Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber

Sie sind hier: Home » Sexklinik » SexScience. Offiziell: G-Punkt inexistent
Share

SexScience. Offiziell: G-Punkt inexistent

Von | 20.01.2012, 0:28 | 14 Kommentare

60 Jahre nach seiner Entdeckung kam ein US-israelisches Forscherteam nun zu einem „zweifelsfreien“ Schluss: Es gibt keinen G-Punkt der Frau.

„Winter“ by Robert Brandstätter

Ich komm ungern auf „told you so“, aber: Ich hab´s gesagt. Vergangenen November regte ich HIER an, „die ominöse Landkarte zur Schatzinsel zu zerreißen“.

Mit der Schatzinsel war die Vagina gemeint, per se ein Ort, der etwaige Wegweiser überflüssig macht, weil du ohnehin jeden Winkel dieser faszinierenden Location persönlich erforschen willst. Nur ist da auch noch jener Schatz, den ausgerechnet Sexualforscher dort heben wollten und wollen und der seit Kinsey im Themenbereich „Orgasmus der Frau“ verankert liegt.

Obwohl die Vagina kein Festland ist, kriegten sie die Landkarte generell halbwegs verständlich hin. Nur mit dem Kreuz an der Stelle, wo sich der Schatz befinden soll, war es bald ein Kreuz. Tatsächlich sammelten sich im Lauf der Jahre eine ganze Menge Kreuze an.

Neben das originale Kreuz – gleich eingangs der Vagina, am Ort der Klitoris – gesellte sich bald ein zweites, das zu Ehren seines Erfinders Ernst Gräfenberg „G-Punkt“ genannt wurde. Laut Gräfenbergs Lageplan keine komplizierte Sache, man dringe knapp drei Zentimeter am Pfad der Urethra in die Vagina ein und dort, gleich hinter dem Schambein, ist er.

Simpel, eigentlich.

Das Dumme ist, dass es dort in der Umgebung nicht nur einen sondern laut Inselforscher Desmond Morris gleich vier G-Punkte geben soll. Macht insgesamt fünf Kreuze. Geht es nun nach dem heimischen Forscher Dr. Karl Stifter, sollte weiters ein sechstes platziert werden – für die weibliche Prostata, die dort etwas verkümmert im Gewebe über dem/den G-Punkt(en) kauern soll.

Wie gesagt, so ein Kreuz symbolisiert den Standort eines Schatzes, in diesem Fall die Verheißung eines Orgasmus und eine Frage drängt sich da sofort auf: Wenn es in der Vagina derart viele orgasmische Punkte gibt – warum ist der vaginale Orgasmus dann bei so vielen Frauen keine Selbstverständlichkeit?

„G-Punkt keine anatomische Wesenheit“

Tim Möller-Kaya

Eine mögliche, vielleicht die einzig mögliche Antwort fand nun ein israelisch-amerikanisches Forscherteam aus Yale-New Haven in Connecticut, das nach Analyse von 96 (!) veröffentlichten Studien über den G-Punkt zu einem interessanten Schluss kam: „Wir können ohne Zweifel feststellen, dass eine anatomische Wesenheit, die G-Punkt genannt wird, nicht existiert“, verlautet Dr. Amichai Kilchevsky, leitender Autor der Findung, die in der Jänner-Ausgabe des Journal of Sexual Medicine veröffentlicht wurde.

Nach Durchgang zahlreicher Interviews mit Frauen, die auf die Existenz des G-Punkts schwören (ihn aber nicht lokalisieren können), nach unzähligen Biopsien vaginaler Gewebe, die Nervenbündel zum Vorschein brachten (aber keinen verifizierbaren Punkt), nach Ultrasound-Studien, die Gewebeverdickungen transparent machten (aber keine signifikante Stelle), wurde die Suche nach dem G-Punkt beendet. Weil es nach Dafürhalten der Forscher keine Sinn hat, etwas zu suchen, das es nicht gibt. Nachsatz: nicht mit der Technologie, die bis dato zur Verfügung steht.

Eine einzige der 96 Studien löschte die Vision der Existenz des G-Punkts nicht ganz, nämlich jener Aufsehen erregende MRI-Scan des Gehirns einer Frau während eines Orgasmus (den zib21 HIER präsentierte). Der Scan hatte signifikante Gefühle registriert, wenn sich die Frau an jener Stelle stimulierte, wo sich der G-Punkt befinden soll. Dennoch solle man sich den G-Punkt „nicht wie einen bestimmten Punkt vorstellen sondern mehr wie eine Gegend, so, wie New York eine Gegend ist.“ (Prof. Barry Komisaruk, Leiter des Scan-Experiments, Rutgers University). Und wer an der Gegend interessiert ist, der muss sie durchstöbern, Punktfixiertheit macht da keinen Sinn, zumal dann, wenn der Punkt nicht existiert.

Also: Landkarte bitte zerreißen, sie hatte ohnehin von Anfang an Mängel, wie es halt ist, „wenn nur eine Karte für alle Frauen existiert, aber jede Frau anders reagiert.“ Das macht die Schatzsuche stets aufs Neue so spannend.

Aus dem Archiv »

Keine weiteren Posts zum Thema gefunden. Der Zufallsgenerator empfiehlt:
Girl Friday – the Book of Bad 22. The Right Time for Tea von Gabbi Werner

14 Kommentare »

Schreiben Sie einen Kommentar / Leave a comment

Sie können diese HTML-Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dieser Weblog unterstützt Gravatar.

 

ZiB21 sind: unsere Blogger