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Manfred SaxSex für Fortgeschrittene 42. Bukkake oder: das Perlenspiel

Von | 03.11.2011, 16:17 | 3 Kommentare

Sex aus Japan, Teil 3: Bukkake meinte ursprünglich „Gesicht mit Wasser benetzen“. Das mit dem Wasser sollte man heute nicht wörtlich nehmen.

Geisha mit Taschentuch by Okinawa soba, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Beginnen wir mit der Basis-Ingredienz. Dem Samen. Bis vor wenigen Dekaden wussten wir darüber gerade, dass ein durchschnittliches männliches Ejakulat bis zu fünf Milliliter Samenflüssigkeit bewegt, in der bis zu 300 Millionen Spermien zappeln, von denen nur eines mit dem Ei des Weibes verschmelzen muss, damit daraus Nachwuchs wird.

Dank einer neuen Studie wissen wir auch, dass die durchschnittliche „Ladung“ eines Ejakulats heute auf 15 Millionen Spermien pro Milliliter Samen geschrumpft ist und diese „Leistung“ des Mannes ab dem 41. Lebensjahr radikal abnimmt. Aber das ist die Ausnahme.

Interessanter Weise erreichen uns neue Erkenntnisse zum Thema Sperma seltener via Forschung über Fruchtbarkeit. Sie kommen im Zuge der Popularisierung diverser sexueller Vorlieben. Seit zum Beispiel die Spielerei des Amerikaners Bill Clinton mit einer Bürohilfe den weltweiten Siegeszug des Blowjobs einleitete, wissen wir auch, dass Sperma nahrhaft ist (sieben Kalorien pro Teelöffel) und sein Geschmack von den Essgewohnheiten beeinflusst wird. Spargel, Huhn, Zwiebel und Knoblauch tragen nicht zur Freude der edlen BJ-Spenderin bei, Naschereien wie Pflaumen, Mangos, Apfelsaft und Petersilie erhöhen das Sperma nahezu zur Delikatesse.

In jüngerer Vergangenheit wurde unser Wissen beträchtlich verfeinert. Mineralien wie Zink und die Aminosäure L-Arginin beugen nicht nur bei Prostata-Problemen vor, sie beschleunigen auch die Sperma-Produktion. Dasselbe gilt für Tomaten – dem besten, was man im Sinne eines stattlichen Ejakulats verzehren kann.

Diese Angaben kommen übrigens nicht von einem aktuellen Sex-Almanach, sondern von einer erstaunlich imformativen Webseite über Bukkake und wer nun logisch folgert, dass es sich dabei um eine moderne Sexpraktik handelt, bei der die Menge und der stolze Flug des ausgestoßenen Ejakulats eine wichtige Rolle spielen, liegt genau richtig. Richtig auch, dass die Popularität von Bukkake derzeit verblüffend wächst. Nicht auszuschließen, dass in einer Swingerhütte in Ihrer Nähe gerade eine Bukkake-Nacht am Programm steht.

Das soll jetzt nicht heißen, dass so eine Erfahrung vorbehaltlos zu empfehlen ist. Tatsächlich ist Bukkake nichts für allzu empfindsame Gemüter.

Das Wort zur Praktik kommt aus dem Japanischen (ad hoc: zu Sapiosex mit Geisha und Japan-Bondage auf die roten Worte klicken). Das Zeitwort „bukkakeru“ meint das Benetzen eines Gesichtes mit Wasser, Bukkake referiert eine Frau, vor der eine undefinierte Anzahl von Männern masturbieren, um dann ihr Gesicht mit einer zielsicheren Ladung des Lebenssaftes zu grundieren. Nicht jedermanns Sache, aber seltsam populär.

Eingefleischte Bukkakenistas verweisen heute stolz auf ihre Lieblingstechnik, die Details kommen wie Szenen aus einem schrägen Schönheitssalon daher. Einzelgänger bauen auf den „Single Shot“ (ein Mann, eine Frau), Zielfixierte bemühen den „Lidschatten“ (Vorsicht, Madam: Sperma kann das Auge ätzen), Gruppen pflegen den „Conditioner“ (eine Haarpackung, dezent angedeutet im Film „There´s Something About Mary“, siehe Video unten). Besonderer Beliebtheit erfreut sich der „Nasenspray“ und warum nicht? Es gibt Leute, die jagen sich ganz andere Sachen durch die Nase.

Foto: When Bukkake Goes Bad by Robbie G1, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Bukkake wurde Mitte der 1980er Jahre von japanischen Pornoproduzenten entwickelt. Als Notlösung. Prä-Internet war das Zeigen von Genitalien verboten, das weibliche Gesicht wurde in den Fokus gerückt.

Dass die Praktik auch im Westen so schnell populär wurde, hat mit dem Prestige des „Cumshots“ zu tun. Das filmische Erfassen des ausgestoßenen Ejakulats ist die finale Signatur jeder Hardcore-Szene, ohne die kein Porno komplett ist. Und bei Bukkake ist der Cumshot das Ein und Alles.

Für sexuelle Normalos ist es nicht wirklich leicht, angesichts masturbierender Männer und entsprechend genässter Frauengesichter eine ungetrübt stimulierte Erfahrung zu verbuchen. Es ist nicht leicht, der Empfängerin eine positive Erhöhung zu konzedieren.

Tatsächlich musst du in die vorchristliche Geschichte abdriften, um entsprechenden Input zu finden. Ich fand nur einen. Laut dem wunderbaren Buch „The Intimate History of the Orgasm“ genoss der Pharao im alten Ägypten das Privileg, am Ufer des Nils (Urmutter des Landes) zu masturbieren und in den Fluss zu ejakulieren – dessen Wasser dann wie auf Befehl aus den Ufern trat und und das umliegende Land fruchtbar machte. Ein Beweis für die magische Lendenkraft des Pharaos (der den Zauber allerdings nicht dem Zufall überließ, sondern von Kundschaftern zuvor informiert worden war, wann die alljährliche Überschwemmung im Anmarsch war).

In den Memoiren von Moses hatte dann das „Verschwenden“ des Samens (also jedem andere Zweck als der Befruchtung dienend) wie alles aus Ägypten Kommende eine üble Nachrede, siehe die Story von Onan, der sich geweigert hatte, die Witwe seines verblichenen Bruders zu befruchten und von Gott daher gezwungen wurde, unehrenhaft ins Gras zu beißen.

Auch heute wird man beim Betrachten von US-Bukkake (Basis: eine Nymphomanin) oder Euro-Bukkake (Basis: ein Gangbang) sinnlich kaum fündig. Wer ohne ein Minimum an Eros nicht kann, landet im Bukkake-Genre früher oder später beim Erfinder. Was – wie auch HIER angedeutet – mit dem erstaunlichen Vokabular der Japanerin beim Ausdrücken von Submissivität zu tun hat. Und mit einer historischen Referenz.

Der japanischen Porno-Theorie zu Folge wurden Ehebrecherinnen auf diese Weise öffentlich gedemütigt: Sie nahm es von einem anderen, nun soll sie es von allen anderen nehmen. Nicht gerade politisch korrekt, aber unterleibs-dynamisch.

Sexuell gesehen ist Rache nicht unbedingt süß. Sie kann auch penetrant nach Sperma schmecken.

Video:  Cameron Diaz – ist das ein Haar-gel?

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