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Sex für Fortgeschrittene 39. Fessle Mich

Von | 06.10.2011, 18:22 | 6 Kommentare

… aber erdrossle mich nicht. Bondage-Technik hat ihre Untiefen.

Kinbaku by Nawashi Shadow, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ebi Sushi by ebarrera, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Die rosa schimmernden Dinger im Bild links werden im Japanischen „Ebi“ genannt, das sind also Shrimps und bekanntlich kommen sie in der Schale wesentlich gekrümmter daher als auf dem Foto ersichtlich.

Letzterer Hinweis ist hier wichtig, „Ebi“ ist nicht nur eine Meeresfrucht auf Reis, Ebi ist auch eine Befindlichkeit im Rahmen von „Kinbaku“ – einer Technik sexueller Bondage, die sich der „Schönheit des Festbindens“ widmet. „Ebi“ meint einen durch Fesselung erreichten Zustand, der einen bestimmten Körperteil des Objekts (tut leid, keine Subjekte hier) für „angenehmere Spielformen öffnet“, wie es im Handbuch heißt. Der Körperteil ist maximal entblößt, er ist ausgeliefert – und übermannt damit seltsam verblüffend den designierten Manipulateur, der die Fäden in der Hand zu haben glaubt.

Die Regeln im Kinbaku sind strikt, das Seil muss aus Jute sein, die Knoten speziell, der Geist von der „Bonsai“-Ästhetik inspiriert, bekanntlich schränkt der Bonsai-Gärtner die Bewegungsfreiheit seiner Bäumchen auf eine Weise ein, die der natürlichen Entfaltung der Pflanze zuwider läuft. Der Schöpfer ist nicht mehr Gott, das ist nun der Gärtner – und das Bäumchen ganz seinem Willen unterworfen.

Kinbaku ist im sexuellen Untergrund Japans seit dem 19. Jahrhundert populär, Kinbaku ist dort, wo Kunst und Sex einander treffen. Schmerz spielt eine Rolle, Asphyxia (Atemraub) kann Lust erhöhen, aber die Power kommt aus der Interaktion. Den Voyeur in mir beeindruckt das Unterwerfungs-Vokabular der Japanerin, der submissiven Haltung wird auf einem Niveau Ausdruck verliehen, das im Westen kaum andenkbar ist, seit einem Abend mit einer Geisha hab ich riesigen Respekt vor japanischer Sinnlichkeit.

Bondage by Araki, Lizenz: CC BY-NC-ND 3.0

Seit dem Transfer der Sexindustrie auf das Internet ist der Westen verstärkt mit japanischem Sex konfrontiert, in der westlichen BDSM-Szene steht fernöstliche Bondage hoch im Kurs, die Europa-Vernissagen des – auf Bondage spezialisierten – Fotokünstlers Araki (siehe Foto rechts) sind stets überrannt.

Allerdings läuft japanische Bondage im Westen meist unter „shibari“, das heißt lediglich „fesseln“, unterschlägt also die „Schönheit“ des Kinbaku.

Für einschlägig orientierte Japaner ist der Unterschied essenziell, Kinbaku erfordert neben höher entwickelter Ästhetik auch Herz, Fessler und Gefesselte sind einander – jenseits der geteilten Fesselfaszination – emotionell immens zugetan und während eines Akts permanent auf einander konzentriert, es geht um den Prozess, nicht um die finale Starre. Es ist Liebe, wenn auch anders als wir sie kennen.

 Shibari wiederum, im Westen gern damit gleichgesetzt, ist vergleichsweise kalt, Teilnehmer haben nicht notwendiger Weise Beziehung zu einander, das Fetischhafte dominiert. Und es ist beliebiger, sogar Nylonstricke werden mitunter verwendet.

Derlei Stochern in japanischen Details würde natürlich hier nie vorkommen, geschähe in der Westszene nicht hin und wieder ein einschlägiger Unfall. Berühmt ein Fall in Rom, wo sich ein 42jähriger Ingenieur wegen Mordverdachts gerichtlich verantworten musste.

Eine 24jährige Studentin war erdrosselt aufgefunden worden, die Ermittlungen ergaben, dass dies anlässlich einer „Shibari“-Session passierte. Vor Gericht leugnete der Ingenieur jegliche Tötungsabsicht, „Sie machte freiwillig mit, es war ein schrecklicher Unfall“, beteuerte er, und: „Wir waren besoffen.“  Anderslautende Zeugenschaft blieb aus, auch in römischen BDSM-Kreisen wurden keine Zweifel laut, in der Tat habe der Ingenieur einen Ruf als Experte, die Szene kennt ihn interessanter Weise unter dem Künstlernamen „Kinbaku“.

Seiu Ito (so heißt der japanische „Vater“ des Kinbaku) würde sich bei letzterer Info vermutlich im Grab umdrehen. Obwohl von der Tragödie nur die gerichtlichen Aussagen an die Öffentlichkeit gelangten, ist daraus vieles ersichtlich, das nicht „kinbaku“ ist. Volltrunkenheit, zum Beispiel, ist nicht kinbaku, der Tiefgang der Interaktion kann bezweifelt werden, seine Wachheit fürs Tun war ganz offenbar im Eimer. Dann war da noch der Umstand, dass der Ingenieur  kein Japaner war, das ist Gaijin, das kann nicht kinbaku sein. Es gibt Gedanken – und Gefühlswelten, die bleiben dem Westen für immer fremd, das wird auch das Schmücken mit einem japanischen Spitznamen nicht ändern. Das macht nur transparent, dass hier einer ist, der gern mit dem Feuer spielt.

Womit wir zum Video „Shibari“ des Regisseurs Caesar Pink umschalten, der eine Fesselkünstlerin bei der Demonstration ihres Könnens filmte. Enjoy!

6 Kommentare »

  • Tatoo sagt:

    Sorry, aber ein wenig wahrheit wäre schön gewesen

    die hälfte der behauptungen zu shibari und kinbaku halten nicht mal ohne nachdenken stand

    versuch doch mal eine shibari technik mit nylonstricken und dann schaust du wie lange das haltet, technisch einfach garnicht möglich

    pfui für eine so schlechte arbeit

    • Manfred Sax sagt:

      „versuch doch mal eine shibari technik mit nylonstricken und dann schaust du wie lange das haltet, technisch einfach garnicht möglich“ …..

      hm, sollten Sie sich nicht besser mit Modelleisenbahnen o.ä. vergnügen? Wär ich „The Other“, würde ich mir in Ihren Händen Sorgen machen. Yours, MS

      • Tatoo sagt:

        In dem fall lade ich dich gerne mal auf meine HP als information

        http://www.whip-lounge.com

        nylon kann nie die reibung aufbringen wie hanf oder jute und somit kann mit rein japanischer technik keine sichere fesselung zu stande kommen

        und „the other“ hat weder auf den Bühnen der venus, boundcon, nox noctis, fetisch ball, vip hall oder bei anderen gelegenheiten sich unwohl gefühlt oder schaden genommen

        das mit der modelleisenbahnen überlasse ich journalisten die haben da mehr zeit dafür

        • Manfred Sax sagt:

          Schon gut, Tatoo. Ich verzichte beim Zwinkern auf Emoticons, da kommt´s manchmal zu Missverständnissen. Mein Punkt war Priorität, die genießt nun mal (die Kommunikation mit und Beziehung zu) The Other. Der Rest (technische Details etc) folgen daraus. Sonst kann man auch bei der Post, Abteilung Pakete, anheuern, no? Ihr sax

  • Bardia sagt:

    Übermannt ist ein wunderbar trefflicher Ausdruck! Herr- und Frau Vorragend!

  • Sex für Fortgeschrittene: Fessle mich, aber erdrossle mich nicht. Japanische Bondage-Technik hat ihre Untiefen…. http://t.co/yus3oPAd

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