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Florence & The Machine: Ist ja nur Mode, ist ja nur egal

Von | 28.10.2011, 8:05 | 3 Kommentare

Wer das neue Album dieser Band noch ungestört genießen möchte, sollte es jetzt tun. Denn bald quälen ihre Songs in Heavy Rotation – und garantiert in Hörweite.

Wenn dich Karl Lagerfeld fotografiert, hast du’s geschafft. Einerseits. Andererseits ist es gut möglich, dass du nur die im Moment schönste Sau bist, die durchs Dorf getrieben wird. So wie von einst Beth Ditto oder Amy Winehouse, wahrscheinlich waren es noch mehr, aber das ist hier nebensächlich.

Florence Welch wurde jedenfalls auch von Karl Lagerfeld fotografiert. Nicht überraschend eigentlich, denn seit sie mit ihrer Band Florence & The Machine vor zwei Jahren in England und mit dem Album „Lungs“ weltberühmt wurde, gilt sie ohnehin als gut geeignet für großflächige Fotos in Modemagazinen. Da heute das neue Album „Ceremonials“ erscheint, ist auch davon auszugehen, dass sie demnächst in Mädchenblättern „nachgestylt“ wird. Miss Welch wird’s überleben, die Leserinnen der Mädchenblätter werden es überleben, und es ist ohnehin nicht damit zu rechnen, dass eine attraktive 25jährige, die wenig Sonne an ihre Haut lässt und züchtige Kleider Marke frühes 20. Jahrhundert trägt, etwas gegen die Übermacht von Ballerinas und engen Hosen etwas ausrichten kann.

Ist ja nur Mode. Ist ja nur wurscht.

Reden wir lieber über „Ceremonials“, das nach reichlich Vorab-Gedöns heute endlich erschienene neue Werk ihrer Band. Das ist verdammt laut in all seinem sakralen Pomp und mit den ganzen Streichern, Harfen und Engelschören. Das muss man mögen.

Kate Bush – du meine Güte!

Vor allem, wenn einem dann auch noch die schlüssige Bemerkung unterbreitet wird, es handle sich hier um eine „etwas lautere Kate Bush“. Ich habe ja ein Problem mit Kate Bush. Das hat mit MTV zu tun. Als der Sender vor mehr als zwei Jahrzehnten endlich auch aus den Kabelanschlüssen das Alpenvorlands floss, lief dort in der Sendung „Greatest Hits“ (moderiert von one and only Paul King) einmal zu oft das Video zu „Don’t Give Up“. Da freust du dich, endlich Lizzy Engstler und ihrem Wurlitzer entkommen zu sein, und dann musst du täglich damit rechnen, dass Peter Gabriel und Kate Bush einander minutenlang umarmen – da gibst du es irgendwann auf, die beiden mögen zu wollen.

Und wenn wir schon bei den Assoziationen sind: Mir fällt bei Florence Welch ohnehin eher Annie Lennox ein, der dieser Tage in London eine Ausstellung gewidmet ist. Wie Miss Welch war Lennox eine durch und durch maskierte Frau, die ihre Oberflächlichkeit gekonnt zur neuen Authentizität erklärt hatte. Alles an ihren Masken war Übertreibung, alles an ihr war Dekadenz. Und all diese Ansätze finden sich auch in den Chorälen von Florence & The Machine wieder, allerdings in Richtung zeitgemäßen Weltschmerzes adaptiert.

Die Musik mag dabei vielleicht ein wenig ins Hintertreffen geraten, aber dafür kann man zu diesen Liedern im Breitwand-Kitsch gut „Herr der Ringe“ lesen. Wobei: Das gibt’s ja auch längst als Film. Insofern machen Florence & The Machine eh alles richtig. Hören wir uns die Sache also noch einmal ungestört an, ehe sie uns die Heavy Rotation im Formatradio so vermiest wie mir damals Kate Bush.

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