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Telekom-Affäre? Das waren doch die anderen!

Von | 29.08.2011, 11:03 | Kein Kommentar

Einer muss immer die Letztverantwortung übernehmen. Bei der fabelhaften Wenderegierung Wolfgang Schüssels scheint das allerdings nicht zu gelten.

"Offengelegt" – so hieß Wolfgang Schüssels politische Biografie. Guter Titel eigentlich.

Warum schweigt eigentlich Wolfgang Schüssel so beharrlich zur Telekom-Affäre? Ist er noch in den Ferien? Ist es ihm peinlich, welche Summen sich all die Gestalten gegenseitig in ihre Taschen gestopft haben sollen, die er an Macht und Amt gebracht hat? Muss er erst darüber nachdenken, ob ihm das peinlich ist? Ja, hat er denn überhaupt davon gewusst?

Zwar gilt auch für Schüssel keine Sippenhaftung, doch als Politiker (und damaliger Bundeskanzler) muss er sich höhere Maßstäbe gefallen lassen, an denen er historisch gemessen wird. Und auch wenn viele Herren von der ÖVP (etwa Klubobmann Karlheinz Kopf) geflissentlich betonen, dass die Telekom-Affäre in ihrer gesamten Tragweite selbstverständlich nichts mit der ÖVP und gar Wolfgang Schüssel zu tun habe – auch hier wird weiterhin mit sehr hohen Maßstäben gemessen werden.

Auch die ÖVP muss Verantwortung übernehmen

Und warum? Mit Recht, schließlich ist Schüssels Wenderegierung mit dem Versprechen angetreten, das Land besser zu machen – und viele aus dem Personal seiner Wenderegierung stehen nun unter Verdacht, dass sie es sich vor allem selbst gut gehen haben lassen.

Gehört das aufgeklärt? Selbstverständlich, doch die ÖVP kann sich mit einem Untersuchungs-Ausschuss zur Causa noch nicht recht anfreunden.

Über die Gründe dafür kann ich nur mutmaßen. Es gibt immer einen Verantwortlichen aus Fleisch und Blut. Das mag in einem katholischen Land wie Österreich zwar viele befremden, weil doch auch der Herrgott Böses und Katastrophen stiften kann, und dagegen lasse sich nun einmal nichts anderes machen als beten und beichten. Doch selbst wenn ein Verantwortlicher zu seiner Verantwortung kommt wie die Jungfrau zum Kind, kann er sie nicht wie bei der unter Schwarzblau systematisch betriebenen Korruption mit dem Argument von sich weisen, dass das bloß Einzeltaten der anderen waren.

Unfähig? Bewusst weggeschaut?

Die anderen waren Freunde, Kollegen und Partner. Die anderen können einander also nur unter zwei Bedingungen die Millionen zugesteckt haben: Entweder hat ihr Umfeld – und als Letztverantwortlicher des Regierungsteams auch Wolfgang Schüssel – tatsächlich nichts gemerkt, war also blind und unfähig. Oder alle haben großzügig weggesehen, um Schüssel und die ÖVP als Stifter der Wende in die Geschichtsbücher einzuschreiben. Beides lässt die Beteiligten in weniger vorteilhaftem Licht erscheinen als ihnen lieb sein kann. Und vor allem: Die anderen lachen wahrscheinlich noch immer.

Foto: Wolfgang Schüssel „Offengelegt“ (Ausschnitt Buchcover), erschienen bei Ecowin.

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