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SexScience. 6 Mythen über Sex & Geschlecht – geplatzt

Von | 27.10.2011, 20:11 | 3 Kommentare

Sind Frauen wählerischer, Männer mehr promisk? Brauchen Frauen Liebe, Männer nur Gelegenheit? Es gibt Mythen, die halten den Findungen nicht mehr stand. 6 Beispiele.

Romanos Due Amanti (Two Lovers) by zugaldia, Lizenz: CC BY 2.0

Vergiss den Schmarrn mit Mars und Venus, du weißt, von wegen Männer wollen nur Sex, während Frauen in Gedanken ganz bei Diamanten sind und Soweiter. Derlei Ansagen sind ebenso alt wie beharrlich, aber das Interessante ist: Kaum beschäftigt sich die Wissenschaft näher damit, verwischt sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Fand ein Psychologen-Team der Uni Michigan. Folgend sechs der beharrlichsten Mythen – und deren Relativierung.

*Frauen wollen Status, Männer wollen Titten. Es kommt auf die Prioritäten an und konventionelle Weisheit will es, dass für Frauen zählt, wie gut situiert der Mann ist, während ihn zunächst interessiert, wie attraktiv sie ist.

Falsch, meint Psychologin Terri Conley (Uni Michigan) nach Analyse einer Studie über Speed-Dating im Journal Current Directions in Psychological Science.

Wahr ist vielmehr, dass geschlechtliche Unterschiede bei den Prioritäten verschwinden, sobald aus der Theorie Praxis wird. Status und Attraktivität sind für beide Geschlechter von ähnlicher Bedeutung, sobald ein(e) Dating-partnerIn in Betracht gezogen wird.

*Männer sind promisker als Frauen. Richtig ist: Wenn du Männer und Frauen fragst, wie viele SexpartnerInnen sie in ihrem Leben haben wollen, antworten Männer mit einer höheren Zahl. Wenn du aber die Daten mit Medianen an Stelle von Durchschnittswerten der Gesamtstatistik filterst, tritt zu Tage, dass der Satz nur für eine verschwindend geringe Anzahl von Männern gilt. Für die Mehrheit stimmt eine überraschende Tatsache, verrät Conley: „Die Mehrheit der Männer und Frauen haben eine idente Vorstellung von der bevorzugten Anzahl ihrer SexpartnerInnen – nämlich eine(n).“

*Männer denken öfter an Sex als Frauen. Das ist weiterhin richtig, allerdings auch relativ: Männer denken außerdem öfter an Essen und Schlafen. Hat laut Conley damit zu tun, dass Männer habituell an die eigenen Bedürfnisse denken, während Frauen dazu sozialisiert wurden, an die Bedürfnisse anderer zu denken.

*Frauen haben weniger sexuelle Höhepunkte. Das ist zwar seit Kinsey eine Tatsache, über die quasi die Eisenbahn fährt. Neuere Studien legen dennoch auch hier Relativität nahe. Conley: „Beim ersten Mal mit einem neuen Partner orgasmiert nur eine von drei Frauen. Nach wiederholten Malen mit demselben Partner verbessert sich die Quote auf 49%, also eine von zwei Frauen. Und diese ‚Orgasmus-Kluft’ wird im Laufe einer Langzeitbeziehung immer enger, vier von fünf Frauen haben dann keine Probleme mit dem Höhepunkt.“

*Männer wollen eine Nummer, Frauen wollen Liebe. In einer (in Uni-Kreisen) berühmten Studie näherten sich Männer und Frauen an (unwissende) „Test“-Personen und boten schnellen Sex. Alle Frauen lehnten ab, 70% der Männer akzeptierten. Das legt zwar nahe, dass hier beim Mann sowas wie eine biologische Disposition durchkommt.

Die Wahrheit ist dennoch komplizierter. In späteren, vergleichbaren Tests wurden auch geschlechts-idente Ergebnisse erzielt: Wenn Frauen den Verdacht hatten, es mit einem guten Liebhaber zu tun zu haben, akzeptierten sie das Angebot ebenso bereitwillig wie Männer. Fazit: Frauen lehnen im allgemeinen deswegen eine schnelle Nummer mit Unbekannt ab, weil sie erfahrungsgemäß enttäuschend ausfällt. Ergänzt Conley: „Aber auch ‚Slut-shaming’ (= für eine Schlampe gehalten zu werden, Anm.) spielt hier eine Rolle.“

*Frauen sind wählerisch, Männer bumsen alles was sich bewegt. Hat laut Conley mit kultureller Geschlechtsdynamik zu tun: Weil sich traditionell der Mann einer Frau nähert, gerät letztere in die Lage, wählerisch zu sein. Nach Versuchen mit Speed-Dating-Szenarios fühlt die Psychologin sich allerdings bemüßigt, diesbezüglich abzurunden: „Wenn Frauen initiativ wurden, wurden plötzlich die Männer wählerisch.“

Also: Die sexuellen Vorurteile und Mythen in der Gesellschaft sind wenig mehr als die Relikte unserer evolutionären Vergangenheit. Und: Die Zeiten sind nicht mehr, wie sie waren.

Quelle: Women, Men & the Bedroom. Insights that Narrow, Reframe & Eliminate Gender Differences in Sexuality.

 

3 Kommentare »

  • Saxo Lady sagt:

    ad: *Frauen haben weniger sexuelle Höhepunkte.

    dieser satz ist bemerkenswert. die meisten männer haben bei einem beischlaf einen höhepunkt (jaja, ich weiß eh, können täten sie mindesten 6x…)
    frauen (ich rede jetzt von denen, die ich kenne, möglicherweise keine besonders querschnittige gruppe, aber was weiß ich schon) und hab die erfahrung gemacht, bei einem beischlaf unter 3 höhepunkte …eher selten.
    wie soll sich das dann ausgehen?
    hm

    • Manfred Sax sagt:

      Et tu, saxo? Ja, bei den Frauen, die ich kenne, ist das auch so. Mir persönlich wär das ja zuviel, ich halte genau einen Orgasmus für genau perfekt und alles, was darüber hinaus geht, stell ich mir eher schmerzhaft vor. Aber Liberté rules – ich hol mir das meine, sie möge sich das ihre holen …

  • SexScience. 6 Mythen über Sex & Geschlecht – zerplatzt. http://t.co/sY3vxPDE Sind Frauen wählerischer, Männer mehr promisk? #allesBollocks

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