SexScience. Offiziell: G-Punkt inexistent
60 Jahre nach seiner Entdeckung kam ein US-israelisches Forscherteam nun zu einem „zweifelsfreien“ Schluss: Es gibt keinen G-Punkt der Frau.
Ich komm ungern auf „told you so“, aber: Ich hab´s gesagt. Vergangenen November regte ich HIER an, „die ominöse Landkarte zur Schatzinsel zu zerreißen“.
Mit der Schatzinsel war die Vagina gemeint, per se ein Ort, der etwaige Wegweiser überflüssig macht, weil du ohnehin jeden Winkel dieser faszinierenden Location persönlich erforschen willst. Nur ist da auch noch jener Schatz, den ausgerechnet Sexualforscher dort heben wollten und wollen und der seit Kinsey im Themenbereich „Orgasmus der Frau“ verankert liegt.
Obwohl die Vagina kein Festland ist, kriegten sie die Landkarte generell halbwegs verständlich hin. Nur mit dem Kreuz an der Stelle, wo sich der Schatz befinden soll, war es bald ein Kreuz. Tatsächlich sammelten sich im Lauf der Jahre eine ganze Menge Kreuze an.
Neben das originale Kreuz – gleich eingangs der Vagina, am Ort der Klitoris – gesellte sich bald ein zweites, das zu Ehren seines Erfinders Ernst Gräfenberg „G-Punkt“ genannt wurde. Laut Gräfenbergs Lageplan keine komplizierte Sache, man dringe knapp drei Zentimeter am Pfad der Urethra in die Vagina ein und dort, gleich hinter dem Schambein, ist er.
Simpel, eigentlich.
Das Dumme ist, dass es dort in der Umgebung nicht nur einen sondern laut Inselforscher Desmond Morris gleich vier G-Punkte geben soll. Macht insgesamt fünf Kreuze. Geht es nun nach dem heimischen Forscher Dr. Karl Stifter, sollte weiters ein sechstes platziert werden – für die weibliche Prostata, die dort etwas verkümmert im Gewebe über dem/den G-Punkt(en) kauern soll.
Wie gesagt, so ein Kreuz symbolisiert den Standort eines Schatzes, in diesem Fall die Verheißung eines Orgasmus und eine Frage drängt sich da sofort auf: Wenn es in der Vagina derart viele orgasmische Punkte gibt – warum ist der vaginale Orgasmus dann bei so vielen Frauen keine Selbstverständlichkeit?
„G-Punkt keine anatomische Wesenheit“
Eine mögliche, vielleicht die einzig mögliche Antwort fand nun ein israelisch-amerikanisches Forscherteam aus Yale-New Haven in Connecticut, das nach Analyse von 96 (!) veröffentlichten Studien über den G-Punkt zu einem interessanten Schluss kam: „Wir können ohne Zweifel feststellen, dass eine anatomische Wesenheit, die G-Punkt genannt wird, nicht existiert“, verlautet Dr. Amichai Kilchevsky, leitender Autor der Findung, die in der Jänner-Ausgabe des Journal of Sexual Medicine veröffentlicht wurde.
Nach Durchgang zahlreicher Interviews mit Frauen, die auf die Existenz des G-Punkts schwören (ihn aber nicht lokalisieren können), nach unzähligen Biopsien vaginaler Gewebe, die Nervenbündel zum Vorschein brachten (aber keinen verifizierbaren Punkt), nach Ultrasound-Studien, die Gewebeverdickungen transparent machten (aber keine signifikante Stelle), wurde die Suche nach dem G-Punkt beendet. Weil es nach Dafürhalten der Forscher keine Sinn hat, etwas zu suchen, das es nicht gibt. Nachsatz: nicht mit der Technologie, die bis dato zur Verfügung steht.
Eine einzige der 96 Studien löschte die Vision der Existenz des G-Punkts nicht ganz, nämlich jener Aufsehen erregende MRI-Scan des Gehirns einer Frau während eines Orgasmus (den zib21 HIER präsentierte). Der Scan hatte signifikante Gefühle registriert, wenn sich die Frau an jener Stelle stimulierte, wo sich der G-Punkt befinden soll. Dennoch solle man sich den G-Punkt „nicht wie einen bestimmten Punkt vorstellen sondern mehr wie eine Gegend, so, wie New York eine Gegend ist.“ (Prof. Barry Komisaruk, Leiter des Scan-Experiments, Rutgers University). Und wer an der Gegend interessiert ist, der muss sie durchstöbern, Punktfixiertheit macht da keinen Sinn, zumal dann, wenn der Punkt nicht existiert.
Also: Landkarte bitte zerreißen, sie hatte ohnehin von Anfang an Mängel, wie es halt ist, „wenn nur eine Karte für alle Frauen existiert, aber jede Frau anders reagiert.“ Das macht die Schatzsuche stets aufs Neue so spannend.







ach wie langweilig wäre es, wenn alles so einfach wäre. schatzkarten zerreißen ist aber auch langweilig. a jedes haferl hat sein deckl…oder wie dieses oma-sprichwort heißt. für irgend eine “gegend” wird die “schatzkarte” g-punkt auch stimmig sein. meine frauenärztin behauptet, es gäbe keine weibliche prostata. ehrlich, mir ist es wurscht, was mich immer wieder wärmt. und finde es very amusing, was immer wieder für neueste unumstößlich richtige theorien daher kommen.
herzlichst
Meiner Theorie nach ist es simpel: Er hole sich von ihr, was er will, sie sich von ihm, was sie will. Da kann sich dann keine(r) aufregen.
Oder?
ja das mit den theorien, lieber sax. genau das macht es so schwierig. weil, da gibt es vertreter dieser theorie x und dann gibt es jene der theorie y, wonach er ihr gibt, was sie braucht und umgekehrt. und wenn dann ein vertreter der theorie x mit einem vertreter der theorie y verbandelt ist (was quasi naturgesetz zu sein scheint), dann wirds richtig lustig. oder auch nicht.
isn’t it?
man spricht von 5, 6 kreuzen. ich würde einfach mal so sagen, dass es bei der herzdame hundert ( 100) “kreuze” sind. oder mehr. je nach liegeart.
und ich find immer wieder punkte der , naja eben solche.
gruss j.
(frau sagt:” er habe magische hände”.)
Starke Worte, Anjin-San. Und da heißt es immer, der Mann stecke in einer Identitätskrise. Pah!
Typisch Mann: Anstatt einfach ein paar Frauen zu fragen und das in 6 Minuten herauszufinden, forschen die 60 Jahre rum :P
Ganz so is es ned. zit.: „Nach Durchgang unzähliger Interviews mit Frauen, die auf die Existenz des G-Punkts schworen (ihn aber nicht lokalisieren konnten) …“ Der Punkt ist, dass es kein Punkt ist, sondern eine “Gegend” …
Ich habs kapiert, keine Sorge, hab ja so eine Gegend selber.
Aber G
Sweet. Eigentlich der bessere Titel. Thx, Kamka.
ist schon blöd, wenn´s eine “anleitung” gibt und dann funktioniert´s nicht;-)
das beste ist und bleibt einfach genüsslich spielerisch eintauchen ….
… und einander verstehen. Sex ist nicht einseitig, oder? Es ist ein kommunikativer Akt …
aber leute, nur weil die wissenschaft resigniert … es gibt mit 100%iger sicherheit zumindest diese gegend, die unbedingt beachtet werden will. und das muss man den meisten männern beibringen – also frauen: wenn’s drauf ankommt, nicht schüchtern sein ;) und männer, neugierig bleiben! uns allen zuliebe!
Meine Rede. Soll ich Wissenschaftlern ausgerechnet diese Forschung überlassen? Not in this life …