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Rohrerpost: Eine kritische Ermutigung

Von | 06.08.2011, 8:05 | 2 Kommentare

Durchgelesen: Warum Anneliese Rohrer das „Ende des Gehorsams“ fordert – Handlungsanleitungen für Österreichs Zivilgesellschaft an der Wegkreuzung.

Nachdenkliches für den Sommer

Mitten in den Sommer platzt ein politisches Buch, das vieles zusammenfasst,verdichtet und zuspitzt, was viele Kommentatoren, Beobachter und politisch Tätige immer wieder äußern. Die Journalistin und Wutbürgerstammtisch-Gastgeberin Anneliese Rohrer analysiert in „Ende des Gehorsams“ die Gründe für fehlende Protestkultur und Zivilcourage und gibt ihren Leserinnen und Lesern einiges an Handlungsanleitungen mit. Analog zum zutiefst humanistisch motivierten Stéphane Hessel, aber umfassender und verfassungspatriotisch listet sie ihre Gründe auf, warum Veränderung nötig ist.

Im Anfang wäre die Tat

Rohrer kritisiert ein weit verbreitetes Missverständnis, nämlich dass das Reden, Jammern, Beklagen eines Zustandes schon einer Aktivität dagegen gleichkommt. Ein bisschen jener Stimmung, die Martin Blumenaus nach wie vor lesenswerte Blog-Serie „2009 – Das Jahr in dem Österreich kippt“ prägt, schwingt in vielen Beschreibungen der Zustände in unserer Gesellschaft mit;  einige Formulierungen – etwa: „Sündenfälle werden aber in Österreich sehr rasch zu Präzendenzfällen“ (zum Budget 2011) – könnten sich auf Dauer etablieren.

Verfassung – real- oder was?

Die Analyse der Unterschiede zwischen geschriebener gültiger Verfassung und gelebter „Real“-Verfassung, die sie als „im Grunde einen permanenten Verstoß, eine andernde Mißachtung und Verhöhnung der geschriebenen Verfassung“ bezeichnet, ist überaus kritisch ausgefallen. Rohrer plädiert als alltagstaugliche Gegenmittel etwa für das Engagement im direkten Kontakt mit Politikern und im höchstpersönlichen Umfeld, die kluge Nutzung des Internet zur Mobilisierung und – nicht zuletzt – die aktive Mitarbeit in den „klassischen“ politischen Strukturen gegen alle Widerstände und Bedenken.

Veränderung: Wissen, wie’s geht

Mehrere Beispiele von persönlichen Begegnungen wie die Wiener „Aktion 21“ oder der Bewegung „Verwaltungsreform-jetzt“ über Motivation und Erfahrungen der Initiatoren sollen Mut machen, den Gehorsam abzulegen und aktiv zu werden. Denn Österreichs Zivilgesellschaft ist laut Rohrer an einer Wegkreuzung angelangt. „Wer heute in Distanz zum Politischen lebt, wird in Zeiten einer wirklichen Krise auch im Protest nichts mehr erreichen“, beklagt sie im Schlusskapitel „Gemütlichkeit“ und fordert vor allem die junge Generation zum Handeln auf.

Der Wutbürgerstammtisch tagt übrigens wieder am 12. September  im Cafe Landtmann.

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