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Soap&Skin: Die große Reinigung

Von | 03.02.2012, 11:59 | Kein Kommentar

Anja Plaschg alias Soap&Skin ist völlig zu Recht Österreichs Aushängeschild in Sachen ambitionierter Popmusik. Und im Spezialgebiet Wirkung bleibt sie derzeit unerreicht.

Es sind zwar noch ein paar Tage bis zum offziellen Veröffentlichungstermin am 10. Februar, aber wenn schon jetzt alle über „Narrow“, das neue Werk von Anja Plaschg alias Soap&Skin reden, möchte man natürlich mitreden. Ein Viertel des Albums ist ja ohnehin kein Geheimnis mehr. „Wonder“ gibt’s seit ein paar Tagen als Stream, „Boat Turns Towards The Port“ schon länger mit Video. Für die anderen sechs Song muss man dann nur mehr die richtigen Leute belästigen, und schon ist es gehört, das neue Album.

Und es ist unerhört gut, gar keine Frage. Die ganze Freude, hier etwas in naher Zukunft sicher ganz Großem beim Wachsen zuzuhören: wieder berechtigt. Den deutungsschwangeren Begleittext von Plaschgs Förderer Fritz Ostermayer: gelesen. Die acht Stücke von „Narrow“: gehört, wieder und wieder.

Kurz und gut

Es ist ein Segen, dass das Album nur eine knappe halbe Stunde lang dauert. Kein Füllmaterial, nichts als hochkonzentrierte Musik, lauter waschechte Kunstlieder, kein Grund zur Lebensfreude.

Die Methode, mit der Plaschg vorgeht, gleicht der ihres Debütalbums „Lovetune for Vaccuum“ aus 2009. Klavier, Elektronik und Gesang in mehreren Schichten, damit einen die Geistern nicht vorzeitig verlassen, die sie mit ihren Liedern gerufen hat.

Was das jetzt alles bedeutet, wird hier völlig nebensächlich. Es bedeutet ohnehin alles. Authentizitätsdebatten wie bei Lana Del Rey – deren Namen ich hier hiermit zum vorerst letzten Mal fallen lasse, versprochen – drängen sich da gar nicht erst auf. Bei Soap&Skin geht es vor allem um Reinigung durch Wirkung. Kunst und Künstlerin bilden eine Einheit, und es ist völlig egal, was davon nun Anja Plaschg ist und was nicht. Weil es eben so oder so wirkt, auch in der Zusammenschau mit all den abseitigen Geschichten, die man von ihre gelesen hat und die sie auch selbst mittlerweile gerne erzählt.

Der falsche Ort, das falsche Leben

Dazu kommt noch, dass einem die Themen, die sie so unmittelbar verhandelt, leicht nahe kommen: Tod, Trauer, Träume – und dazu noch die Qual, in den ersten Jahren des Lebens am falschen Ort und unter den falschen Leuten gelandet zu sein (in Plaschgs Österreich meist: am Land), und den Rest der Jahre damit zu verbringen, zwischen den prägenden Wurzeln und der selbst erschaffenen Existenz zu vermitteln.

Das kann aufs Gemüt gehen. Doch Plaschg macht ja keinen Schlager, der nur aufs Gemüt abzielt, sondern Plaschg ist zur Kunst getrieben. Und da kommt nach dem Gemüt zum Glück auch die Katharsis. Soll heißen: So sehr einen „Narrow“ in manchen Momenten mitnehmen kann, so gut geht es einem danach. Und dann fängt man eben wieder von vorne an.

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