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„Schlampen“ dürfen hier nicht beten

Von | 07.12.2011, 17:07 | 6 Kommentare

Darf in deutschen Schulen gen Mekka gebetet werden? Nein, sagt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Gut so, denn in diesem Fall ging es nie ums Beten, sondern um die größtmögliche sichtbare Dominanz des Islam.

Gebetsteppiche

„Christenschweine“ nennen pubertierende Jung-Muslime gerne ihre deutschen Nachbarn und ihre Mitschüler. Die Abgrenzung zum und die Abwertung des Christen gehört für den muslimischen Heranwachsenden zum kleinen Einmaleins seiner Weltsicht. Er übernimmt das klassischerweise von seinen Eltern und/oder der islamischen Tradition, die mit ihrer Bewertung des Nicht-Muslim nicht zimperlich ist. Das ist unzählige Male aufgeschrieben und nichts Neues.

Der nun vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig beendete Streit wurde hin- und hergewogen durch die gerichtlichen Instanzen. Mal durfte in der Schule gen Mekka gebetet werden, mal nicht. Jetzt ist Schluss damit. Der Koordinationsrat der Muslime sieht darin eine Beeinträchtigung der Religionsfreiheit. Der Koordinationsrat trötet, dass der Staat ja bitte nicht die Religionsfreiheit gegen den popeligen Schulfrieden aufwiegen dürfe. Genau darin irren die Verbands-Muslime. Wenn das Gebet das Miteinander von Menschen verunmöglicht, wenn es als Ausdruck von Religion nicht zum Aufbau der Gemeinschaft beiträgt, dann hat es an der Schule nichts zu suchen. Aus dem anderen Lager ist zu hören, dass Gebet in der Schule generell nichts zu suchen habe. Dem widerspricht das Gericht. Es komme auf den Einzelfall an.

„Schlampen“, „Juden“, „Scheißchristen“

Der Schulfrieden ist nicht wegen des Gebets an sich gestört. Sondern wegen der Begleitumstände, unter denen das islamische Gebet daherkommt. Zur Schau gestellt auf dem Korridor oder dem Schulhof, dient es zu nichts anderem als zur kulturellen Abgrenzung von den anderen. Der Islam selber hat diese Haltung kultiviert, die jungen Pausenhof-Rambos denken sich das nicht selber aus. Die von ihnen, so liest man immer wieder, die beten, respektieren nicht die anderen oder ereifern sich in guten Werken für den Nächsten, wie man das von betenden Christenmenschen erwarten darf, sondern sie beschimpfen die, die nicht so wie sie zu ihrem einzigen Gott und ihrer Vorstellung von ihm beten, ohne schlechtes Gewissen als „Schlampen“, „Juden“ und „Scheißchristen“.

Was beten Muslime? Dass es keinen Gott außer Allah gibt und das Muhammad sein Prophet ist. Um was beten Christen? Dass sie einander vergeben sollen und darum, dass alle Menschen etwas zu essen haben. Ich finde, dass es einen großen Unterschied – natürlich jenseits dieser plakativen Gegenüberstellung – im Beten von Muslimen und Christen gibt. Es gibt ein Gebet, das sich für den tätigen Aufbau der Gemeinschaft zurüstet und solches, das in Separierung die Überwindung der Gemeinschaft (als eine minderwertige verstanden) zum Ziel hat. Nummer 1 geht klar, Nummer 2 nicht. Nummer 1 geht klar, wenn Muslime, Juden, Christen, Buddhisten ihr Beten so verstehen und nicht anders. Das haben die Christen nicht für sich allein gepachtet, sie müssen, da sie in Deutschland die Mehrheit der Menschen mit Bekenntnis stellen und die kulturelle Prägekraft haben, vielmehr mit gutem Beispiel vorangehen.

Es ging nie wirklich ums Beten

Für den Koordinationsrat der Muslime ist Religionsfreiheit: Wir dürfen alles, wovon wir sagen, dass wir es mit unserer Religion begründen können. Und ihr müsst das akzeptieren. In der Konsequenz hieße das, dass wir zulassen müssten, wenn religiöse Praxis zu Unordnung und Gewalt führt, weil die Religionsfreiheit als Menschenrecht über anderen Freiheiten throne. Das hätte der Koordinationsrat vielleicht gerne. Kriegt er aber nicht! Eine als Religion getarnte Überheblichkeitsideologie hat in der Schule keinen Platz.

Nun sagen die einen: „Es gibt auch intolerante Christen“, und die anderen sagen: „Das ist nicht der wahre Islam.“ Beides ist richtig. Beides steht aber im Moment nicht zur Debatte. Weder Muslime noch Christen müssen unbedingt und ganz dringend zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebet so verrichten, dass alle Welt um sie herum das merken muss. Muslime können Gebetszeiten nachholen und sie müssen sich zum Gebet auch nicht zwingend immer niederwerfen. Es ist im vorliegenden Fall aber nicht ums Beten gegangen. Wer etwas anderes behauptet, der hat den Knall nicht gehört.

Foto: Dennis & Aimee Jonez, Lizenz: CC BY-SA 2.0

6 Kommentare »

  • Betül sagt:

    Dieser Artikel ist sehr diskriminierend gegenüber den Muslimen! Alle Muslime werden in den Dreck gezogen und sie werden verurteilt. Es mag sein, dass sich einige aber mit sicherheit die Minderheit sich nicht richtig ausdrückt und die andere Religionen beleidigt, jedoch gibt es auch zahlreiche Christen etc., die die Muslime beleidigen. Diese Vorfälle werden in diesem Artikel nicht genannt. und auch im generellen werden solche Vorfälle verschwiegen!
    Schon komisch dass viele solchen Artikeln glauben und den Islam als eine schwachsinnige und intolerante Religion ansehen ,ohne sich mit dem Islam beschäftigt bzw. den Kuran gelesen zu haben ;D
    Jetzt ist meine Frage wo in Ägypten die Christen erschossen werden und welche Kirchen in der Türkei zerstört werden?
    Sehr schade , dass Menschen noch denken wie sie .
    Jeder soll glauben was er will , aber jeder soll auch jeden dafür respektieren.
    Beschäftigt euch erst mit dieser Religion, und anschließend könnt ihr urteilen! , denn in den Medien wird auch nicht immer das wahre über den Islam erzählt !

  • Karl Elberfeld sagt:

    Sehr gut dass das Gericht so entschieden hat. Es ist absolut lächerlich, dass ausgerechnet der Islam sich auf die Religionsfreiheit beruft, während in den Top 50 der Länder mit der stärksten Christenverfolgung über 30 Länder muslimisch sind. Sie benutzen unsere westlichen Freiheiten als Waffe um eben diese Freiheit auszuschalten. Was sagen die koptischen Christen, die im postrevolutionären Ägypten erschossen werden, über die Ausübung der religionsfreiheit in islamischen Ländern? Oder die Christen in der Türkei deren Kirchen regelmäßig zerstört werden? Wieso sollte der Islam unsere westlichen Rechte für seine Zwecke nutzen (die keineswegs einer multikulturellen Gesellschaft dienen sondern nur islamischer Homogenität), während diese Rechte in den meisten islamischen Ländern gar nicht bestehen? Was sagen die Juden im Nahen Osten dazu, dass muslimische Würdenträger sie regelmäßig als „Nachkommen von Affen und Schweinen“ bezeichnen?
    Ich denke, so lange der Islam nicht in seinen eigenen Ländern gründlich aufräumt, bürgerliche Rechte, Menschenrechte und Religionsfreiheit einführt hat er sich in unseren Ländern nicht zu beschweren.
    Abgesehen davon, dass der Islam hier ohnehin die gleiche Religionsfreiheit genießt wie christliche Gruppen…das scheint den Muslimen nur nicht genug zu sein.

  • Nasreddin sagt:

    Guter Artikel, aber ein Aspekt fehlt. Es geht nicht nur um den Konflikt Muslime gegen Christen, es geht auch – vielleicht sogar wesentlich – um den Konflikt gemäßigt muslimisch gegen strenggläubig. Der Druck auf liberale Muslime, der von den Glaubensfanatikern ausgeht, widerspricht ebenso der Religionsfreiheit und gefährdet den Schulfrieden.

    In einem anderen Punkt möchte ich klar widersprechen: „Es gibt auch intolerante Christen“, „Das ist nicht der wahre Islam.“ Ersteres ist richtig, letzteres aber falsch. Was gibt Ihnen das Recht zu beurteilen, welche Ausprägung der wahre Islam ist und welche nicht? Wenn Sie geschrieben hätten: Es gibt auch einen anderen Islam, da könnte man zustimmen. Die Glaubensfanatiker haben aber in den fundamentalen Schriften (Koran und Sunna) genügend Stellen, mit denen sie ihre Haltung begründen können. Leider.

  • Michael Marx sagt:

    Ich wollte das Bundesverfassungsgericht hätte beim Thema Die Grenzen der Religionsfreiheit bereits ebenso weise entschieden. Taten sie im letzten Urteil leider nicht.
    Also muss erneut geklagt werden. Kostbare verlorene Zeit, welche dazu geführt hat das die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber dem Islam weiter gesunken ist.
    Irgendwann wird das Verhältnis so zerrüttet sein das auch das weiseste Urteil den entstandenen Schaden nicht mehr reparieren wird.
    Wer die europäischen Kriminalitätsstatistiken studiert hat der lässt sich bereits heute auf keine versöhnlichen Debatten mehr ein sondern träumt von Waffengesetzen wie in den USA.
    Und das zu Recht.

  • Mr.D sagt:

    Ein sehr schöner Artikel Danke

  • Rolf Günther sagt:

    Wow, das ist doch mal ein klarer Artikel. Ich kann dem nur zustimmen und hoffe, er wird von unheimlich vielen Menschen verinnerlicht. Nur mit solch kristalklaren Darstellungen wird aufgeweckt und verständlich gemacht. Danke Herr Görlach !

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