Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber

Sie sind hier: Home » Sexklinik » Sex für Fortgeschrittene 40. Petit Malheur
Share

Sex für Fortgeschrittene 40. Petit Malheur

Von | 20.10.2011, 14:01 | 3 Kommentare

Sie kann revolutionär sein: Eine diskrete Untertreibung im weiblichen Körperbau kann zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frau und Mann führen.

 

Auster, offen by Doug Du Cap, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Wir leben revolutionäre Zeiten, so ist das, wenn Krise ist, die Sehnsucht nach Veränderung liegt gleich nebenan. ZiB21-Autor Alexander Görlach schrieb auf diesem Portal einmal, dass „Veränderung nur mittels eines Marsches durch die Institutionen“ möglich sei.  Dazu kann man stehen, wie man will – sexuell gesehen hat er nicht  unrecht.  Man muss nur verstehen, ihre Vagina – seine „Endstation Sehnsucht“ – als Institution zu begreifen. Als eine Art Kirche. Ist sie auch, für einen gläubigen Kirchgänger wie mich. Und so ein Marsch muss die Sehnsucht nicht immer stillen, er  kann unter Umständen auch zu Konsequenzen führen, die nach Veränderung schreien. Hinweis der Geschichte.

Aus der Abteilung der kleinen Ereignisse, die oft imposante Schatten werfen: Laut einer Biografie der Französin Simone Bertieré über Marie-Antoinette verfügte die gebürtige Wienerin über ein erstaunlich winziges Ereignis. Nach Studium eines diplomatischen Briefverkehrs zwischen den französischen und österreichischen Monarchenhäusern schloss Autorin Bertieré, dass die 1793 unter die Guillotine geratene Königin diie Inhaberin einer „l´étroitesse du chemin“ – einer engen Vagina – war. Was nicht heißen soll, dass die unselige Marie-Antoinette deswegen hingerichtet wurde. Aber Bertieré zu Folge leistete das delikate kleine Ding einen beschleunigenden Beitrag zum Ausbruch der Französischen Revolution.

An sich sind ja kleine Muschis gern der Stoff, aus dem die unvergesslichen Erinnerungen des Stammtischmannes sind. Etwaige Beschwerden seinerseits werden häufiger über voluminösere Exemplare laut (!), die ihm weniger Reibung bescheren und letztlich in eine Panik treiben, die auch dem Ertrinkenden vertraut ist.

An dieser Stelle ist es wohl angebracht, auf ein weit verbreitetes Missverständnis hinzuweisen. Irgendwer hat einmal das kuriose Wort „Allwettermöse“ formuliert, gleich neben dem oberflächlichen Satz, dass eine Frau immer kann, wenn sie will. Er war mit dieser Ansicht in prominenter Gesellschaft. Auch Erica Jong huldigte in ihrem Bestseller „Angst vorm Fliegen“ (1974) diesem sagenhaft multitalentierten Organ, das sie als von der Biologie emanzipiert verstand (weil durch die Pille erlöst). Und selbst im leidigen  Tao der Liebe wird schöngefärbt, dass „das Weibchen eine einmalige Allwettermöse ihr eigen nennt. Weder Sturm noch Hagel noch das Dunkel der Nacht können ihr etwas anhaben.“ Fast poetisch. Nur halt falsch.

Somit zurück zur very Kleinen, die ist ein Sonderfall. Tatsächlich erwächst sich die „l´étroitesse du chemin“ nicht selten zu einem Herd, der ganz schön in die Krise führen kann (und was ist schon eine Krise, wenn nicht das Wartezimmer zur Revolution?). Zumeist per Kettenreaktion: Schon die Penetration kann zum kleinen Kunststück geraten und ist er mal in ihr, dann ist auch der Orgasmus nicht weit, nämlich der seinige. Sie dagegen hat außer allfälligen Schmerzen nicht selten nur die geheuchelte Freude.

Sowas kann eine Frau auf Dauer recht sauer machen.

Im Fall der tragischen Wienerin hatte die aristokratische Vorsehung noch eine zusätzliche Bescherung parat. Als das 15jährige Girl 1770 an die Hand des zukünftigen Franzosenkönigs Louis XVI nutzgeehelicht wurde, zeigte der ihr bald auch gleich mal seinen „bracquemart assez considerable“, also ein besonders prächtiges Stück, allein, bei so einer Zusammenkunft stimmt halt etwas nicht, naturally.

Über den Vollzug dieser Ehe ließ sich in den folgenden Jahren nur hofberichten, dass er nicht zu Stande kam. Die Schuld an der königlichen Nichtaffäre fiel in der Folge exklusiv in den Schoß des Bourbonen-Louis. Das besiegelte hier zu Lande 1932 der Antoinette-Biograf Stefan Zweig, der – gestützt auf dokumentierte Proteste seitens unserer Kaiserin – dem Franzosen peinliche Lendenschwäche in Folge einer Phimose (= Vorhautverengung) attestierte.

Man kann davon ausgehen, dass sich die diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Königshäusern gewaschen hatten.

Laut Autorin Bertieré lagen die Dinge aber weniger einseitig als angenommen. Demnach habe sich Österreichs eigens angereister Joseph II („zu viele Noten, Herr Mozart.“) sogar persönlich überzeugen können, dass von einer Erektionsschwäche des Bourbonen nicht die Rede sein konnte. Louis, besagte ein Dokument, habe sich „einer gut konditionierten Erektion erfreut und sein Glied eingeführt“, sich aber nach zwei Minuten „ohne Ejakulation zurück gezogen und seiner Gattin einen guten Abend gewünscht“. Man möge, soll Joseph II geflucht haben, diesen Louis doch auspeitschen „wie einen Esel, damit er sich im Zorn ergieße“.

Zwar gebar Marie-Antoinette ihrem Louis 1778 auf Verlangen von Joseph II nach etwas Hin und Her das erste von insgesamt vier Kindern. Dennoch soll Sex laut Bertieré für die Eheleute eine Sache gewesen sein, die sie lieber anderswo betrieben, Marie-Antoinette etwa mit einem schwedischen Militär namens Axel Fersen.

Fazit: Ihre eheliche Unlust, so die Autorin, habe den Gatten zur öffentlichen Lachfigur gestempelt und dessen ohnehin schwindende Autorität untergraben. Der Rest ist History …

3 Kommentare »

  • Saxo Lady sagt:

    könnte es nicht sein, liebster sax, dass die gepriesene eng-vagina das weibliche pendant zum übermächtig großen penis des mannes ist? das jungfräuliche, zarte, ewig widerstand leistende einerseits, der riesengroße, immer könnende, alles durchdringende andererseits.
    ich stell mir grad vor, wie diese beiden aneinander stoßen. ujegerl. es lebe die feine durchschnittlichkeit und die dazugehörige geschicklichkeit mit jedermanns/fraus teil.
    herzlichst

    • Manfred Sax sagt:

      Im zweiten Buch des Kamasutra heißt es: „Der Mann wird ein Hase, Bulle oder Hengst genannt, eine Frau dagegen ein Reh, eine Stute oder eine Elefantenkuh.“ Anzuraten sei, dass der Hengst nicht auf Dauer an ein Reh gerät, und auch der Hase wird mit der Elefantenkuh wenig Freude haben und vice versa (siehe o.a. „Panik, die auch dem Ertrinkenden vertraut ist“). Zu Deiner Frage, liebste saxo, ja, ich kann mit dem Bild des immer Könnenden ebesno wie mit der jungfräulich ewig Widerstand Leistenden, das „zart“ aber würde ich gegen „zäh“ tauschen. All the Best.

  • Sex für Fortgeschrittene 40. Petit Malheur. Die kleine Vagina in Zeiten der Revolution http://t.co/hhhtYCBX

ZiB21 sind: unsere Blogger