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Gladius 01. Christen, Juden & Araber

Von | 12.04.2009, 15:57 | 8 Kommentare

Über den Zustand, den wir das moderne Jerusalem nennen: jede Menge Äpfel vom selben Baum, die einander die Birnen eindreschen.

Der ErsatzpredigerNa gut. Und so geschehe denn, was geschehen muss. Liebe Leute, Ihr seht, dass hier ein anderer schreibt als jener, der dies am Tag des Herrn bislang betrieb, Leser mit Blick für Details erkennen es bereits am kleinen Wörtchen „muss“. Dem Pater gefiel es, dieses „muss“ als „muß“ unter die Leute zu bringen, so als käme es von Muße. Es wäre nun aber müßig, dabei zu verweilen, denn der Pater ist nicht mehr. Was bleibt ist das Wort, das gesprochen werden muß muss.
Ich kann Euch weder Litaneien noch Gleichnisse vorbeten, ich kann Euch nicht sagen, was Ihr zu denken und zu tun habt, weil es irgendwo geschrieben steht. Ich kann aber daran erinnern, dass an diesem Wochenende das Osterfest zelebriert wird, das für die jüdische und die christliche Glaubensgemeinde jeweils etwas anderes bedeutet. Die Juden feiern das Fest des „Vorüberschreitens“ (Pessach), mit welchem sie der Befreiung von der Knechtschaft Ägyptens gedenken. Man erinnert sich: Ein Hirte namens Moses unterhielt damals einen heißen Draht zu Gott, der  seinen Todesengel ins Land des Pharao sandte, um jedem Haushalt die Erstgeburt zu rauben, es sei denn, an den Türpfosten klebte das Blut eines einjährigen Tieres. Und an den jüdischen Häusern klebte eben das Blut, dank Moses – der dann sein Volk aus Ägypten führen durfte, weil des Pharaos Bedarf an ähnlichen Plagen bis auf weiteres gedeckt war.
Die Christen wiederum würdigen ihren Herrn Jesus, einen Juden, der das Pessachfest zum Anlass nahm, sich in Jerusalem ans Kreuz nageln zu lassen und dadurch nicht nur die Sünden der Menschenkinder symbolisch zu übernehmen, sondern auch den Alten Schriften einen zusätzlichen Spin zu verpassen, den wir heute als Neues Testament kennen.

Äpfel und Birnen der Erkenntnis

Damit aber nicht genug, sind da auch noch die Araber, die das österliche Treiben von Juden und Christen aus der Distanz, wenn auch indigniert betrachten, weil schon lange vor Jesus und lange vor Moses ihrem Propheten Ismael die Ungnade widerfuhr, von seinem Vater Abraham nicht mit den Rechten des Erstgeborenen gesegnet zu werden, obwohl er in der Tat der Erstgeborene war. Dieses Recht wurde bekanntlich dem Zweitgeborenen Isaak zuteil, den Abraham mit Gattin Sara zeugte, während Ismael „nur“ aus dem Schoß seiner Sklavin Hagar gekrochen war. Und Ismael ging in die Wüste und laut Koran erbaute er nicht nur die Kaaba zu Mekka, sondern steuerte mit seinem Sohn Adnan auch den wesentlichen Samen für die Entstehung des arabischen Volkes bei – das letztlich wieder zur Heiligen Stadt gelangte. Und so haben wir heute den chaotischen und zerrütteten Salat, den wir das moderne Jerusalem nennen: jede Menge Äpfel vom selben Baum, die einander die Birnen eindreschen.
Im Drang nach Stillung meines religiösen Wissensdurstes unternahm auch ich vor einigen Jahren die Pilgerfahrt nach Jerusalem. Es war zwar nicht Ostern, das Chaos dennoch bemerkenswert. Ich erreichte Israel zwei Tage nach der Explosion eines Linienbusses in Tel Aviv und verließ das Land am Tage eines ähnlichen Knalles in Jaffa.  In Jerusalem war ich Gast eines Christlichen Gasthauses unweit der Davidsburg, und die Tore wurden um zehn Uhr nachts geschlossen, weil um zehn nach zehn die Schießereien begannen. Ich ging meinen Gang durch die Via Dolorosa, die sich durch das dicht bevölkerte Araberviertel schlängelt und kehrte am Hügel von Golgatha in mich ein, um Gott einzuladen, zu mir zu sprechen, nur war da leider nichts.

Die Wahrheit

Selbstverständlich fuhr ich auch nach Bethlehem zur mutmaßlichen Geburtsstätte Jesu, und das Faszinierende dabei ist, dass du einen arabischen Guide brauchst, um im Land der Juden an die Kultstätte des Gurus der Katholiken zu gelangen. Den Rest meiner Tage im Heiligen Land verbrachte ich mit dem Studium historischer Schriften und gelangte immerhin zur Erkenntnis, dass es im religiösen Leben sicher weniger um das geht, was die Urfiguren der Glaubensgemeinden so sagten und taten, sondern vielmehr darum, was ihre späteren Verfechter daraus machten. Und so endete meine spirituelle Reise irgendwann 300 und etliche Jahre nach Christus, als Konstantin Rom ins Christentum überführte und im Zuge dessen auch alles Wissen der Universitäten von Indien über Babylon bis Alexandria unter sich begrub. Ein Wissen, das zum Beispiel aufgrund eingehender Beobachtung der Gestirne schon lange davon ausging, dass die Erde sich um die Sonne drehte und nicht umgekehrt. Aber seit Konstantin war die Wahrheit wieder das, was in der Bibel stand, und stand sie nicht in der Bibel, dann war sie nicht, und so lag jede Erweiterung des Bewusstseins bis auf weiteres brach.
Bekanntlich wurde das Jahrtausend danach als „das dunkle Zeitalter“ mit all ihren Gräueltaten Geschichte, aber natürlich kann man das nicht dem Herrn Jesus anlasten, der da am Kreuze die irdischen Schmerzen überwand, um seinem Geiste Unsterblichkeit zu gestatten. Es sind die, die in seinem Namen oder im Namen anderer Erleuchteter ihr Süppchen kochten und kochen, deren Gebräu wir uns, wenn überhaupt, dann nur mit einer Prise Salz genehmigen sollten. Möge Euch daher kein Fundamentalist je zu nahe kommen, es sei denn Ihr lasst ihn ran, damit er Euch am Arsch lecken kann.

8 Kommentare »

  • karotterl sagt:

    lieber pater!

    ja, was die pfaffen aller coloure aus dem göttlichen kern so machen, ist ..na sagen wir mal..ein mordsspass!!
    haha

    liebe deinen nächsten…wie dich selbst?
    sich selbst?
    naja, du wurm, du nichtswürdiger, du
    selber schuld, oder?

    du bist ein kind gottes. wir alle brüder jesu.
    petrus sagt: ja herr
    und der ponitfex ist der einzige stellvertreter auf erden…
    jaja, hierarchisch lässt sichs doch viel besser herrschen.

    jesus sagt: es gibt kein gesetz ausser dem meinen.
    es gibt keinen herrn ausser dem herrn im himmel.

    ha, was haben unsere herren pfaffen (und damit mein ich nicht die kämpfer in den feuerlinien..die priester bei den menschen, sondern die „würdenträger“ und „rechtmacher“ in gottes namen) alles getag, um die botschaft jesu nur ja zu verbiegen und zu verhunzen.

    also, petrus, du hüt die schafe, die brauchen einen herren. aber gottes kinder stehen neben jesus und kämpfen mit ihm am letzten tag!!!

    • Frater Gladius sagt:

      Geschätztes Karotterl,
      ich bin kein Pater. Bin ein Frater. Aber ich nehme auch Beichten ab. Interessiert? Ihr FG

      • karotterl sagt:

        ach gott ich wurm ich !!
        frater, pater…aber auch;-))

        beichte , bitte herzlichst!!!
        lebt sich ja viel …. ähm…
        leichter gleich;-)

        • Frater Gladius sagt:

          Bitte etwas mehr Würde, Karotterl.
          Nicht einmal ein Wurm hat es dieser Tage mehr notwendig, vor einem Geistlichen zu kriechen.

          • karotterl sagt:

            das wurmt mich jetzt!
            sowas von ertappt und verloren. da beicht ich gleich!
            was solls! der spass des versagens verinnerlicht mir ja mein denkdings.

            also, beichteabnehmen, frater…darf ein frater das eigentlich auch? na! net scho wieder! da setz das gemüse sich wieder in die nesseln und verkühlt sich die federn.

            die sünde und die schuld meiner unwürdigen weil kriecherischen existenz tut sich ja auf im nichtannehmen wollen meiner vorbestimmtheit zum suppengemüse.
            die idee, sich wohlsinnlich und wolllüstern dem fallbeil zu ergeben… ja ich weiß, es ist bestimmung, meine geschwister, meine eltern, meine kinder, alle sehnen sich nach dieser art der erlösung aus unserem reingekrochenen stadium- mir graut, ich beicht es!
            kann das wirklich alles sein? im besten fall rausgezupft, abgeklopft und angeknappert? im bösesten maschinell verarbeitet zu babykarottenbrei?

            mir steht der sinn nach höherem, frater! kann den das sünde sein?!? hat nicht der karottengott im glashaus uns alle den freien willen mit gegeben? und was spricht dagegen…ach wie schwer fällt mir das eingestehen, hab nachsicht, lieber frater..dagegen, einmal nur, oder vielleicht ja als erster und die andeen folgen mir nach und ich war der, der alle erweckte, ihren sehnsüchten zu folgen…nur dieses einemal

            das steak zu sein!!!

            herr ich bin nicht würdig
            ;-)

  • sakristan biringer sagt:

    Geschichtsunterricht ist ja was feines. aber was soll uns der erhobene zeigefinger deuten? wieder gläubige christen zu werden, um es den anderen fanatikern zeigen zu dürfen? bis sie uns am arsch lecken?

    nichtmal ratzinger polemisiert so wie Sie, frater gladius! er ist aber auch viel zu beschäftigt mit rockfestivals wie dem allösterlichen urbi et orbi-spektakel am petersplatz …

    • Frater Gladius sagt:

      Lieber Herr biringer,
      Sie haben mich hier – absichtlich? zufällig? – am wunden Punkt erwischt, und ich fände es interessant zu wissen, ob sich hinter diesem „biringer“ tatsächlich ein Herr Itzlinger verbirgt, der seinerzeit vor über drei Jahrzehnten Augenzeuge war, als ich anlässlich einer Ferialpraxis in der Tischlerei der Steyrer Werke in Oberösterreich meinen rechten Mittelfinger verlor. Ich gebe zu, dass der physische Schmerz lächerlich war im Vergleich zur Seelenpein als aktiver Anarchist anlässlich des Studiums der Philosophie in Wien. Während meine Kollegen an der Frontline stets den Zuständen, die da waren, ihren makellos gestreckten Mittelfinger präsentierten, konnte ich nur mit dem Finger neben dem Daumen dienen. Und immer wurde die Geste von meinen Mitstreitern misinterprätiert, bis mir letztlich nichts anderes blieb, als mich einer Umwelt zuzuwenden, wo der Zeigefinger noch was zu sagen hat. Zum Glück haben meine Kollegen Kuttenträger bis heute nicht überzuckert, welchen Finger ich eigentlich meine, wenn ich diesen einen erhebe. Ihr FG

      • sakristan biringer sagt:

        werter frater,

        nein, itzlinger bin ich keiner. mein name ist biringer, und das ist mein ernst!

        was ihren mittelfinger betrifft: jetzt wird mir einiges klar …

        beste grüsse,
        s.b.

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