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Friede, Freude, Fackellauf

Von | 08.05.2008, 11:31 | 2 Kommentare

Schon absurd: Jetzt, wo die Olympischen Spiele in China ausgerichtet werden, eines mit unseren Augen besehen sehr unsympathischen und autoritären Staates, dessen Umgang mit Tibet nur ein Bruchteil seiner Grauslichkeiten ist, wird wieder das alte Argument bemüht, dass die Spiele nicht der Politik, sondern den Sportlern gehören. Derartige Formulierungen ringen sich westliche Staatsoberhäupter ab, wenn […]

beijingSchon absurd: Jetzt, wo die Olympischen Spiele in China ausgerichtet werden, eines mit unseren Augen besehen sehr unsympathischen und autoritären Staates, dessen Umgang mit Tibet nur ein Bruchteil seiner Grauslichkeiten ist, wird wieder das alte Argument bemüht, dass die Spiele nicht der Politik, sondern den Sportlern gehören. Derartige Formulierungen ringen sich westliche Staatsoberhäupter ab, wenn sie dieser Tage zur Causa gefragte werde. Das sagte der Adidas-Manager Herbert Hainer (seine Firma stattet China und 15 weitere Nationen aus) im aktuellen Spiegel und knüpfte daran die Festellung, dass Demonstranten, die den Fackellauf stören, bloß ihre Meinungsfreiheit missbrauchen. Und Boykott, meine Güte, das wäre ja den Sportlern gegenüber wirklich unfair.
Interessant in diesem Zusammenhang wäre die Frage, was der chinesische Staatspräsident Hu Jintao von dieser Sicht der Dinge hält. Er würde sie wohl bejahen. Und er kann ja dabei auf gut abgehangene Argumente zurück greifen. Der Sport hat nämlich bitteschön nie der Politik gehört.
Nicht, wenn sich Österreichs Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka mit ÖFB-Präsident Friedrich Stickler im Vorfeld der EURO den päpstliche Segen holt.
Nicht, wenn wie weiland 1972 Karl Schranz vom Balkon des Kanzleramts rund hunderttausend Menschen zuwinkt, weil er wegen eines Regelverstoßes knapp vor Beginn der Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo ausgeschlossen worden ist.
Nicht, wenn wie während des Kalten Kriegs Sportler im Osten zu Superathleten hochgespritzt worden sind, um es den degenerierten imperialistischen Mächten im Westen zu zeigen – eine besonders gerne für Olympische Spiele angewandte Praxis.
Und natürlich war das auch nicht so, als der Afroamerikaner Jesse Owens bei den Olympischen Spielen in Berlin – übrigens der ersten Veranstaltung, der ein Fackellauf voran ging – vier Goldmedaillen gewann. Es muss wohl Zufall gewesen sein, dass dessen Siege in Nazi-Deutschland wenig später als willkommene und politisch gedeutete Symbole von amerikanischer Seite dienten.
Nein, Olympia gehört wie jede Veranstaltung dieser Art, die um viel Geld auf der ganzen Welt im Fernsehen übertragen wird, natürlich ganz allein dem sportlichen Wettkampf und den Sportlern. Diesen reinen Wesen, die sich aneinander messen und damit die Welt zu einem besseren Ort machen. Friede, Freude, Fackellauf – und sollte jemand anderer Meinung sein, dann hilft wohl wirklich nur der Schlagstock, um den richtigen Umgang mit der Meinungsfreiheit zu lehren.
Lassen wir uns diese Fakten doch wirklich am besten von Hu Jintao bestätigen. Wie sagte er vor einem Monat sinngemäß bei einem Treffen mit seinem Amtskollegen Mahinda Rajapakse: Durch die Unterstützung der Weltgemeinschaft sei China zuversichtlich, dass es alle Sabotageakte zurückdrängen und so erfolgreiche Olympische Spiele veranstalten könne.
In diesem Sinne beuge ich mich selbstverständlich der Weltgemeinschaft und gelobe keine Sabotageakte mehr zu tun.

2 Kommentare »

  • Manfred sagt:

    Zur frage:
    wie sieht eigentlich ein entstaubter olympischer gedanke aus?

    Das ist easy:

    Der erste bewerb der olympischen spiele
    war eine idee, ein gedanke zur entstehung der welt.

    Demnach forderte der einjährige zeus seinen vater cronus
    Zu einem ringkampf um die herrschaft am olymp
    (jenem ort, dem die griechischen dichter und künstler huldigten,
    Im auftrag ihrer den göttern in den arsch kriechenden irdischen machthaber
    Und woraus letztlich die abendländische kultur entstand).

    Zum ringkampf war es gekommen, weil cronus seinem vater uranus
    Die genitalien abgeschnitten hatte
    (rache für mutter gaia – die erde; rund um die im meer treibenden hoden
    entstand übrigens meerschaum – aphros – aus der dann aphrodite erwuchs, aber
    das führt jetzt zu weit),
    Worauf uranus dem cronus den fluch verpasste, dass ihm ähnliches widerfahren
    werde.
    Worauf cronus dann alle kinder, die ihm gattin rhea schenkte, schluckte.
    Rhea, auch ned fad, gebar dann zeus insgeheim und ließ cronus stattdessen
    einen in tücher gewickelten stein schlucken.
    Und so forderte also schließlich der einjährige zeus den cronus, besiegte
    ihn, zwang ihn all die verschluckten geschwister wieder raus zu speiben
    Und befreite auch die bereits von urvater uranus – josef fritzl-style – in
    dunkle kammern verbannten, missgeborenen verwandten (wohl unvermeidlich bei
    soviel inzest), wie etwa die zyklopen, die dann dem zeus dankbar ihre
    spielzeuge – donner und blitz – schenkten, mit denen er fürderhin
    unbesiegbar war.

    Das ist also der olympische gedanke
    Die olympischen spiele wurden als die ultimative huldigung an zeus etabliert
    Ein superhumanes spektakel um ruhm und herrlichkeit
    Der originale kulturelle event zur erhöhung des geistes
    Befreit von allem materiellen streben, von allem irdischen tand
    (nicht mal ein tuch trugen sie um die hüften)

    Und dieser gedanke liegt irgendwo verschüttet unter staub und dreck
    Wie die titanic am meeresgrund (cronus war übrigens der zwölfte titan)
    Und ihn zu entstauben
    das wäre also das höchste ziel des kulturschaffenden.
    Und es beginnt mit einer kriegserklärung an adidas & nike,
    An geld & gier, an den dem materiellen verhafteten geist.

    So there. Nicht china ist der feind (angesichts deren kulturgeschichte
    können wir uns ohnehin nur andächtig verneigen).
    Die olympischen spiele in ihrer gegenwärtigen form sind die große obszönität.

  • Manfred sagt:

    Ich kann bei deiner prinzipiellen pro-boycott-haltung nicht mit ziehen
    Ich kann aber vergleichen
    Etwa mit olympia moskau 1980

    Damals hatten alle nato-staaten geschlossen boykottiert
    Österreich nicht, weil zu neutralität verpflichtet.

    Usa, england & co haben boykottiert
    Offiziell wegen menschenrechtsverletzungen der udssr etc
    Wahr war aber auch
    Dass erstens russland als markt für den westen nicht offen war
    Und zweitens auf der outfit der sportler
    Keine firmenlogos erkennbar sein durften
    Die tv-bilder transportierten keinen markt
    Sie huldigten zeus
    (der berühmte olympische gedanke)

    Natürlich wird china nicht boykottiert
    Ist ja der größte markt der welt
    Der ganze weltmarkt kriecht ihnen in den arsch
    Und weil china das weiß (& die zungen im anus genießt)
    Erlauben sie sich auch die tibet-sauereien etc
    So wie sie zuvor die habenlosen aus den vorstädten schmeißen konnten
    Um lagerhallen hin zu stellen

    Sie haben es nicht einmal nötig
    Einen ernsthaften diplomatischen dialog zu bemühen
    Weil sie der unwiderstehlichkeit ihres marktes
    Für den westen bewusst sind

    Tatsächlich können sie sich derzeit jeden dreck erlauben
    Der ihnen nur einfällt
    Und die lächerlichen proteste bei den fackelläufen
    Gehen ihnen am arsch vorbei

    Wenn aber wirklich der olympische gedanke entstaubt werden sollte
    Dann wär ein boykott super
    Allerdings nicht von china
    Sondern ein boykott/bann von adidas & nike & co
    Capitalism ist der üblere killer

    Im übrigen wär ich dafür
    Dass die fußball-länder erst dann zur euro08 aufkreuzen
    Wenn alle keller in österreich durchlüftet sind
    Bin ja nicht deswegen ausgewandert
    Um dann jeden inseltag
    von jedem insel-tv-kanal und jeder inselzeitung
    Nach amstetten eingeladen zu werden

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