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Jugendsünden

Von | 07.07.2011, 7:55 | Ein Kommentar

So schnell kann’s gehen: Im einen Moment noch Jungjournalist bei Österreichs größter Zeitschrift, im nächsten Moment fälscht man die Unterschrift von Tom Selleck. Nur gut, dass das alles schon so lange her ist.

Harald Havas weiß: Echte Autogrammkarten von Tom Selleck sind schwer zu kriegen.

Nach Schülerzeitung, Maturazeitung und einen kurzen Gig bei der Jugendbeilage des Kurier (auch erzählenswert) landete ich vor langer Zeit recht frisch und jung als Jungreporter beim RennbahnExpress. Das muss so 1983, 1984 gewesen sein. Krongasse, für Auskenner. Ich hatte haufenweise Chefs. Ein bis zwei Fellners, einen Herrn Leopold und Uschi K. (Name der Redaktion bekannt). Zwar dürften alle berichteten Vorfälle längst verjährt sein, aber man weiß ja nie.

Uschi K., meine Vorgesetzte im Ressort Kino (auch hier wäre einiges erzählenswert), näherte sich mir eines Tages verschwörerisch und fragte: „Sag amal, hast du eigentlich eine schiache Handschrift?“ Ich bejahte fast stolz und kurz darauf durfte ich nach ein wenig Üben die Unterschrift von Tom Selleck auf der RE-Autogrammkarten fälschen.

Autogramme vom Jungreporter

Nun muss man wissen, dass BRAVO, der damals in Österreich zwar weit abgeschlagene aber doch Hauptkonkurrent des RennbahnExpress‘, zu dieser Zeit jedes Mal eine Autogrammkarte beigelegt hatte: vorne Starfoto mit Unterschrift, hinten Details über den Star. Und weil der RE nun, also, nicht immer ein Originalautogramm, also, zu Hand hatte, wurde manchmal, also, der Autograph vom RE, nun, also … kopiert. Reprotechnisch damals, ohne Computer. Dass hieß, wenn der Original-Schriftzug auf zu dunklem Hintergrund abgedruckt war, ging das halt schlecht – und man holte den Jungreporter.

Dermaßen mitgehangen wurde ich auch gleich zu Teil 2 der Verschwörung hinzugezogen. Die RE-Autogrammkarten waren natürlich(!) viel besser, weil viel ausführlicher als die BRAVO-Karten! Neben leicht recherchierbaren Fakten wie Alter, Größe etc. protzte der RE noch mit vielen weiteren, die man aber, nun, leider nicht bei den Deutschen, also… abschreiben konnte.

Leider, der Star war beschäftigt

Zu ihrer Ehrenrettung muss ich erwähnen, dass Uschi K. damals tatsächlich versuchte, ein Interview mit Tom Selleck zustande zu bringen. Per Ferngespräch flugs nach Hawaii – ich war damals live dabei. Aber leider, der Star war beschäftigt. Und so mussten wir wieder ran.

Lieblingsfarbe? Wir entschlossen uns zu einem Kompromiss bestehend aus vier Farben, darunter Schwarz und Weiß.

Lieblingsfilm? Ein Klassiker kann ja wohl nie falsch sein. Und wer würde schon was gegen Charlie Chaplins „Goldrausch“ sagen?

Aber Lieblingsspruch? Unsere Kenntnisse englischer Idiome war beklagenswert beschränkt. Internet gab es noch nicht. „My home is my castle“ war der einzige Spruch, den ich kannte. Uschi F. – ups, pardon, K. natürlich! – plädierte für „Time is money“, was mir aber in meiner antikapitalistischen Post-Hippie-Pose missfiel. Dann aber hatte ich eine – mein alter Englischprofessor wäre stolz auf mich gewesen – Erleuchtung, ja, geradezu eine Epiphanie; und Tom Sellecks Lieblingsspruch war fortan „Luck is just a passing bird“.

Oder wie man in der die Krongasse umgebenden Wienerstadt auch damals schon zu sagen pflegte: „Des Glück is a Vogerl“.

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