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Sex für urbane Mythologen. Die spinnen, die Spinnen

Von | 15.12.2011, 14:44 | Ein Kommentar

Wie schummelt sich eigentlich Herr Spinne zwischen die Beine seiner Holden? Ähnlich wie der Menschenmann. Nur cleverer. #weihnachtskompatibel

Listspinnen beim Geschenketransfer. Foto: Maria Jose Albo, Spinnenlabor dk

Gestatten: Pisaura mirabilis, zu deutsch: Listspinne. Diese in ganz Europa heimische Spinne trägt ihren Namen nicht zufällig. Zur Paarungszeit ersteht das Männchen ein nettes Geschenk, verpackt es in Seide und präsentiert es dem Girl.

Das ist per se noch nicht unwiderstehlich, aber von untrüglichem Instinkt getragen. Das Männchen spekuliert richtiger Weise mit der Neugier der Beschenkten. Allerdings wartet es nicht, bis sie ein Zeichen gibt, dass die Gabe auch ihr Wohlgefallen fand. Das Männchen macht sich bereits über sie her, während sie das verlockende Geschenk noch auspackt.

Wie clever ist das? Sicher forscher als der Menschenmann von sich behaupten kann. Der schenkt zwar auch, muss aber hoffen, damit das Herz seiner Holden zu rühren, ehe er an einen Aufbruch in ihren Süden auch nur denken kann. Und selbst dann sorgt die Endstation Sehnsucht zwischen ihren (zwei) Beinen oft für mehr Verwirrung als die (acht!) Beine von Frau Spinne für ihren Galan.

Vielleicht hat die Verwirrung damit zu tun, dass der Menschenmann mit seinem Penis bestenfalls abstrakt denkt, während das Geschlechtsorgan des Spinnenmännchens direkt seinem Kopf erwächst. Der Pedipalpus, eine interessante Extremität seines Kopfes, ist nicht nur ein effizientes Tastorgan, er dient auch als Spermaüberträger. Macht in Summe eine Qualität, die unsereins nur beneiden kann. Meint zumindest der Naivling in mir.

Ist das eine Fliege in deinem Päckchen, oder …

Der Rest hat aber wissenschaftliche Basis. Um das listige Treiben der Achtbeiner abzuklären, hatten Forscher der dänischen Uni Aarhus unter Leitung von Maria Jose Albo wilde Listspinnen für ein Experiment gesammelt und sie im Labor vier unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt.

Jeweils 20 Spinnenmännchen waren ohne Geschenke, mit „wertlosen“ Geschenken, mit schmackhafter toter Fliege und mit proteinbereicherter toter Fliege zur Brautwerbung angetreten. Mit ebenso unterschiedlichen Erfolgserlebnissen.

Nur jedes sechste der „geschenklosen“ Männchen genoss etwas Lady-Action, jene mit Geschenken waren generell zu 90% erfolgreich – Sex während des Auspackens, wie gesagt – wenn auch unterschiedlich lange: Sobald die Weibchen die „Wertlosigkeit“ eines Geschenkes identifizierten, entledigten sie sich des eindringlichen Pedipalpus und suchten das Weite.

Der Unterschied lag also in der Paarungszeit. Je wertvoller das Geschenk, umso sorgfältiger untersuchten die Weibchen dasselbe – und umso länger hatten die Männchen Zeit für den Samentransfer. Allerdings hatten die Männchen mit den weniger attraktiven Geschenken noch eine weitere List im, hm, Ärmel. Während die Weibchen Leine zogen, klammerten sich die Burschen an ihnen fest, stellten sich außerdem tot – und machten sich erneut über die Girls her, sobald diese eine Verschnaufpause einlegten. Listig, oder? Es gibt Geziefer, die tragen ihren Namen zu Recht.

Fazit für den Homo Sapiens, und dazu dienen letztlich die in jüngerer Vergangenheit populären zoomorphologischen Schlüsse: Was zählt, ist der Inhalt, nicht die Verpackung eines Geschenkes. Aber ganz ohne Geschenk ist gar nicht gscheit. Denken Sie zu Weihnachten daran.

Quelle: livescience.com

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