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Pop News: Eminem am Ende. Little Axe auf Tour. Und ein Link in alte Zeiten.

Von | 10.04.2009, 8:00 | 2 Kommentare

Einmal war ich wegen Eminem in Barcelona. Nicht, um ihn zu interviewen, nein, um mir seinen Kinofilm „8 Mile“ anzusehen, und danach nur so zum Mitnehmen auch die MTV European Music Awards zu besuchen. Das war im November 2002. Eminem war damals der Größte seiner Zunft. Er war der beste Texter dieser Tage, der beste […]

Das alte Lied: Eminem verkleidet sich. Foto: Screenshot aus dem Video "We Made You"Einmal war ich wegen Eminem in Barcelona. Nicht, um ihn zu interviewen, nein, um mir seinen Kinofilm „8 Mile“ anzusehen, und danach nur so zum Mitnehmen auch die MTV European Music Awards zu besuchen. Das war im November 2002. Eminem war damals der Größte seiner Zunft. Er war der beste Texter dieser Tage, der beste Rapper, der beste Geschichtenerzähler. Und vor allem hatte er selbst so viel Geschichte, dass nicht einmal sein Kinodebüt peinlich war. Im Gegenteil, der Film von Curtis Hanson, eine Saturday Night Fever-Geschichte vom ungeliebten Kind, das sich nach oben kämpft, war richtig gut. Schöne Story, solide Darsteller und das grandios verwitterte Detroit als Kulisse.
In den vergangenen Jahren ist es dann ein wenig still um Eminem geworden. Er habe sich zurückgezogen und wolle nur mehr produzieren, hieß es. Er sei seines Starruhms überdrüssig. Und eine Greatest Hits-Compilation kam auch auf den Markt, was solche Ankündigungen ja gerne bestätigt. Tot, aus, vergessen.
Nun weiß der kundige Surfer schon seit Monaten, dass Eminem demnächst mit dem Album „Relapse“ wiederkehren wird. Allein, die Vorfreude mag sich weder persönlich noch in den einschlägigen Foren einstellen. Eminem, das sagt einem das Gefühl, hatte seine Zeit. Er brachte sie besser auf den Punkt wie alle anderen, und das war’s auch schon. Und wer „Relapse“ – oder auch nur die erste Single „We Made You“ (hier zu sehen) – hört, wird darin leider auch bestätigt. Es ist nur der Schmarrn, der seinen Witz über die Jahre eingebüßt hat: also massenhaft Hiebe für die angloamerikanische Celebrity-Kultur, die auch ohne Eminems Hinweise mit dem Vorschlaghammer schon Karikatur genug ist. Das, was er am besten kann – seine eigene Geschichte dramatisieren – lässt er außen vor. Und nur das hätte heute noch an ihm interessiert.

Da schon lieber echte Legenden: Dieser Tage gibt die famose Band Little Axe Konzerte in Österreich (zwei waren schon, eines ist heute in der Generalmusikdirektion in Graz, und eines morgen im Wiener Reigen). Little Axe (eigentlich ja keine Band, sondern der Künstlername des Chefs) gibt’s seit irgendwann Anfang der 90er-Jahre. Sie spielen verrauchten Blues und heizen ihn mit Ambient und Dub-Elementen auf. Das klingt nur so lange absurd, bis man die handelnden Personen kennt: Kopf der Truppe ist der Gitarrist Skip McDonald, ein Urgestein mit Jazz- und Gospel-Sozialisierung. Am Bass ist Doug Wimbish, einer seiner langjährigen Weggefährten. Mit ihm gemeinsam war er Ende der 70er-Jahre in New York zur richtigen Zeit am richtigen Ort und daher für den Groove der ersten Rap-Hits verantwortlich (zum Beispiel auf Grandmaster Flashs „The Message“). Später waren die beiden dann mit dem Drummer Keith LeBlanc in London und dem Produzenten Adrian Sherwood die unglaubliche Band Tackhead, aber das führt dann doch ein bisschen zu weit ins Namedropping-Nirvana … Die drei jedenfalls stehen gemeinsam auf der Bühne. Pflichttermin also. Und eine sichere Bank für gepflegte Abendunterhaltung. Video dazu gibt’s keines, denn das Material auf Youtube ist leider sehr dürftig.

Und zum Abschluss noch eine Frage: Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, als Musik in Form ganzer Alben konsumiert wurde und nicht bloß als einzelne Songs im Shuffle-Modus? Also an die Zeit, als Musik noch auf physischen Tonträgern unters Volk gebracht wurde? Ja, liebe Kinder, die gab es. Und damals verwendeten mache Künstler sehr viele Energie daran, ihre Liedern mit einem Spannungsbogen zu verbinden, der nicht auf den singulären Knaller abzielte. Die Kollegen von avclub.com haben 25 davon für die Nachwelt ausgewählt: „Turn off the shuffle: 25 great albums that work best when listened to from start to finish“

2 Kommentare »

  • nerd sagt:

    dass eminem am ende ist, kann ich nicht ganz teilen. die single spielt inhaltlich wie auch visuell via video mit einigen neuen und älteren pulp-motiven, die zu karikieren eminem schon anno 2000/2001 meisterhaft im stande war. eine „wiederkehr“ nach so langer zeit unhinterfragt niederzuschreiben finde ich eher letztklassig, mit etwas recherche hätte sich herausfinden lassen können, dass er in der zwischenzeit tatsächlich ordentlich produziert hat. was das album bringt, wird man hören, was bisher davon im internet kursiert klingt um nichts weniger gut oder schlecht als das, was man bisher von ihm als rapper kannte. dieses motto: früher war der ganze musikmarkt sowieso viel besser, aufgeschönt mit der obligatorischen legitimitätsforme „natürlich gabs immer auch ein bisserl müll“ finde ich wirklich zu billig.

  • truetigger sagt:

    Zu Eminem: Es gibt soviel Mist, der sich nach wie vor verkauft, da fällt sicher auch n bisserl Geld für einen ehemaligen Hero ab – man muss es ja nicht kaufen. Und er ist nicht der erste Künstler, der früher irgendwie besser war. Denn wir selbst ändern uns ja auch. Ich kann mich noch an das legendäre Sylt-Abschlusskonzert der Ärzte erinnern, 1988 (als Ostdeutscher war ich leider nicht dabei, aber es war dennoch der gefühlte Abschluss einer Epoche) – auf dem Höhepunkt der Karriere aufhören, das hatte Stil. Und obwohl sie später wieder gute Musik machten, war es einfach nicht mehr das gleiche, weil man selbst kein Teen mehr ist: alles vor 88 kann ich noch jetzt textsicher mitsingen, alles nach 93 plätscherte nur noch an mir vorbei.

    Die Alben: wer erinnert sich nicht gern, dass man LPs noch nach der Hälfte umdrehen musste, dass man am Plattenspieler eh nicht herumfummelte, sondern die Platte wirken liess, am liebsten mit dicken Kopfhörern auf dem Teppich sitzend. Michael Jacksons Thriller, aber auch längst Vergessenes wie „Diamond Life“ von Sade oder die Beatles-Platte, die man zu einem überzogenen Preis in Tschechien im Urlaub erstand und auf die man wahnsinnig stolz war. Und bei Scheiben, die sehr gut von vorn bis hinten durchliefen und bei denen Shuffle alles kaputt machen würd, fallen mir Alannah Myles‘ Debüt-Album (ich glaub das war Anfang der 90er) und Horrorshow der Toten Hosen ein.

    Aber man sollte auch so ehrlich sein und zugeben, dass auch früher teils miese Lückenfüller in die Alben gepresst wurden – Songs, die es mit Recht nicht mehr in die persönlichen Playlisten des MP3-Zeitalters geschafft haben. Es gab einfach schon damals auch viel Müll im Musikgeschäft :)

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