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Faymann, Fakes & Feger

Von | 27.11.2011, 18:37 | 2 Kommentare

Was tun, wenn ein Kanzler keine Fans hat? Man lässt sie fälschen. Mit geneigter Assistenz eines Starlets, das offenbar nicht weiß, was es tut.

Foto: Laura Rudas mit Kanzler Werner Faymann (kein Fake) by sugarmelon.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Sehen Sie sich die Visage zum Foto oben an. Nicht die vom Feger sondern das Ar Allerweltsgesicht rechts, das man dem Vernehmen nach „nicht mehr anschauen kann, ohne die Maschek-Stimmimitation im Kopf zu haben“.

Ich persönlich halte derlei Imitationen ja für etwas billig. Was ein heimischer Politiker ist, dem fehlt schon lange der Brustton der Überzeugung, aus dem Nichts kann eben nichts kommen. Und das Resultat sind halt diese im Kopf heimischen Piepserlstimmen – die allzu leicht zu verarschen sind.

Das andere Resultat ist das Allerweltsgesicht. Ich weiß, es gibt treffendere Bezeichnungen, aber es passt so la la, der Punkt ist, dass so ein Gesich eine gewachsene Sache ist. Das Original dazu ziert häufig Köpfe von Leuten, die man gern „Männer ohne Eigenschaften“ nennt, wenn man eigentlich „Charisma wie ein Hydrant“ meint.

Somit zum Gesicht. Ehrlich gesagt, ich finde es genial. Du siehst es an und hast sofort diesen seifigen Geschmack auf der Zunge, der schwer zu entsorgen ist. Es gehört Mut zu so einem Bild. Normalverbraucher würden dafür zahlen, dass man es verbrennt. Aber der Protagonist zum Foto bildet sich ein, dass es ihm Stimmen bzw Zugriffe bringt.

Die Konsequenz von derlei Fehleinschätzung ist klar, ich hab es mir auf YouTube angesehen: Während die Mascheks bis zu 130 000 User anlocken, scheitern die originalen Kanzler-Clips oft bereits an der 1000er-Hürde, sie bleiben im dreistelligen Bereich. Nicht einmal der harte Kern der Parteimitglieder lässt sich also zu einem Zugriff nötigen. Der Normalbürger sowieso nicht, verständlich, wer braucht schon einen seifigen Geschmack auf der Zunge. Aber wie peinlich ist es, wenn ein Kanzler zu impote „sein“ Volk nicht mobilisieren kann?

Die Frage ist: Was tun in so einem Fall? Simple Antwort: Man greife zu Fakes.

Dass eine Partei, die schon anno Viktor Klima Inhalte durch Spindoktoren und Jubeltruppen ersetzen ließ, heute die Jubeltruppen außerdem fälscht, ist so logisch, dass sich jede Entrüstung erübrigt. Dennoch erzeugte eine entsprechende Profil-Enthüllung vergangene Woche für soliden Wind. Es wurden, heißt es, „massenweise gefälschte Leserbriefe vom Server der SPÖ-Zentrale (an die meisten österreichischen Tageszeitungen) geschickt“.

Lässt mich faktisch kalt (ich lese keine heimischen Printmedien), bringt mich außerdem psychohygienisch nicht in Hitze (bestätigt nur altes Wissen). Allerdings begnügen sich die Faker nicht mit dem Print. Bekanntlich ist der Kanzler seit Wochen auch Zweinull unterwegs und verseucht mit  falschen Freunde und „Geister-Accounts“ das Soziale Netzwerk.

Na gut, es war schon logisch, dass das Netzwerk irgendwann „toxisch“ werden würde, Facebook sieht ohnehin immer mehr wie ein Shopping-Center aus, warum also nicht ein Kanzler, der über nichtssagende Themen noch weniger zu sagen hat? Das Fake-Thema wurden denn auch in der online-Community nahezu gütig aufgenommen, von den „roten Junioren Pelinka und Rudas“ handelten die Sprechblasen, die sich „beim Clever-Sein“ erwischen ließen. Fast putzig.

Fake Zweinull

Als Namen sind mir „Pelinka“ und „Rudas“ seit Jahrzehnten ein Begriff, in der Person Laura Rudas erkenne ich nur den Feger vom Foto oben, der sehr FB-präsent ist (wenn auch seit Tagen ominös still).

Warum „Feger“, ist das nicht down-market? Schon. Aber immer noch besser als jenes Trutscherl, als welches sie bei den Printonkels unterwegs ist, damit ein paar Leserlacher rausschauen. Ewig schade. Ich meine, gib mir ein Girl diesseits von Frau Fekter, dessen Sager mir ein Minimum von animierter innerer Einkehr beschert und ich gebe dir einen dankbaren Minnesänger, 24 Stunden pro Tag und sieben mal die Woche. Nur braucht das Respekt. Der auf Gegenseitigkeit beruhen muss. Wie respektabel sind gefälschte Freunde?

Angeregt vom o.a. „Clever-Sein“-Kommentar machte ich mich auf die Suche, um was Cleveres von ihr zu finden. Natürlich vergeblich. Die Dame ist halt willkommenes Futter für Dinge wie Donnerstalk ((„Wir müssen klare Botschaften vermitteln, (brauchen also) Deutschkurse“)). Wie die erst 30jährige  Nationalratsabgeordnete und Bundesgeschäftsführerin der SPÖ wurde, will ich mir gar nicht überlegen. Im Allgemeinen nennt man jemanden mit so steiler Karriere einen Politstar. Nur wär es dann hilfreich, würde sie bisweilen was Interessantes veräußern.

Bleibt also der Feger. Der hauptamtliche Einsatz als Babe der Partei. In so überholbedürftigen Sendungen wie Wir sind Kaiser, wo der Typ mit der roten Hose sie anschmachten kann. Angeblich soll das die Jungwähler anziehen.

Leider ist das nicht alles. Sie war auch blöd töricht genug, sich für den ganzen Fake-Dreck herzugeben, offenbar ohne verwandtschaftliche Hinweise auf etwaige Haltungsschäden und in enthusiastischer Bereitwilligkeit, als wäre Integrität was Lästiges, das es zu entsorgen gilt wie ein überfälliges Hymen.

Womit wir wieder bei der Sache sind. „Sind denn alle wahnsinnig geworden in Österreich?“, fragt eine FB-Kommunardin, „da betrügt ja jeder jeden.“ Um in der Folge die eigentliche Niedertracht der Sache wenigstens anzudeuten: „Die gefälschten Leserbriefe … sind von so geringer Aussagekraft, dass man sich fragt, wo ist der Skandal, muss man darüber überhaupt schreiben?“

Ich frag mich das nicht. Die (von mutmaßlich intelligenten Menschen verfassten) Leserbriefe sind deswegen so nichtssagend, weil damit „der typische heimische Wähler“ imitiert werden sollte. Das ist der eine Skandal: die Verarschung des Normalbürgers.

Der zweite Skandal – das Vorgaukeln eines demokratischen Prozesses – ist mittler Weile so euronormal (siehe auch HIER), dass er nicht weiter erwähnt werden muss.

Der dritte Skandal ist der – für mich – eigentliche: Heute lacht wieder halb Europa über Österreich. Und nicht über den Kanzler, der da flott fälschen ließ (der ist aus dem Schneider, weil er das offenbar ungestraft machen kann). Es lacht über die ÖsterreicherInnen, die sich das nicht nur reindrücken lassen sondern für die Zweinull-Fopperei auch noch die Rechnung (eine sechsstellige Eurosumme) bezahlen. Schlitzohren! Verkaufen dich als bescheuert und sagen auch noch „macht 200 000 Euro, liebe Österreicher und -rinnen“.

Fast schon cool, wärs nicht gar so Mittelfinger hoch.

2 Kommentare »

  • Brigitta sagt:

    das Thema Faymann ist „too low to bow“ – kein Kommentar- einfach peinlich – weil man ja doch Österreicherin ist —

  • Nico sagt:

    „Was ein heimischer Politiker ist, dem fehlt schon lange der Brustton der Überzeugung, aus dem Nichts kann eben nichts kommen.“ – Das ist so schlicht wie elegant auf den Punkt gebracht, dass man eigentlich nur noch mit dem Kopf gegen irgendwelche Wände donnern möchte…

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