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No-Sex für Fortgeschrittene. Das ABC der Liebestöter

Von | 09.02.2012, 21:15 | Ein Kommentar

Kälte, Nullböcke und andere Lustfeinde. Ein ABC zum Abgewöhnen oder wie man lernt, den Biss des Frostes zu umarmen.

N wie Niki by Erich Reismann

Arschkälte. Draußen Minusgrade, Nullbock und andere Lustmeuchler. Drinnen die Konsequenzen – das Jammern im Netzwerk, die Tierliebhaber mit den Katzenfotos („Nicht alle Katzen haben ein warmes Zuhause“), die Cartoons mit den schrumpfenden Zumpfis, die Bruhaha-Ansagen: „Einen Eiskaffee, bitte“, „Stop Global Warming!“ und so weiter.

Es herrscht Kälte, etwaige Gedanken an Sex sind unter drei Lagen Textilien verborgen, aber das Interessante ist, dass dies nicht nur am Wetter liegt. Tatsächlich ist die Umwelt voll mit Entwärmern, Lustkillern und Enthusiasmusdämpfern. Das ist auch eine Chance, denn hast du sie mal gesampelt, erscheinen die Minusgrade nicht mehr so minus. Let´s go …

Facebook-Humor

Blau. An sich eine Farbe und als solche ganz nett. Es gibt sogar Leute, die färben ihren Desktophintergrund blau ein, weil das die Kreativität anregen soll. Weiters ist blau auch die Farbe einer politischen Partei, da kommt Gesinnung auf und und wenn du mal einem Exemplar der Sorte zuhörst, vergeht dir sofort jeder Appetit, also auch der sexuelle. Leider melden sich selbst in blaufremden, rosa Blättern Linguisten zu Wort, die meinen, dass nur die Blauen klare Werte haben. Wenn du solche Feinde hast – wer braucht da Freunde? Ein wunderbarer Anlass, den Blues zu kriegen …

Grüner Humor

Clubbing, Grünen-Style. Apropos politische Parteien. Es gibt in Österreich genau eine, die über Korruption erhaben ist und allein deswegen sind die Leute dazu liebenswert, wenn auch seltsam anachronistisch. Vom Standpunkt des Unterleibs aus gesehen existiert ein essenzielles Problem: Cerebrale Anständigkeit ist, sexually speaking, lost in translation. Ereignisse, die per se dazu da sind, sich besinnungslos zu zu machen und bei einem schöngesoffenen Love Interest horizontal zu landen, werden zu Plattformen scharfer Ansagen („Jetzt noch dreister! Kommen Sie so korrupt, wie sie wollen!“), bis alle Libido erlischt. Dann kommt auch noch ein als Petzner verkleideter Macker daher und will einen Blowjob, obwohl er das natürlich total anders formuliert. Und wenn du habituell schüchtern „danke, aber nein danke“ sagst, giltst du auch schon als homophob. Bleibt am Ende der Spaziergang im heimelig frostigen Park nebenan. (Siehe auch „G“)

Döner (macht schöner). Eigentlich sollte man schifahren. Leider herrscht auf den Pisten Noise-Pollution. Überall Bars mit Besoffenen drin und seltsamen Discotönen: „Ich hab ne Zwiebel aufm Kopf, ich bin ein Döner …“ Wer hält das auf Dauer aus – zumal du nicht mal in der Gondel davor sicher bist …

Eurozone. Bitte sprechen Sie nach: „Eurozone“. Und jetzt noch einmal: „Eu-ro-zo-ne“. Na, noch Bock auf irgendwas?

Fakemann. Vordergründig eine Witzfigur, hinter der sich aber der österreichische Bundeskanzler verbirgt, welcher dem politischen Dialog neue Ausdrucksformen bescherte, indem er gefakete Fragen gefaket beantwortete.  Wie fälscht man eine Erektion? Fakemann knows …

Gendering. Nichts gegen Gutmenschlichkeit, hm, oder eigentlich doch, „Gutmensch“ ist ein schreckliches Wort. Aber nichts gegen politische Korrektheit, Gleichstellung der Geschlechter ist wichtig. Würde die eingefleischten PCler nicht jener diskrete wenn auch penetrante Hauch von Lustfeindlichkeit umgeben. Weil derlei Korrektheit cerebral ist und Sex animal. Das unterleibsmäßig Unverdauliche: Gendering verunmöglicht ob seiner Hässlichkeit jegliche Minne. Herausragend das Binnen-I, eine Spezialität unseres Sprachraums. Und natürlich steckt dahinter ein guter Zweck, aber das stimmt auch für den Furunkel. Auch der signalisiert, dass im System was nicht stimmt.

Hitler. Ohne Worte.

Intimspray. Ätzende Flüssigkeit, die Schleimhäute ruiniert und Allergien hervorruft. Der Spray ist ein Ausdruck für Selbsthass in allen Duftrichtungen, motiviert vom Bestreben, mann möge sich am Ziel seiner Begierde vorbeischnüffeln. `nuff said.

Dentist by Beate Firlinger, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Juden, neue. Besonders peinlicher von vielen dumpfbackigen Sagern eines österreichischen Politikers, bei denen die heimische Intelligenzia habituell zu speicheln beginnt wie Pawlows Hund. (Siehe auch „B“)

Kaiser, Wir sind. Heimischer TV-Dauerbrenner, der das dubiose K&K-Image – die Inselseeligkeit, das Vorgestrige, das Unsägliche – gnadenlos bis zum finalen Tropfen auspresst und bei der Gästeliste ruchlose Quotennuttigkeit beweist. Die Gäste sind stets tadellos gekampelt und dressiert und sagen „Majestät“, egal ob es HC ist oder HVG. Entrisch.

Laura. Zeitlos beliebter Mädchenname, dessen literarische Verwendung bis in die Antike zurück weist, schon der Poet Petrarch adressierte seine Huldigungen an eine Laura. Seit dieser Vorname auch eine österreichische Politikerin ziert, die allzu jung in eine allzu exponierte Position geriet, kannst du die fünf Buchstaben vergessen. Weil es den Verplaudereien der jungen Frau nicht gegönnt ist, ignoriert zu werden. Ewig schade. Angesichts von Kolleginnen, die niemand Mitzi nennt, wäre ein, immerhin, Girl zum Pferdestehlen so very pleasing.

Marcel. Warnung: Erinnern Sie sich noch an „Kevin“? Das war anlässlich eines berühmten Films vorüber gehend der beliebteste Bubenname in Österreich. Wie sich heraus stellen sollte, hat sich kein heimischer Kevin je zu einem guten Schifahrer gemausert. Nennen Sie daher ihren Buben nicht „Marcel“, nur weil gerade Winter ist.

Lauda by Erich Reismann

Niki. (Nicht zu verwechseln mit Niko). Berühmter, langsam in die Jahre geratener Österreicher, dem man vieles vorwerfen kann, nur nicht, dass er vom berüchtigten Johannistrieb (think: Mick Jagger) geplagt wird. Der kontemporäre Niki gibt sich geradezu militant lustfeindlich, am liebsten würde er Schwulen und Dolly Buster nicht nur das Techteln sondern sogar das Tanzen verbieten. Serotoninsperre?

Ösi. Kurzform für „Österreicher“ (und vermutlich –Rinnen, siehe „G“). Omnipräsente Verniedlichung der Bürger eines Landes, mit der vermutlich verhindert werden soll, dass sich so angesprochene Menschen je ernst nehmen.

Renee „Ösimösi“ Pornero by Reismann

Anno „Ösimösi“ (siehe Vernissage Renee by Reismann) hatte das noch sinnliche Untertöne, heute ist damit Schluss. Abart: „Ösi-Özil“ (ein Fußballer namens Zlatko Junuzovic).

Pitralon. Ursprünglich ein – in Dresden entwickeltes – Produkt der Hygienebewegung des jungen 20. Jahrhunderts, hier aber stellvertretend für alle After-shaves genannt, die den modernen Metrosexuellen so fatal in die Irre führen. Merke: Es bringt absolut nichts, sich den After zu rasieren, es brennt nur so teuflisch, dass einem alles vergeht.

Quicky. Schneller Sex ist zwar nicht so schlecht wie sein Ruf. Er ist aber auch nicht so gut wie man sagt. In den weitaus meisten aller Fälle ist der Quicky das Resultat eines vorzeitigen Samenergusses. Wer braucht das?

Rosary by US Army, Lizenz: gemeinfrei

Rosenkranz. Ursprünglich eine christliche Gebetskette, an die du dich klammerst, wenn du dir aus der Lücke zwischen Leben und Tod – dem „Leiden“ – ein paar Kicks besorgen willst. Heute auch der Name einer Österreicherin, die zu Wahlzeiten ins Rampenlicht gezerrt wird, damit es wenigstens so aussieht, als hätte der Wähler eine Alternative.

S.A.D. Kurzform für „Seasonally affective disorder“, zu deutsch: Winterdepression. Weil die Tage kurz sind und die Nächte lang (und beide arschkalt, Anm.) sind wir im Winter anfälliger für Depressionen, Irritationen, Ängste und überhaupt alle psychischen Zustände, ohne die wir jederzeit können. Na gut, jetzt haben wir eine wissenschaftliche Erklärung für die allgemeine liebestödliche Stimmung. Aber macht das die Lage erträglicher? Do you feel lucky, Punk? Do you?

Tampon. Selten, aber doch, kommt es auch im Winter vor, dass den Mann ein ominös-amouröses Kribbeln, nun, übermannt. Häufig, wenn auch nicht immer, passiert das genau zu jener Zeit, in der gewisse, nun, Widerstände das subsequente Abschwellen einleiten.

Unilad. Englische Webseite, die sich an männliche Studenten und andere „Lads“ (=Kumpel) richtet bzw richtete. Unilad wurde vorüber gehend offline gebracht, nachdem ein undichter Autor etwas postete, das er „sexuelle Mathematik“ nannte: „Wenn ein Girl nicht will (wie du willst), denk daran – 85% aller Fälle von Vergewaltigung werden nicht angezeigt.“ Geht es noch deprimierender? Die Betreiber reagierten zwar nach den ersten öffentlichen Protesten mit einer Entschuldigung, aber der Blues bleibt in den Knochen.

Varikozele by Schomynv, Lizenz:CC BY-SA 3.0

Varikozele. Das sind: Krampfadern. Wo? In den Hoden. Ja, wenn sein Cumshot eher zum Lachen anregt und sein sexueller Appetit hinüber ist, dann muss es nicht am Winter liegen. Möglich auch, dass er an Varikozelen – der häufigsten Blutgefäßerkrankung des männlichen Geschlechtsorgans – leidet.

FB-Humor

Wollnasenwärmer. Noch so ein Beispiel für die lustige Posterei im Netzwerk. Ist das nicht putzig? Und mal ehrlich: Was denken Sie beim Betrachten des Bildes links?

X-Typ. Mann mit weiblicher Chromosomstruktur.

Y-Typ. Frau mit männlicher Chromosomstruktur.

Anmerkung: Mitunter erscheinen X-Typ und Y-Typ in Personalunion, was heute ein wunderbar sanftmütiger Mann ist, kann sich morgen als rastloses Weib entpuppen, deren Sager vor Testosteron nur so strotzen.

Zentimeter. Gemeint sind Pimmel, meist in Cartoonform, denen so kalt ist, dass sie ganz im Schamhaar verschwinden. Abteilung Online-Humor. Der selbstverständlich auch akustisch seinen Niederschlag findet, Stichwort „20 Zentimeter“ (HIER), Sie wissen schon, „das sind keine 20 Zentimeter, nie im Leben, kleiner Peter“, jenes aprés ski omnipräsente Ständchen, bei dem jede pausbäckige Petra nicht anders kann als vollmundig fidel mitzusingen.

Sehen Sie? Die Schrecken des Eises und der Finsternis da draußen sind eigentlich nicht schrecklich. Tasächlich ist es nicht schwer, Frust&Frost zu umarmen. Arschkalt, so what?

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