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Frauenquoten: Nicht Brüste, sondern Können

Von | 07.03.2012, 9:05 | 2 Kommentare

Wer für eine Frauenquote plädiert, weil Frauen eben anders als Männer arbeiteten und führten, ist nicht weit entfernt von der miesen Rhetorik aus den 70er-Jahren.

Der Verfasser dieser Zeilen wurde im vergangenen Dezember 35 Jahre alt. In seinem Freundeskreis arbeiten nahezu alle Frauen. Es arbeiten auch Frauen in seinem Freundeskreis, die ein oder mehrere Kinder haben. Es gibt in seinem Freundeskreis, in seiner Alterskohorte und jünger, in dem sich durchaus auch katholische CDU-Wähler tummeln, niemand mehr, der über die Notwendigkeit von mehr Krippen- und Kindertagesstättenplätzen diskutieren möchte: Alle wollen sie, alle fordern sie. Darin besteht Einigkeit. Eine Herdprämien-Semantik ist unverständlich. Man kann eine gute Mutter und Christenfrau sein und dennoch sein Kind mit einem Jahr in die Krippe geben. Wo ist das Problem?

Die Diskussion um eine Frauenquote klingt wie der Ruf aus einer anderen Zeit: abgeschmackt, überholt und einfach nur sinnlos. Die meisten Frauen, die der Verfasser dieser Zeilen kennt, möchten im Beruf erfolgreich sein, Karriere machen. Ebenso hat der Verfasser dieser Zeilen, auch hier wieder sogar im katholischen Milieu, Männerfreunde, die Elternzeit nehmen, die Zeit für ihre Kinder haben möchten. Auch hier hat sich ein klassisches Rollenbild in der Zeit seines jungen Lebens verändert. Niemand nimmt daran Anstoß. Jeder hat die Wahl. So wie Männer und Frauen generell und immer die Chance haben, sich für mehr oder weniger Karriere, für mehr oder weniger Familie zu entscheiden.

Es geht nicht um Mitleid, sondern um Qualifikation

Die Rhetorik der Quotenverfechter klingt daher wie reinstes Chinesisch. EU-Kommissarin Reding twittert: „Frauen stellen europaweit 60 Prozent der Uni-Absolventen – aber nur 14 Prozent der Mitglieder in Aufsichtsräten sind weiblich.“ Guess what: Das wird sich in den kommenden Jahrzehnten ändern, wenn die jetzt 35-jährigen Arbeitnehmerinnen 45 oder 55 Jahre alt sind und über Qualifikation und Erfahrung optimal zugerüstet sind für diese Aufgaben. Auch der Verfasser dieser Zeilen würde nicht mit 35 – mal abgesehen davon, dass er bei The European mehr als glücklich ist – Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG.

Dann kommt die 61-jährige Kommissarin, die sicher im Verlauf ihres Berufslebens anderen Härten ausgesetzt war als die heute 35-Jährigen, und behauptet, dass „Talente von Frauen massenhaft verschwendet“ würden. Das ist natürlich ein Schlag in das Gesicht jeder Frau, die was auf die Beine stellt, etwas im Beruf reißt. Die Botschaft ist: Du brauchst, um erfolgreich zu sein, die Unterstützung der Politik! Ohne uns, ohne unseren Primat, geht es nicht. Und genau da hat sich Frau Reding verschätzt.

Nun ein Wort zu der Offensive, im Journalismus mehr Frauen in Führungsfunktionen zu bringen. Giovanni die Lorenzo schreibt zu Recht, dass nicht nur Frauen, sondern beispielsweise auch Ostdeutsche und Migranten in deutschen Redaktionsstuben unterrepräsentiert sind. Das mag an einer besonderen Borniertheit unserer Branche liegen. Der Eindruck, dass nur Männer mittleren Alters die deutsche Medienlandschaft leiten, ist aber irreführend. Wenn ich mit meinem gefährlichen Halbwissen nicht falsch liege, dann sind seit Jahren in den Journalistenschulen mehr junge Frauen in der Ausbildung als Männer. Auch hier: Das wird sich in den kommenden Jahren auf die Führungsetagen durchschlagen.

Wenn Giovanni die Lorenzo schreibt „Frauen sind nicht die besseren Journalisten, sie führen auch nicht besser“ – dann ist das genau schon die Bankrotterklärung jener Quote, die nun auch bei der „Zeit“ eingeführt werden soll. Es geht nämlich in den Medien darum, die besten Journalisten zu bekommen, nicht die weiblichsten, nicht die ostdeutschsten, nicht die muslimischsten. Es geht nicht um Mitleid, sondern um Qualifikation. „Eigentlich gab es ja zwei Männer, die besser waren als Sie, aber wir nehmen Sie, weil sie eine Frau sind.“ Nun bin ich vielleicht nicht der intimste Kenner der weiblichen Psyche, aber wenn ich eine Frau wäre – ich bin übrigens mindestens genauso gerne ein Mann wie ich Chefredakteur von The European bin –, wäre das die krasseste Abwertung, die ich mir vorstellen könnte. Nicht Brüste, sondern Können. Darum soll es gehen.

Frau sein ist weder Stigma noch Diskriminierungsgrund

Bei unserem Online-Magazin The European haben wir einen Frauenanteil von 30 Prozent. Ich bin mit der Arbeit unserer Fotochefin, unserer Schlussredakteurin und der Leiterin unseres Interviewressorts sehr zufrieden, nicht weil Louisa, Maud und Alexandra Frauen sind, sondern weil sie gute Journalistinnen sind. The European wird nicht besser, wenn wir einen Tag lang (die „Zeit“ hatte das mal angedacht) alle Inhalte nur von Frauen machen lassen. Wie soll das denn aussehen? Soll die Seite rosa oder pastellfarben gelayoutet sein? Wir machen hier gemeinsam guten Journalismus. Wir bekommen mehr Bewerbungen von Männern als von Frauen. Wir inserieren in öffentlichen Jobbörsen. Wir suchen nach Qualifikation aus und danach, wie die BewerberInnen ins Team passen.

Die Rhetorik, die jetzt angestimmt wird von den benachteiligten Frauen, ist bemitleidenswert 70s. Es ist die Rhetorik einer, dem Universum sei Dank, vergangenen Zeit. Frau sein ist heute weder ein Stigma noch ein Diskriminierungsgrund. Es scheint, dass eine ganze Empörungs-Industrie (die Alice-Schwarzer-Industrie) ausrangiert und überflüssig geworden ist, weil das, wofür sie gekämpft haben, Wirklichkeit geworden ist. Hört auf, Frauen als Opfer zu stilisieren. Und akzeptiert, dass ihr ein neues Anliegen braucht, für das ihr kämpfen könnt.

Foto: Kheel Center/Cornell University, Lizenz: CC BY 2.0

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