wie meine Schenkel aussehen, ich muss wieder mal ins Fitness-Studio.“ – Oder: „Sieht irgendwie komisch aus.“ – Oder auch: „Verdammt, wo schaut er jetzt schon wieder hin?“ –

Und dann wird es langsam lauwarm: „Nein, nicht der Daumen!“ – Oder: „Autsch, nicht diese Stellung, Dude, ich bin nicht so beweglich!“ –

Man ahnt, die beiden Turteltauben sind erst am Anfang. Beim Orientieren. Beim Suchen nach einer beiderseits gefälligen Lage. Beim Finden von Zonen, die sich eventuell lohnen. Und ganz sicher ist das, was sie denkt, nicht etwas, das er sich vorstellen könnte, dass sie denkt. Da ist was Lost in Translation, wo zum Teufel bleibt etwa die Romantik?

Immerhin sind die Gedanken noch präzis, sie haben ein Thema, das Girl zu den Gedanken ist beim Akt, wenn auch anders als ihr Lover sich das vorstellt, wie gesagt. Die Gedanken haben Koordinaten, wären daher für ihn durchdrückbar, sie setzen ihn ins Bild, theoretisch halt, er kennt sie ja nicht (und hätte er Tau davon, würde er keinen Heller dafür geben, geschweige denn ein Königreich).

„Warum?“

Mysteriöser (für ihn) wird es, wenn sie in eine Art leeren Raum gerät, vielleicht ist es auch eine Sackgasse, wenn die Worte zu spärlich werden, um daraus einen Reim zu machen. Stell dir vor, du bist von Kopf bis Fuß auf reinundraus und das Girl dazu beginnt laut zu denken.

Zum Beispiel: „What the fuck?“ – Oder: „Meinst du das ernst?“ – Oder simply: „O nein!“ – Oder, der Killer:

„Warum?“ –

Noch ein paar Worte weniger und du hast jenes berühmte Schweigen, das die Ohren betäubt.

Zum Glück hat auch jeder linkische Akt einmal ein Ende – das sich allerdings zum Leidwesen des Girls bisweilen in die Länge zieht. Was wiederum für Bewegung zwischen ihren Ohren sorgt.

Der Trigger kann olfaktorisch sein: „Iih, ich kann deinen Eiersack riechen, das ganze Zimmer riecht schon nach Eiersack.“ – Oder ästhetisch: „Du schwitzt wie Sau.“ – Oder terminlich: „Kannst du dich ein wenig beeilen?“ – Oder prohibitiv: „Nein, nicht den Nervensäbel!“ –

Allmählich reifen gewisse Erkenntnisse: „Heut komm ich sicher nicht.“ – Worauf sie, während sie den Kerl reitet, langsam die Zeit danach ins Auge fasst: „Ich hab Hunger, was soll ich heute kochen, Spaghetti? Nein, da müsste ich einkaufen gehn.“ –

Und so kommt es denn zur Klimax. Seiner Klimax, naturally. Was in ihr nicht immer wohlwollende Gefühle hochkommen lässt, in Wahrheit eigentlich nie, es kann einer Frau ordentlich auf die Titten gehen, wenn er habituell kommt und sie nicht. Zu seinem Glück spricht sie das selten aus (es sei denn, sie ist Britin, Anm.), aber sie denkt sich ihren Teil.

Zum Beispiel: „Jetzt hat er mich angespritzt, ekelhaft.“ – Worauf ihr nach Befreiung ist: „Geh runter von meinen Haaren!“ – Ehe sie ihn böse, wenn auch wortlos anstarrt: „Untersteh dich und schmier mir das in die Haare, ich hab sie grad gewaschen!“ –

Last, but not least, gönnt sie sich an Stelle der Zigarette danach ein paar Reflexionen. Die können Erleichterung signalisieren: „Bin ich froh, dass es vorbei ist.“ –Oder Introspektion: „Die Vagina schaut mich an, als würd sie mich auslachen.“ – Mitunter spiegeln sie auch den Stand der Dinge: „Ein Gefühl ist das, wie nach einem Termin beim Gynäkologen.“ – Was nur zu einer Conclusio führen kann: „Ich muss unter die Dusche.“ –

Cut.

Gestatten: Jenna Marbles (alias Mourey)

Obige Zitate sind O-Gedankenton Marbles. Jenna Marbles. Jenna ist 25 Jahre alt und Amerikanerin und ausgebildete Sportpsychologin, wenn auch nicht als solche aktiv. Weil sie vor knapp zwei Jahren zu bloggen begann (zum Beispiel über Howard Stern). Das hatte Konsequenzen. Wikipedia weist ihren Beruf heute als „YouTube-Persönlichkeit“ aus. Pure Untertreibung. Ms Marbles ist ein YouTube-Superstar. Ihre Vlogs über die Befindlichkeit von Girls genießen im Schnitt 10 Millionen Zugriffe. Ihr erstes Vlog How To Trick People Into Thinking You’re Good Looking steht heute bei 38 000 000+ Hits. Ihr YouTube-Kanal hat 2komma6 Millionen Abonnenten.

Zurück zu den Gedanken beim Sex. Sexuell gesehen ist es natürlich egal, was du denkst, während du Sex hast. Bemerkenswert aber, dass du dabei denkst, das verheißt nichts Gutes. Kriegst du beim Sex mal Worte zwischen die Schläfen, bist du am besten Weg zu schlechtem Sex.

Beim Sex ist Ratio so nützlich wie Sand im Getriebe. Sex ist zwar auch Kommunikation, aber im Idealfall mit nonverbalen Mitteln, aus dem Repertoire der Sinne, des Instinkts, jenseits der Denkstelle. Die Absenz von Gedanken beim Akt ist praktisch die Definition von „gutem Sex“. Teil der notwendigen Wunschlosigkeit.

Insofern sind obige Gedankenspenden von Ms Marbles wesentlich. Sie spricht von schlechtem Sex, ohne es so zu nennen. Und triggert millionenfaches Echo, überwältigend mehrheitlich von Girls, denen sie aus der Seele spricht. Balsam, sie sind nicht allein, offenbar haben abertausende andere ebenso unbefriedigenden Sex wie sie. Damit lässt sich was anfangen, es vermittelt etwas, im selbstkritisch-produktiven Fall etwa die Ahnung, dass dein nonverbales Vokabular beim Sex eventuell noch nicht „auf Stand“ ist (Backfisch-Syndrom); wahrscheinlich aber lediglich die Bestätigung für den ohnehin gehegten Verdacht, dass der Typ zum Akt ein sexueller Analphabet ist. Kommt offenbar häufig vor. Zig Millionen Zugriffe können nicht irren.

Jennas massiver Erfolg verschafft ihr erstens kein Kopfweh („ich hab keine Angst und keinen Genierer, wenn die Leute mich so sehen wollen, dann kriegen sie mich auch so“), zweitens sorgt der zweiminütige Clip „What Girls Think About During Sex“ (siehe deutsche Übersetzung oben und Video unten) auch für heftige Nachwehen in der dicht bevölkerten Community.

Girls wie Megan HIER platzieren ergänzende Videos selbstgestrickter BeimSexGedanken („Sieht mein Arsch fett aus in dieser Stellung?“ – „Gott, ist der Typ öd, wie krieg ich ihn los, soll ich einen faken?“) und kommen ihrerseits auf bis zu sechsstellige Zugriffe. Boys versuchen dasselbe und geraten so immerhin in Besitz von selbstverfassten Armutszeugnissen, seit kurzem will auch ein Black Boy unter die Leute bringen, What Niggaz think about Sex  (im wesentlichen: „You want Big Daddy, don´t you, bitch?“).

Aber alles nur mehr oder weniger feuchter Abklatsch des Originals. Der Ergüsse von Jenna Marbles. Woran sie denkt, wenn sie Sex hat, steht zwar schon oben zu lesen. Aber wie sie die Gedanken im Vlog transparent macht, ist außerdem sehenswert. Und hat was Tröstliches. Sex kann okay sein, auch wenn er nicht okay ist. Solange sie noch lachen kann. Solange er noch glauben kann. Was bekanntlich mit „nicht wissen“ eng verknüpft ist. Ist in diesem Fall essenziell. Es gibt wenige Dinge, die sich mehr lohnen nicht zu wissen, als ihre Gedanken beim Sex. Enjoy!

Quellen.

Jenna Marbles auf YouTube

I have no fear, no shame (TV-Interview mit Jenna)

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