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Google plus – minus mich

Von | 02.07.2011, 7:34 | 9 Kommentare

Alle dem Internet zugeneigten Menschen waren diese Woche zu Google+ eingeladen. Wirklich alle? Nein, ich nicht. Aber das ist kein Grund zur Klage.

Manche Menschen in meiner Twitter-Timeline müssen sehr aufregende Tage hinter sich haben. Es waren Tage, in denen sie das Privileg genossen, mit Googles neuem Dienst namens „Google+“ herum zu spielen. Google+, so habe ich aus meiner Twitter-Timeline erfahren, ist so etwas wie ein Facebook ohne Freunde, weil ja dieser Tage nur privilegierte Early Adopter, Nerds oder Digital Natives bei Googles Sozialexperiment mitmachen dürfen, und solche Verrückte haben keine Zeit für Freunde.

Ob der Dienst was taugt – ich habe keine Ahnung. Ich wurde ja nicht eingeladen. Wer allerdings eingeladen war, verspürte so etwas wie Berichterstattungspflicht. Das trug wenig zur Erhellung bei, sondern vor allem zur Diffusion, weil so ein neuer Dienst – man erinnere sich mit Schaudern an den mit großem Gedöns begleiteten Flop von Google Wave vor gefühlten hundert Jahren – für Allwissenheiten aller Art sorgt. Kaum sind die ersten Screenshots da, hat der Early Adopter die Interpretation des Großen und Ganzen schon zur Hand. Daumen rauf, Daumen runter, diese Kreise zum Ordnen der Sozialkontakte sind schick, und überhaupt …

Ein Facebook-Killer, was sonst?

Nur so viel: Manche finden Google+ toll, manche halten es für überflüssig, manche halten es gar für einen Facebook-Killer. Was natürlich besonders naheliegend ist, denn ein Match von ein paar Handvoll Early Adopters gegen 500 Millionen Facebook-User ist sicher schnell entschieden. Die Menschheit ist schon ganz gierig darauf, sich mit neuer Usability, neuen Einstellungen und der Migration ihrer sozialen Daten herum zu schlagen.

Und wenn sie das nicht sein sollte, haben wir wieder einmal den Beweis, wie sehr die Welt noch nicht auf den klugen neuen Menschen namens Early Adopter oder Digital Native vorbereitet ist, der in steter Bereitschaft zu Diskurs und scharf artikulierter Meinung durchs Netz wandelt, hier einen Diktator stürzt, und dort einem Produzenten linksdrehenden Joghurts die Website ruiniert, weil er sich zu einer sexistischen Werbekampagne entschlossen hat. Du Kampagne mit Nackerter, wir Shitstorm.

Nerds dieser Welt, bleibt unter euch!

Die tröstlichsten Worte zum Thema las ich, als ich ganz altmodisch via Facebook auf einen Text des Bloggers Robert Scoble hingewiesen wurde, der darin erklärt, warum seine Eltern nie und nimmer Google+ nutzen werden: Der Dienst, so Scoble, sei vor allem für seinesgleichen: Für Digital Natives und Social Media Superstars, die ihre große Freude daran haben, ihre früher in Listen gepflegten Sozialkontakte nun in Kreisen zu ordnen. Die in jedem Tool das Werkzeug zum Erschaffen einer höheren Weltordnung erkennen, weil es ihnen scheinbar mehr Kontrolle über ihr Leben verschafft.

Diese Freude sei ihnen von ganzem Herzen gegönnt, denn schließlich habe am Ende dieser Woche auch ich meine Freude mit Google+: Ich bin nicht eingeladen worden, weil irgendein Algorithmus erkannt hat, dass ich nicht dazu gehöre. Dass die Early Adopters und Digital Natives am besten reden können, wenn sie unter sich bleiben. Und dass es auch Dinge gibt, die man getrost verpassen darf.

Dieser Text erscheint auch auf The European.

9 Kommentare »

  • […] Den ganzen Tag schon war der medienleiter heute ein recht übellauniger Zeitgenosse. Zuerst wegen diesem und jenem, dann wegen nixundwiedernix. Am Abend kam Ratlosigkeit dazu. (Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Rasierapparat…) Eigentlich hab’ ich mir ja fest vorgenommen, erstmal nix zu Google + zu posten: abwarten, Combuja trinken, das Ding testen, die Kritiken anderer studieren und nach einer Weile dann selbst klugscheißen bis zum Abwinken. Nur: So einfach ist das mit dem Testen gar nicht. Zwar hat sich mittlerweile ein Early Adopter auch meiner erbarmt und mir eine Einladung geschickt, aber irgendwie läuft das Ding noch immer nicht. Ehrlich gesagt: So wirklich brennend vor Neugier bin ich gar nicht. Wenn ich mirs aussuchen könnte – Plusserl sofort oder gar kein Plusserl nicht – würd’ ich ungeschaut sagen: Gar kein Plusserl, für niemanden! (So gut oder schlecht das Plusserl auch immer sein mag.) Da das Plusserl aber nun mal schon Realität ist, muss auch ich mich damit auseinandersetzen. MUSS. Gute Beiträge habe ich auch schon gelesen, etwa hier oder hier. […]

  • rondo sagt:

    F A I L

    ja, Robert Scoble’s eltern mögen für manchen die welt bedeuten, (mutti macht die beste kirschtorte strassauf und strassab)
    aber für den rest der welt ist das von keiner relevanz.

    ich weiss ja nicht, wie deine prognosen sonst so zutreffen, aber in diesem fall irrst du dich.
    nicht dass jetzt g+ der facebook-killer mit dem glänzenden schwert ist, aber – die zeit ist reif, und google kanns es.
    und jetzt tun sie es. geübt haben sie, gelernt aus den fehlschlägen.

    facebook kann sich noch immer weiterentwickeln, keine frage.
    aber … jetzt gehts los … rumble in the ring.
    die andereren waren keine herausforderer.

    • Zuerst mal eine Entschuldigung für den Doppelpost neulich, aber der Server hing da spät abends.

      Ich muss rondo zustimmen. G+ ist etwas „nerdiger“ als Facebook, ich sehe aber einige tolle Businessmöglichkeiten darin, die Facebook nicht hat. Ob Killer oder nicht, auf jeden Fall hat es großes Potential und warum nicht ein Social Media Network für Business und eines für Fun?

      Ich habe auf Facebook wirklich nur „Plauderthemen“ und auch nicht meinen Realname, außerdem alles auf maximale Sicherheit eingestellt. Für ernsthafte Kontakte benutze ich Xing, aber das hat wiederum kaum Funktionen (auch nicht als Premiummitglied).

      Mich nervt das Gejammere der „Geiz ist Geil“ Generation, die G+ bereits zum Scheitern verurteilt, nur weil sie nicht reinkommen. Leute, das ist eine Testphase, eine kleine public beta, mehr nicht.

  • @Lena Dippel, es gibt seit 3.7. tatsächlich einen „Aufnahmestopp.“, momentan ist Google+ „ausgelastet“. Wer einen Google Account hat, probiere einfach von Zeit zu Zeit diesen Link: https://plus.google.com/u/0/up/start/?sw=1&type=st
    Derzeit steht rechts in dem schwarzen Kasten: „Zurzeit sind unsere Kapazitäten ausgelastet. Bitte versuchen Sie es in Kürze noch einmal.“

  • @Lena Dippel: Heute scheint es tatsächlich eine Aufnahmesperre zu geben. Alle Leute, die ich „adde“, bekommen auf ihrer „plus.google.com“ Seite angezeigt:

    Sie haben bereits eine Einladung bekommen? Zurzeit sind unsere Kapazitäten ausgelastet. Bitte versuchen Sie es in Kürze noch einmal.

  • franz sagt:

    Hehe super artikel . Kann ich nur zustimmen.

  • Kritische Fragen zu Google+ sind meiner Meinung nach richtig. Die Frage, ob tatsächlich Massen von Facebook zu Google+ wechseln ist eine berechtigte. Und so sind kluge Gedanken in dieser Post.

    Aber gleichzeitig erinnert es mich an eine Meinung, die man sich über einen Film macht, den man noch nicht gesehen hat…

  • Lena Dippel sagt:

    Tatsächlich gab es nur bis Donnerstag richtige „Einladungen“. Wenn deine „Freunde“ behaupten, dass sie dich deswegen nicht dazu holen können, dann gibt es zwei Möglichkeiten
    A) sie lügen absichtlich
    B) sie sollten in die Social Media Literacy Nachschuling

    Jeder +Ling kann Menschen mit Google Mail Account hinzufügen. Geht nicht immer sofort aber geht. Ich hab schon 50+ Leute geadded, also schick mir deine Mail :-)

    Lg

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