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SexScience. PCTI – der Postkoitale Zeitintervall. Über die Stille nach der Ekstase.

Von | 26.01.2012, 16:18 | Kein Kommentar

Was bedeutet es, wenn der Mann postkoital sofort einschläft? Liebe nicht auszuschließen, glauben Wissenschaftler in einer neuen Studie.

 

Bear Sleeping by farnoushgolkar, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Smoking Women by Reismann

Über die Momente, wenn zwei Lovers auf den Laken ruhen, nachdem sie einander hoffentlich beiderseits erfüllend eingeschenkt haben, war hier schon mal die Rede. Die Story hieß „Die Zigarette Danach“ und beschwor eine (für ihn) wunschlose Stille, in die sich mitunter (ihre) Frage „Woran denkst Du“ mischt. Mit einem Click auf das Foto links gelangen Sie nicht nur zu jener Story sondern auch zu Erich Reismanns famoser Vernissage „Smoking Women“.

In „Die Zigarette Danach“ wurde der Orgasmus als „kleiner Tod“ angeführt, wodurch sich die Antwort auf die Frage „woran denkst Du“ erübrigte. Woran wird ein vorüber gehend Toter schon denken?

Das soll nicht heißen, dass die Minuten nach dem Sex nicht wesentlich sind, im Gegenteil, nicht von ungefähr werden sie auch „Oxytocin-Momente“ genannt. Erfüllender Sex wird mit einer Ausschüttung von Oxytocin „belohnt“ – das auch „Treuehormon“ genannt wird. Weil es Zuneigung und Bindungswille fördert.

Hugh House

Auch darüber gab es hier schon zu lesen, nämlich anlässlich der klassischen Episode der TV-Soap „House“, als Gregory House nach seinem ersten Sex mit Doktor „Milf“ Cuddy eine Speichelprobe von ihr ergatterte, um zu checken, ob ihr Sex mit ihm zu einem Oxytocin-Spektakel geführt hatte. Mit Click auf dieses Foto von Hugh Laurie gelangen Sie sowohl zur Story als auch zum Videoclip von jenem TV-historischen Ereignis.

Wenn sich sich die zeitgenössische Evolutionspsychologie mit dem Thema beschäftigt, fällt die Sache natürlich nüchterner aus. Erstens wird diese generell köstliche Stille danach „Postkoitaler Zeitintervall“ (PCTI) genannt. Zweitens kann der Versuch einer Erklärung, warum Männer nach dem Sex einschlafen, zu zwiespältigen Interpretationen führen.

Genau das widerfuhr Forschern der Uni Michigan und des Albright Colleges in Pennsylvania nach einer – im Journal of Social, Evolutionary, and Cultural Psychology veröffentlichten – Studie über diesen PCTI. Manche Medien berichteten, dass Männer nach dem Sex deswegen einschlafen, um etwaige Liebesbezeigungen zu vermeiden.

Andere sahen den postkoitalen Schlaf des Mannes als Zeichen seiner Verliebtheit.

Der Schlaf danach

Die Tücken lagen in den Details. 456 Studenten wurden gebeten, online und anonym einen Fragebogen auszufüllen, in welchem sie eröffneten, was sie vom „PCTI“ erwarteten – und welcher Partner ihrer Erfahrung nach postkoital früher in den Schlaf verfällt.

Tücke Eins lag in dem – für die Wissenschaftler wohl überraschenden – Umstand, dass 163 der befragten Studenten bekannten, noch nie Geschlechtsverkehr genossen zu haben. Tücke Zwei ergab sich aus den Theorien, die der Umfrage vorangestellt wurden. Demnach wurde etwa vermutet, dass Männer (im Fall der Absenz von Sex) „deswegen länger wach bleiben, um sicher zu stellen, dass sie die PartnerIn nicht heimlich verlässt, um andere Sexpartner zu finden.“ Eine Haltung, die auch schon dem Mann von anno Höhlenmensch zugeschrieben wurde.

Eine andere These ging in der Tat davon aus, dass Männer nach dem Sex deswegen „früher einschlafen, um etwaigen postkoitalen Bindungsgesprächen unbewusst auszuweichen“.

Wie sich heraus stellte, bleiben Männer in der Regel tatsächlich länger schlaflos, wenn sie keinen Sex hatten. Hatten sie aber Geschlechtsverkehr, erübrigte sich zweitere These. Von einer Evidenz, dass sie „früher“ einschlafen als ihre PartnerInnen, konnte keine Rede sein. Ging es nach den Befragten, übermannte sie der Schlaf mehr oder weniger gleichzeitig. Wodurch den Forscher nur ein Schluss blieb: Wenn sich nach dem Sex keiner der Partner bemüßigt fühlt, sich vom Liebeslager zu erheben – weil nämlich beide schlafen – dann kann das nur, wenn schon nicht Liebe, dann doch entsprechende Erfüllung sein.

Zur Frage aber, warum nun Männer nach dem Sex einschlafen, bleibt bis auf weiteres gültig: weil sie müde sind.

Quelle: Journal of Social, Evolutionary, and Cultural Psychology, 2012

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