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Sex für Fortgeschrittene 43. Occupy Vagina

Von | 10.11.2011, 14:40 | Ein Kommentar

Auf der Suche nach der „sexuellen Kompetenz“ der Vagina hat die Wissenschaft vieles gefunden – unter anderem 4 G-Punkte und „ihre“ Prostata.

Dices by Erich Reismann

Geht es um Sex, ist die Wissenschaft oft wie der Pirat im Klassiker „Die Schatzinsel“ unterwegs: Irgendwo auf einer exotischen Insel liegt ein Schatz begraben und die Frage, wie man ihn hebt, würde sich eigentlich nicht stellen, gäbe es da nicht diese Landkarte mit Kreuz drauf, das die Location des Schatzes verrät.

Der Schatz, den es in der Sexualforschung zu heben gilt, liegt dank Kinsey seit über einem halben Jahrhundert im Themenbereich „Orgasmus der Frau“ verankert. Der umtriebige Ami hatte 1948 in seinem „Report“ die erstaunliche Theorie vertreten, dass auch Frauen orgasmusfähig sind. Für beflissene Kopulenten nichts Neues, aber endlich machte sich auch ein Wissenschaftler dafür stark – ein Mensch mit Methode.

Die Schatzinsel war schnell geortet, klar, das konnte nur die Vagina sein, die ist mindestens so exotisch wie Bali. Auch die Landkarte zu diesem kleinen Stück Paradies war im Nu gefertigt. Aber mit dem Kreuz an so Orten wie der Klitoris war es mitunter ein Kreuz. Wie es eben ist, wenn nur eine Landkarte für alle Frauen existiert, aber jede Frau anders reagiert.

Die eine freut sich, wenn du ihre Klitoris rubbelst, die andere rammt dir das Knie in die Hoden. Riskante Sache, aber spannend.

Bei all dem Rummel um ihren „O“ ging 1950 völlig unter, dass ein gewisser Ernst Gräfenberg auf derselben Landkarte eine ungewöhnliche Stelle markierte, die er G-Punkt nannte. Erst 1981 mauserte sich derselbe zum Ort, wo sozusagen Milch und Honig fließt. Ein Punkt, der die Ejakulation der Frau triggert.

Tim Möller-Kaya

Hier der Lageplan: Man dringe knapp drei Zentimeter am Pfad der Urethra in die Vagina ein und dort, gleich hinter dem Schambein, ist er. Klingt einfach genug. Aber die Trefferquoten blieben bis heute bescheiden. 1984 errechnete ein Forscher namens Vern Bullough, dass nur 14% der Frauen ejakulieren. Zehn Jahre später wurde diese Wahrscheinlichkeit sogar auf 6% reduziert. Rätselhaft.

Vielleicht wäre es daher angebracht, die ominöse Landkarte zur Schatzinsel zu zerreißen. Eine Vagina ist ja kein Festland. Sie ist kein Loch, sie ist potenzieller Raum, der sich verändern kann. Das heißt auch, dass sie informieren kann. Sie sendet Signale.

Der „Pubococcygeus“-Muskel zwischen Schambein und Steiß, zum Beispiel, signalisiert recht heftig, wenn seiner Umgebung ein Orgasmus droht.

Ja, simple Aufmerksamkeit ist meist der bessere Wegweiser. Daran sollte man denken, wenn einem etwa das Buch des alten Inselforschers Desmond Morris in die Hände fällt, wo die Vagina vier (!) Kreuze hat, für jeden G-Punkt ein Kreuz.

Nichts gegen eine entsprechende Schatzsuche, die bringt es immer, auch wenn man nichts findet. Aber frag lieber die Vagina nach dem Weg.

Der Weg, nämlich der Kanal, hat es auch dem heimischen Forscher Dr Karl Stifter angetan und beim „Pubococcygeus“ verharrte er ein ganzes Weilchen. Dieser Muskel, erkannte er, kann bei gezieltem Training  nicht nur die Vagina in eine dieser bei Männern so hoch im Kurs befindlichen „engen Muschis“ verwandeln (und damit gegebenenfalls den Geschlechtsverkehr zu einem Kontaktsport erheben), sondern auch essenzielle Schrittmacherdienste auf dem Weg zum vaginalen Orgasmus leisten.

Klar, dass das ein politisches Thema ist. Der Planet Sex befindet sich schließlich seit Jahrzehnten auf einer exklusiven Umlaufbahn um die Klitoris. Das süße kleine Ding ist heute ein Symbol für weibliche Unabhängigkeit und kongeniales Selbstbewusstsein. Was soll also die Sache mit der muskulösen Vagina?

Und überhaupt – will da jemand andeuten, dass die Vagina zu geräumig sein kann? Derlei unvorsichtige Ansätze kommen selten ohne die postwendende Replik „ist es nicht meistens so, dass der Penis zu klein ist?“ daher. Genau das schnaubte die launige ORF-Dame Nora Frey seinerzeit Richtung Stifter.

Natürlich ein Missverständnis, was sonst. Es geht nicht um richtige oder falsche Dimensionen. Herr Stifter bot lediglich ein Training an, das die Vagina zu einem potenteren sexuellen Kommunikator erhöhen kann: Regungen des Pubococcygeus können vom Mann empfangen werden.

Es ist wie beim Schifahren, Ms Frey. Die einen bleiben ein Leben lang beim Schneepflug. Die anderen lernen wedeln. Warum? Weil sie können.

Stifter hielt es dennoch für angebracht, gewissenhaften Vaginalsexern eine Belohnung in Aussicht zu stellen. Zu diesem Zwecke musste er natürlich den G-Punkt (respektive die vier Punkte) entstauben.

Hier die Methode: Frau trainiert den Pubococcygeus – eine superfite Vagina kann nun den Penis hautnah umschließen. Durch die maximale Reibung wird auch der G-Punkt belästigt, welcher dann sozusagen aufgebracht eine satte Ejakulation triggert. Wir sprechen hier von Ladungen bis zu einem Viertelliter, Madam! (Info: Unsere Kolumnistin Renee Pornero hat beschrieben, wie sie „Squirting“ lernte).

Tim Möller-Kaya

Die Frage ist: Wo kommt diese nasse Bescherung her? Laut Stifter von der weiblichen Prostata, die da irgendwie verkümmert und bislang ignoriert im Gewebe über dem G-Punkt kauert.

Darüber wird allerdings weiterhin diskutiert. Das weibliche Ejakulat lässt sich zwar mit der von der männlichen Prostata erzeugten Flüssigkeit vergleichen. Aber wenn das Organ existiert, dann muss es auch erkranken können. Kennt jemand eine Frau mit Prostatakrebs? (Und wenn ja, bedeutet das auch, dass Männer mit Manboobs an Brustkrebs erkranken können?)

Bekanntlich blieb Stifter nicht nur in der Theorie verhaftet, er hat für die „untrainierte“ Vagina auch ein Fitnessgerät namens „C.O.M.E.“ (Clinical Orgasm Muscle Exerciser) entwickelt. Dieses einem „Buttplug“ nicht unähnliche Ding sollte der Besitzerin der Vagina verraten, ob der von ihr bemühte Muskel auch tatsächlich der Pubococcygeus ist.

Ich persönlich nehme die Entdeckung der weiblichen Prostata mit einer Prise Salz. Weil es Dinge gibt, deren Entdeckung sich nicht notwendiger Weise lohnt. Mit der Prostata ist es so eine Sache. Kaum bist du dir ihrer Existenz bewusst (mit fortschreitendem Alter unvermeidlich), weißt du auch, wie anfällig das verdammte Ding ist.

Insbesondere lebenslang enthusiastische Sexer können mit Troubles rechnen. Wissenschaftler des schwedischen Karolinska-Institutes in Stockholm haben einen Zusammenhang zwischen kranker Prostata und „Jugendsünden“ nachgewiesen. Im Klartext: Wer die 60er und 70er Jahre mit gewissenhaftem Vögeln verbrachte, darf sich über eine marode Prostata nicht wundern.

Promisker Lifestyle, so die Schweden, vermindert die Resistenz der Prostata gegenüber dem Human Papilloma Virus (HPV). Eine entsprechende Infektion – die du erst nach Jahrzehnten mitkriegst – kann eine Kettenreaktion genetischer Mutationen in Gang setzen. Deren Beschreibung ich hier besser unterlasse. Und stattdessen empfehle, die Karte mit dem Kreuz an der mutmaßlichen Prostata-Location zu verbrennen. Denn auf eines ist ohnehin Verlass: Sex war immer gefährlich. Das wird sich nicht ändern.

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