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San Francisco Connected. Die Iden des iMerc

Von | 25.03.2012, 17:01 | Ein Kommentar

Road Movie. Ein schneller Wagen mit smartem Cockpit, die Straßen von San Francisco und die Frage: Macht Facebook im Auto Sinn?

Alle Fotos: Sax (outdoors), Mercedes (indoors)

Prämisse. Die erste Statusmeldung ist nach Check-in im Rosewood Sand Hill Hotel fällig, einem Designerkomplex zwischen Highway und Stadt. Der Koffer, den ein phänomenal gepflegter Metro im Zimmer abstellt, ist noch flugzeugkalt, der Rechner schnell aus dem Sack und connected.

FB-Notiz … ist in San Francisco angekommen. Wow, sind hübsch hier, die Boys …

Es ist früher Abend, in Österreich muss es Morgen sein. Gepaart mit Jetlag und den Tücken eines modernen Hotels kann das eine schlaflose Nacht bedeuten. Was okay wäre. Schlaflos ist okay, solang du Licht hast. Nur versteht sich Licht nicht immer von selbst.

FB-Notiz … ergibt sich seit 3 Uhr früh dem Jetlag, jetzt ist es 6, erinnert sich, dass dies nicht das erste Designerhotel ist, wo er die Lichtschalter nicht fand, ruft „light!“, nein, voice recognition ist auch nicht, befiehlt den zwei devoten Boys, sie sollen Melanie meine Vorfreude flüstern. Nein, Jungs, ihr könnt nicht mit mir frühstücken!

Die beiden Boys sind fiktiv, ehrlich, sie sind von russischen Blutsbrüdern inspirierte und per Videoclips gesichtsbücherte Ernte der Schlaflosigkeit, so-to-Hellerspeak. Aber Melanie ist echt. Sie ist Ermöglicherin bei Mercedes, Prädikat umwerfend, sie hat Schlüssel für Türen, die zu raren Plätzen führen, etwa zur Nerdzentrale von Sony in Tokio, mit Glück auch zu venezianischen Nächten mit Lola. Im übrigen ist Melanie blond. Nicht dass dies wichtig wäre. Überhaupt bleibe ich diesmal, von Sally abgesehen, sozial ausgeklinkt. Allein, und dann auch wieder nicht. Mit Laptop bist du nie allein. Jetzt und hier passt es zufällig auch zum Workshop.

Diesmal geht es um ein mobiles Infotainment-Spektakel, um smart gemachte Boliden, die im Dreieck zwischen Palo Alto, San Francisco und Napa Valley getestet werden sollen. Unter anderem geht es um die Frage: Macht Facebook im Auto Sinn?

Es beginnt nach Tagesanbruch, mit sieben Schlüsseln. Sie liegen am Rezeptionstisch des Hotels und haben bunte Anhänger. Ich nehme den roten mit der Nummer fünf, das Auto dazu parkt vor dem Eingang. Ein roter SLK. Ein großartiges Ding, das wunderbar aussieht. Ein Traum von Frauenauto.

Ein SLK sieht generell am besten aus, wenn eine interessante Frau am Steuer sitzt, so ist es nun mal. Ich bestehe denn auch – folgerichtig – auf meine Bestimmung als Copilot. Und so lerne ich Sally kennen, eine (unter anderem) Nightclub-Sängerin aus San Francisco-Umgebung. Vor allem Umgebung.

Sally, das merke ich bald, ist eine Frau, mit der kein „pipperli-pupperli“ (Nina Hagen) geht, zum Beispiel kennt sie San Francisco besser als der Satnav, nur weiß der Satnav das nicht. Aber das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist ein netter Screen in Vehikelmitte, der per Joystick zu bedienen ist. Eine Sache wie prädestiniert für Copiloten, der Fahrer muss ja fahren. Und so kommen beide auf ihre Kosten. Sally kann bodenständig auf Bleifuß machen und ich anständig mit smarten Toys fummeln.

Auf dem Screen steht „MyComand“ bzw „COMANDonline“, gemeint ist das Infotainment-Center, mit dem der SLK nun gerüstet ist. COMANDonline steht für Cockpit Management & Datasystem und hat neben den üblichen Gimmicks auch einen Browser fürs Internet sowie ein paar nette integrierte Apps – für Facebook und Google Streetview unter anderem. Sehr nerdfreundlich. Endlich ein smarter Flirt mit dem Auto.

Palo Alto

FB-Notiz … aus dem Mercedes Forschungszentrum in Silicon Valley, wo uns gerade versichert wird, dass die nächste Autogeneration mit eingebauter SekretärIn kommt, mit der du den Tag besprichst, während du ins Büro hobelst … (Das brauchst du doch gar nicht, gibt J. binnen Sekunden retour. Stimmt auch wieder. Aber …)

Die Sache ist so. Du stehst frühmorgens auf, steigst ins Auto, mitsamt Kind, das du in die Schule bringst. Du wirfst den Cockpit-Manager an, der ist unter anderem dein Persönlicher Assistent – der dir etwa sagt, dass auf der üblichen Route Stau herrscht und daher eine alternative Strecke hochlädt; der nebenbei auch erwähnt, dass der erste Morgentermin verschoben wurde und du also mehr Zeit hast – für die er zwecks Vertreib spontane Ideen hat. Passiert alles per Voice Recognition, naturally.

Diese letzten paar Passagen spielen wir übrigens nicht durch. Sie kommen per Film, der uns im Mercedes Research-Center in Palo Alto gezeigt wird. Das war unser erster Stop, zwecks Einführung in die Dinge, die da kommen sollen.

Das Forschungszentrum ist selbstverständlich „State-of-the-art“, eingangs steht an Stelle eines Rezeptionisten ein zweimannhoher Obelisk aus Plexiglas, das ist ein massiver Touchscreen, mit dem du nicht nur die Welt abrufen kannst sondern auch herausfindest, wo genau im Forschungszentrum du eben jetzt erwartet wirst. Dies nur als Beispiel für den Begriff, der hier wiederholt hochkommt: „Bottoms Up Empowerment“. Ermächtigung von unten nach oben, you know, mehr Freiheit und Unabhängigkeit, weniger Personalkosten.

Wir müssen nicht mehr Insider finden, die uns sagen, wo es lang geht. Wir finden es selber raus. Wenn auch, in meinem Fall, mit Umwegen. Als ich den Plexibutler zwecks Location einer Toilette betaste, lande ich vorüber gehend bei einem römischen Radiosender. Mea culpa, es lag wohl an unterschiedlichen Assoziationen beim Wort „cabineto“. Dennoch typisch. Du legst dich zwei Minuten mit Digifuture an, schon bist du um gefühlte zehn Jahre älter.

Der Film im Forschungszentrum triggert die eine oder andere Wortspende, unter anderem in Wien, ich habe meinen Computer online gebracht, um Facebook zu linken.

FB-Notiz … aus dem Mercedes-Forschungszentrum in Silicon Valley, wo es gerade um die ‚Urgency Addiction’ der Digital Natives geht und um die ‚Simplexity’ der smarten Toys …

Was immer zu nützlichen bis aufmunternden Tipps von Freunden führt (Da hilft nur Napalmna oiso …).

Die Urgency Addiction lasse ich mir vom Wiener Partner erklären, den ich via Skype live dazuschalte (mit Partner bin ich wesentlich smarter als ohne) und der mir erklärt, dass für Diginatives eben „immer alles gleich“ sein müsse.

Das Kerndilemma, sagt jemand, stecke in der „Simplexity“, dem Bemühen, für komplexe Mechanismen simple Lösungen zu finden: Der durchschnittliche User eines Mercedes – z.B. – ist so alt wie ich, der durchschnittliche Verwender smarter Toys so alt wie meine Kinder.

Simplex also. Stell dir vor, du kannst dir  locker was leisten, das du nicht notwendigerweise durchschaust, während andere, die es locker durchschauen, es sich nicht notwendigerweise leisten können. Willkommen zum iCatch 22 …

Etwas hitzig wird es bei der Frage „wozu ComandOnline“. Wozu einen Service bieten, denn du via Smartphone auch haben kannst? Das allerdings sehe ich total ein.

Persönlicher Senf 1. Die Sache ist sinnvoll. Das Problem mit einem Handy ist, dass es immer dann läutet, wenn du es nicht brauchst. Es zwängt sich in deine Gedanken, es penetriert ungefragt dein Jetzt, es wird aktiv, wenn jemand dich braucht. Bei COMANDonline ist es umgekehrt. Es ist da, wenn du etwas oder jemanden brauchst. Don´t call me, I call you. Gefällt mir.

 

Wir machen uns auf den Weg, Sally steuert den Wagen, ich fummele mit MyComand. Ist notwendig, niemand hat verraten, wo es hingehen soll, „erfahrt ihr alles im Auto“ hat es geheißen. Ich linke mich bei Facebook ein und das Nette an MyComand ist, dass es dir flüstert, welche Freunde gerade in der Nähe sind.

Ich finde Tobias, PR-Maestro von Mercedes und Mastermind dieses Workshops, so gesehen also keine Überraschung, dass ich ihn finde. Tobias schlägt einen Besuch bei Google vor, „Treffpunkt Gebäude 43“. Die Route liefert er gleich mit, ein Klick und sie ist runtergeladen.

Bei Google – ein massiver Komplex aus sieben (von wegen 43) Gebäuden im Stil eines Uni-Campus – werden wir in Sachen Zukunft schlau gemacht, es gehe vor allem darum, „googley“ zu sein, das sei ein „State of Mind“, meint die Dame von Google.

Der State of Mind (ein Hauch von Nordkorea, alle sind totally happy gegoogelt) bleibt uns nicht erspart, wir kriegen eine Führung durch die kultige Stätte, zu den Mikroküchen, dem „Hangar-Café“ mit seinen 3000 freien Mahlzeiten pro Tag, dem Skateboard-Park und so weiter, auf den Wiesen kauern Nerds mit Laptop am Schoß (note to self: ‘unfruchtbar’). Endstation ist, klar, am Shop; sind verdammt teuer, diese T-shirts mit „Google“ drauf.

Napa Valley

FB-Notiz (ist etwas vintage, der Joystick an Bord, obwohl neu, kommt recht retro, aber gut, ich mag das) … Palo Alto – Napa Valley in SLK, Smartie einschalten, Restaurant „Bucks“ googlen und via Google Street Cam checken, ob es dort freie Parkplätze gibt, gib Gas, Sally, und lass den Mini wie er ist …

Später wird es interessant, MyComand schlägt (via FB-Tobias) einen Trip ins Napa Valley vor, eine Gegend, wo Leute wie Francis Ford Coppola und George Lucas hausen und der Punkt ist, dass die Route via San Francisco und über die Golden Gate Bridge führt.

Von unten nach oben durch COMANDonline ermächtigt, checke ich Wetter („Nebel über der Bay“) und aktuellen Straßenverkehr. „Downtown ist mit Stau zu rechnen“, sage ich zu Sally. „Ich weiß“, sagt sie, „ich kenn einen Schleichweg.“ Zufällig ein Weg, den der Satnav von MyComand nicht drauf hat, frage nicht.

Wir sind höllisch lang im Stau unterwegs, die Navigation empfiehlt beharrlich eine Kehrtwendung von 180 Grad. Als wir eine Kreuzung zum zweiten Mal erreichen, macht Sally tatsächlich kehrt. Mir wäre es nicht aufgefallen, ich hab mir von MyComand die neuesten Nachrichten des San Francisco Chronicle runter geladen, spannende Sache, ein Blauwal war von einem Schiff angefahren worden und eine Tabasco-Sauce, die von der Feuerwehr für wohltätige Zwecke vermarktet wurde, war ein Verkaufshit. Außerdem wird „Billy“ vermisst, das Maskottchen der San Francisco Giants. Allerhand.

Die Golden Gate Bridge, was soll ich sagen. Kannst du nicht beschreiben. Wir sind trotz heftigem Verkehr flott unterwegs, es gibt da eine Vorrangsspur, die nur von Fahrzeugen mit zwei oder mehreren Personen drinnen benützt werden darf und das Obszöne ist ja, dass in 9 von 10 Autos nur eine Person sitzt.

Diese Vorrangspur bringt mich auf einen Gedanken, der meines Erachtens von Vehikelmachern nicht ausreichend unterstrichen wird.

Persönlicher Senf 2. Infotainment-Centres wie MyComand sind gruppenfreundlich, sie machen Spaß und umso mehr Sinn, je mehr Leute im Wagen sitzen. Sie machen beifahren attraktiv, sie reduzieren den CO2-Fußabdruck. Das Auto ist weniger Vehikel, mehr Wohnraum. Like.

 

Die Fahrt durchs Napa Valley dauert zwei Stunden, wir wählen den Highway 29 an Stelle des Silverado Trails, ein „Highway 29-Trip“, den ich auf MyComand via YouTube runtergeladen habe, verspricht mehr Spaß. Via Facebook kable ich auch noch einmal Tobias an, der die Calistoga Ranch als Hotel für die Nacht vorschlägt.

Facebook-Freunde, die ich zur Ranch checke, geben Daumen, Calistoga ist herrlich, sprechbläst B., hat auch eine eigene Mikrobrauerei.

Die Ranch ist tatsächlich immens, ich will mich nicht weiter darüber auslassen, check diesen Clip, wenn es dich interessiert, die Suite ist aus Holz, hat Schlaf – und Arbeitsbereich, getrennt durch eine Veranda, in die ein Jacuzzi gebettet wurde. `Nuff said, denn bald ist Nacht, sie wird lang und schlaflos sein, im Körper ist es schon morgen.

Letzte FB-Notiz.

… Stop in Calistoga Ranch im Napa Valley, Chill-out im Jacuzzi, unreal. Und rat mal, wer nie da ist, wenn die Zeit ausnahmsweise vorhanden und die Umstände genial …

Das bringt ein paar Daumen. Was nichts nützt. Aber sie schaden nicht. Ein virtueller Daumen, sag ich immer, bringt mehr als drei reale Mittelfinger. Und jetzt das Kinderlied, Sister Bliss!

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