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Im Arsch Zuhause

Von | 25.09.2011, 19:01 | 11 Kommentare

Was hat es zu bedeuten, wenn Arschkr*****r, Arschf****r und Arschl****r das heimische „Kacksystem“ entlarven? Eine Analyse.

Foto: Erich Reismann

Ich weiß, es ist ein wenig wie mit den Autobussen, zuerst wartest du ewig auf einen, dann kommen gleichzeitig mehrere daher. Ja, die Video-Clips. Sie befruchten gerade das Netzwerk, die Sprechblasen sprießen wie die Schwammerl. War vergangene Woche beim hartnäckig dominierenden Thema nicht anders, wenn auch anders.

Kulisse des 8minütigen Clips war die Kehrseite, in allen erdenklichen Verknüpfungen. Ein „Arschficker“ war angetreten, um via Interaktion mit „Arschkriechern“ und einem „Arschloch“ das heimische „Kacksystem“ transparent zu machen, wie „K“ (mein FB-Guru) anal(!)ysierte.

Das „Arschloch“ war ein alter heimischer Journalist, dessen Stärke es mal war, „den Neger zu finden, der ein Telefon hat“ (soll er gesagt haben)  und der außerdem ein „Säufer, Faschist (&) Lulu“ ist. Dieser Negerfinder geriet also in ein Studio des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wie genau, darüber gehen die Infos nicht über den ;-)-Rahmen hinaus, er selbst ist überzeugt, er kam dazu „wie die Jungfrau zum Kind“.

In diesem Studio wurde eine Show eingespielt, in der es – glaube ich – darum geht, Menschen eine Chance zu geben, die sonst keine haben, darunter ein kamerascheuer Heurigenwirt (und „Schützling“ des Negerfinders), dessen chancenwerte Kunst es war, mittels Furzgeräuschen Motoren zu imitieren, und so gesehen macht ein Tandem aus „Arschloch“ und Furzer natürlich Sinn.

Allerdings war im Studio auch ein anderes „Arschloch“ präsent, ein „widerliches aus Berlin“, das kraft seines kreativen Outputs als Rapper auch als „Arschficker“ einen Namen hat.

Ich hab mir den „Arschficker“-Rap nachträglich gegeben, ich kannte ihn nicht, nämlich prinzipiell, für deutschen Rap gilt bei mir, was auch für französischen Pop gilt, beide sind gewissenhaft zu ignorieren. Das Liedchen ist auch wenig mehr als das Abkupfern eines Ansatzes der ersten Rap-Hardore-Welle (wo sich „Slut“ mit „up her butt“ reimt). Veraltete Provo-Masche, die keiner braucht.

Dieses Rapper-„Arschloch“ begann also im Studio am Küniglberg, sich am heimischen „Arschloch“ zu reiben und schaffte laut Guru K Erstaunliches. „Der widerliche Berliner Rapper entlarvt(e) in wenigen Sekunden das gesamte österreichische Kacksystem, dieses feige Beziehungsgeflecht unter Wichtigtuern“. Wie? Indem er dem heimischen „Arschloch“ nebst Furzer flüsterte, was er dachte („Ihr habt jetzt ganz krass meine Zeit verschwendet mit dieser arroganten Scheiße“). Allerhand.

Das war nicht alles. Was die Gemeinschaft, mit der ich virtuell lebe, anbelangt, widerfuhr diesem Rapper, der so gern dort haust, wo die Sonne nicht scheint, damit auch ein fabelhaftes Re-branding zur Lichtgestalt. Meinte ein Troll: „Ich kauf mir jetzt alle seine CDs und … verstecke sie vor meinen Kindern und Freunden.“ Warum? Weil er – aus welchen Gründen auch immer – „einen genialen Instinkt für die Schwächen der Österreicher“ hat und „Angstschwitzer“ verachtet, fand Guru K.

Nämlicher Instinkt wurde zusätzlich geschärft, weil neben dem Rapper auch noch drei andere ZeitgenossInnen saßen, ihres Zeichens laut Netzwerk zwei „Arschkriecher(Innen)“ und eine Tänzerin – die ihren Arsch mal für ein Männermagazin entblößt hatte (was mich ungeschaut total für sie einnimmt).

Die „ArschkriecherInnen“ entpuppten sich als solche, weil der eine, ein Zirkusdirektor, seinen Schiss vor dem journalistischen „Arschloch“ verbalisierte („Wiener Verhältnisse … Journalist … kann dich fertig machen“), um dann dem Motorfurzer, gemeinsam mit der anderen „Arschkriecherin“ (einer an sich großartigen Tiroler Sängerin), ein „Plus“ für dessen Kunststück zu geben. Was den Rapper zu weiterer Kritik animierte („Die hier ein Plus gedrückt haben, haben Angst vor deiner Zeitung“).

Die Tänzerin mit dem veröffentlichten nackten Arsch wiederum spendierte gemeinsam mit dem Berliner Rapper ein „Minus“, und das Dumme daran war, dass sie eine Russin ist. Und so hatten sich also ein Deutscher und eine Russin gegen, zwei ÖsInnen aber für einen Kunstfurzer und seinen Journalistenhaberer (vor dessen Kleinformat sie mutmaßlich Schiss hatten) ausgesprochen. Womit sich die schreckliche Show für viele in „eine ganz große Geschichte (verwandelt hatte). Sie führt das Land vor.“

Ich muss zugeben, ich kann schwer damit. Es stimmt, dass das Rapper-„Arschloch“ intelligent und richtig und eigentlich sympathisch rüber kam. Aber ich kann nicht damit, dass ein „Arschficker“ und ein „Arschloch“ und ein paar „ArschkriecherInnen“ hier „große Geschichte“ gemacht haben. Insbesondere ist es mir leid um den Arsch an sich, den Körperteil, der wird mit der Story doch gnadenlos durch den Dreck gezogen, no? Immerhin war er mal unser oberster erotischer Signalgeber, ehe ihm die Rolle anno aufrechter Gang durch den oberweiten Horizont streitig gemacht wurde. Und das ist noch lange nicht alles …

Aber gut, vielleicht geht es in Wahrheit tatsächlich darum, die ganze Kacke, die sich in Österreich offenbar noch immer staut, endlich mal zu entsorgen. Heimadresse bis auf weiteres: im Arsch zuhause.

 

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