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Der Computer ist tot – es lebe der Computer!

Von | 30.01.2012, 8:39 | Kein Kommentar

Millionen von smarten Helfern haben innerhalb weniger Jahre unseren Alltag erobert: Smartphones und Tablets. Was bedeutet die zunehmende Dominanz von abgeschlossenen Systemen, die nicht mehr universell sind?

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I <3 my computer (Quelle: flickr - Steve Winton; CC BY 2.0)

In der U-Bahn, im Hörsaal, in Parlamenten und im Flugzeug sowieso. Überall sieht man sie, die Tablet-Computer. Meist sind es (noch) von Obst verzierte flache Tablets – hat doch auch Apple mit seinem iPad diese Geräteklasse gesellschaftsfähig und massentauglich gemacht.

Es ist ja auch wirklich einfach. Die ganze Online-Welt zu seinen Händen (nicht Füßen!). Egal ob vormals klassische Printmedien, fruchtig-spritzige Säbelspiele oder der praktische Reiseplaner. Hunderttausende kleine Programme warten darauf entdeckt und genutzt zu werden. Kaum etwas, wofür es keine App gibt. Vorbei die Zeiten, wo die Installation von Programmen kostbare Zeit verschlang. Einmal auf den App-Store geklickt …nein…, getippt und schon fliegt die passende App auf das iPad. Soweit so gut.

Die jüngere Vergangenheit stand voll im Zeichen der smarten Alleskönner. Neben Tablets gaben genau so die Smartphones den Ton in der ehemals von grauen Kisten dominierten Computerwelt an. Das Internet ist jeweils nur noch eine Fingerspitze entfernt. Alles scheint erreichbar. Alles scheint gut und friedlich.

Beginnt ein Krieg?

Dabei wird – glaubt man beispielsweise Cory Doctorowbald ein Krieg toben. Es ist der Kampf gegen general computation. Eine harte Prognose. Handelt es sich doch dabei im Sinne Alan Turings um (in der Realität mehr oder weniger) universelle Maschinen, die prinzipiell jede Aufgabe übernehmen können. Für Computer heißt dies, dass der Anwender entscheiden kann was auf ihnen ausgeführt werden soll, welche Software er installieren möchte, wie er sie benutzen möchte. So kennen wir ihn, so nutzen wir ihn.

Doch mehr und mehr geht die Technik-Welt heute wieder in die Richtung von Geräten, die für spezielle Aufgaben erschaffen wurden. Das Smartphone kann viel, aber nicht alles. Das iPad kann nur das, was über den App-Store zugänglich ist – er ist das neue Tor zur Welt.

Für viele reicht dies vollkommen aus. So lange Facebook, Powerpoint oder Google Maps per App zu erreichen sind ist die Welt doch in Ordnung! Doch dies ist nicht der springende Punkt. Es geht ums Prinzip. Die Entwicklung des Computers hat viel bewegt, ja sie hat unsere Welt neu erfunden. Kaum ein Lebensbereich, der heute nicht direkt oder indirekt mit Computern in Verbindung steht. Große Errungenschaften und Entwicklungen der modernen Zivilisation wären ohne universellen Computer nicht so, wie sie heute sind.

Stirbt der universelle Computer?

Ist der Computer also tot? Verdrängen mobile, cloud-basierte smarte Phones und flache allgegenwärtige Tablets eine der größten Errungenschaften der letzten hundert Jahre? Besitze ich ein iPad wirklich oder habe ich lediglich ein Nutzungsrecht an einem technischen Gadget erworben?

Doctorow skizziert dabei und weiteren Bereichen eine düstere Zukunft. Es sei in Zukunft gar nicht mehr notwendig Musik oder Bücher per DRM vor einer von den Rechteinhabern nicht gewünschten Weitergabe zu unterbinden. Jeder Besitzer von iTunes-kompatiblen Geräten weiß heute schon wovon er spricht. Das Ökosystem mit nicht-universellen Geräten bestimmt, was wer wie in welchem Umfang nutzen kann.

Microsoft setzt die Segel in dieselbe Richtung. Das kommende Windows 8 soll eventuell nur noch auf Geräten mit dem BIOS-Nachfolger UEFI laufen. Dabei ist nicht klar, ob dann etwas anderes als Windows auf dieser Hardware laufen würde. Die Fans offener Software befürchten, dass die Freiheiten der Anwender gerade dadurch eingeschränkt würden. Denn wer wird noch mit BIOS bestückte Hardware produzieren, wenn UEFI zum neuen quasi-Standard wird?

Na und?

Legt die Zivilisation damit nicht die Werkzeuge ihrer immens dynamischen Entwicklung in die Hände einzelner, die damit quasi die Dynamik freier und universeller Entfaltung kontrollieren? Dies ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen und trifft den Kern der Diskussion nicht mehr. Es geht viel mehr um einen grundsätzlichen Wandel. Wird die Nutzung von Technologie wie Smartphones, Tablet-Computern und ähnliches Devices einfacher, so nimmt sie auch immer die Freiheit der Wahl. Reduzierte Komplexität bedeutet auch weniger Entscheidungsfreiheit. Dessen sollten wir uns bewusst sein und vor diesem Hintergrund unser eigenes Handeln hinterfragen. Denn im Grunde ist nur eines wirklich beständig: der Wandel.

Und ja, der Autor benutzt neben einem Android-Smartphone auch ein iPad – und das nicht zu wenig.

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