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Renee Unplugged 04: Moment mal, Frau Minister!

Von | 02.04.2009, 16:03 | 5 Kommentare

Es gibt Dinge, die begegnen dir so oft, dass sie dir nicht mehr auffallen. Die Doppelmoral der Leute zum Beispiel, die gehört bei mir zum Alltag. Fällt mir nicht mehr auf. Geht mir am Arsch vorbei. Aber manchmal fährt sie mir ins Gesicht. Wie unlängst beim Lesen der Zeitung. Dann kann es schon sein, dass […]

manuela_summertimeEs gibt Dinge, die begegnen dir so oft, dass sie dir nicht mehr auffallen. Die Doppelmoral der Leute zum Beispiel, die gehört bei mir zum Alltag. Fällt mir nicht mehr auf. Geht mir am Arsch vorbei. Aber manchmal fährt sie mir ins Gesicht. Wie unlängst beim Lesen der Zeitung. Dann kann es schon sein, dass ich den roten Nebel krieg.
Ja, die englische Innenministerin, Jacqui Smith heißt sie. Die musste sich jetzt entschuldigen, weil sie zwei Pornovideos auf der Spesenrechnung hatte. Wie peinlich ist das? Also ich würd mich schämen, pfui. Aber Moment mal, es war ja gar nicht sie. Frauen gucken keine Pornos, eine Innenministerin sowieso nicht. Es war ihr Gatte, der sich diese Videos reinzog, und jetzt hat er den Salat. Jetzt musste ER sich dafür entschuldigen, damit SIE ihren Job behält. So ein Miststück auch. Kein Wunder, dass sie so eine heilige Wut auf ihn hat. Oder?
Moment mal, Frau Minister. So sieht das also bei euch aus. Wie ich lese, bist gerade du eine jener Frauen, die ständig über das Pornobusiness herziehen, ja? Und jetzt wird ausgerechnet dein Göttergatte im Hosen-an-den-Knöcheln-Look ertappt, korrekt? Hast du dir schon mal überlegt, Jacqui, warum er das macht? Ich kann es dir flüstern: Dein Gatte macht das, weil er Bedürfnisse hat, die bei dir ganz offenbar zu kurz kommen. Weil ihm was auf der Horizontalen fehlt, das du nicht bieten kannst. Bist ja außerdem ständig außer Haus. Bist ja busy, Minister, gestern hast du sogar dem (supersüßen) Obama die Hand geschüttelt. Und da schüttelt die Hand deines Gatten eben erst recht was andres. So schaut´s aus.
Aber sehen wir uns die zwei Filmchen mal an, ist ja mein Metier. Da wäre also ein Streifen des Titels „Raw Meat 3“ und etwas Meterware aus der „Barely Legal“-Nische.

„Raw Meat 3“! Shocking, Frau Minister.  Da sind ja gar keine Frauen dabei! Peinlich. Aber keine Sorgen, Jacqui. Das heißt noch lange nicht, dass dein Gatte ein heimlicher Schwuler ist. Vielleicht wollte er nur checken, ob sein Lümmel wirklich so klein ist wie du immer behauptest. Und diese „Barely“-Girls, die sind halt bei älteren verheirateten Männern mit dominanten Gattinen beliebt. Nimm ein Barely-Girl, sagen wir im Business, multipliziere ihr Alter mal drei, dann hast du das Alter des Kunden. Könnte hinkommen, oder?
Diese Hinweise waren übrigens gratis, Frau Minister. Ich kenne eure Probleme. Die doppelte Sicht der Dinge. Nach außen hin wettert ihr über das Böse und seine Laster. Innerhalb der schützenden Wände eures Eigenheims kriecht ihr dann zu uns. Und habt von nichts eine Ahnung. Allesamt nicht. Unter Freunden und Bekannten bin ich nämlich die Sextherapeutin schlechthin. Ich gebe Ratschläge, zum Beispiel in Sachen Vorbereitungen zum Analverkehr (aufgepasst, Herr Ministergatte!) und kann meinen Patienten dann immer bestätigen, dass sie durchaus normal sind. Obwohl sich manche so sicher fühlen, wenn sie eine Porno-Tante an ihrer Seite haben, dass sie dir Dinge offenbaren, die sogar mich in Staunen versetzen. Mich ärgert nur, dass den Menschen das Selbstbewusstsein fehlt, darüber offener zu reden. Renee, ich hätte gerne mal einen Dreier gehabt. Aber wenn dann möchte ich, dass Du das zweite Mädel bist, sonst trau ich mich nicht. Du hast da Erfahrung, Du weißt wie man das macht, meinte letztens eine Freundin zu mir. Ich dachte nur ‚Herrje‘ und schlug das Angebot dankend aus. Theoretische Unterstützung jederzeit, in die Hand nehmen müsst Ihr die Sache schon selbst.
Die Leute sind für derlei Tipps in der Regel sehr dankbar, klar, es sind ja Expertentipps, nicht solche sogenannter Sexperten. Gelernt ist gelernt. Und mit meiner Brille betrachtet machen wir Pornoprofis sicher nichts Schmutziges. Wir sind menschlich. Wir machen Liebesakte. Okay: Sexakte. Jedenfalls kann ein Mann bei sowas nicht heucheln. Er braucht eine Latte und ich brauch das Knowhow, ihm eine zu verpassen. Und dafür gibt es nicht wirklich eine Technik. Da gibt es nur Forschung. Ja, ich bin sowas wie ein Sherlock Holmes der Horizontalen. Und ich bin gut in meinem Beruf, das könnt ihr mir glauben.
Aber zurück zur Doppelmoral. Finanziell gesehen besagt diese, dass wir einerseits sehr wohl akzeptiert werden. Von der Steuer nämlich. Die Leute von der Steuer lieben die Pornobranche heiß. Wir brennen wie die Luster. Aber wenn wir von der Bank einen Kredit wollen und blöd genug sind, denen zu sagen wofür, dann werden die Herren und Damen Bankbeamten ganz bleich im Gesicht. Leider nein, sagen sie. Warum? Weil wir unser Geld mit Schweinekram verdienen. Ende des Geschäftsgesprächs. Und zur Erörterung der Frage „Warum arbeiten Sie im Pornobusiness?“ kommt es ohnehin nie. Hat auch die Frau Innenminister Smith sicher nie gestellt. Auf die Antwort „Weil es Leute wie Ihren Gatten gibt, die dafür gutes Geld hinlegen“ ist sie schätzungsweise auch nicht neugierig.

Renee im Web: www.sixinchsnails.com

Mein Unplugged Arsch by Erich Reismann. Thanks, Sweetheart.

5 Kommentare »

  • hillerxxx sagt:

    Soll Jacqui Smith doch froh sein, dass sie einen Kerl mit einem „einigermaßen intakten“ Sexualtrieb an ihrer Seite hat. Verbrennt…äh…verbringt sie doch ihre Lebenszeit in einer – fast schon virtuell anmutenden – Polit-Karriere, in der Befriedigung wohl eher auf psychischer denn auf physischer Ebene stattfindet.

    Allerdings sollte sie sich – wie ihre Kolleginnen und Kollegen anderer Ressorts in allen möglichen Ländern auch – pseudo-moralische Verurteilungen und Bewertungen von „Pornografie“ versagen. Das professionell betriebene Porno-Business funktioniert ebensowenig wie die (globale) Amateur-Pornografen-Community mittels Ausbeutung von Frauen / Männern. Im Gegensatz dazu findet die „Tag-Wolke“ mit Begriffen wie u.a. Abhängigkeit, Zwang zur Prostitution, Täuschung, Steuervergehen, Betrug, Erpressung, Unmoral, Nötigung oder unmittelbarer (nicht-physischer) Zwang eher Anwendung auf honorige Bereiche der Gesellschaft wie Politik, Discounter, Textilwirt-schaft, Finanzbranche etc. Also alles Bereiche, in deren Glashäusern die lauthals „Verbot!“ plärrenden „Hüter der öffentlichen Moral“ höchstpersönlich selbst sitzen.

    Diese Bigotterie ist allerdings hochgradig unmoralisch und verdient ordentlich was auf den Ar… – obwohl: vielleicht würde ausgiebiges Spanking die Bigotten ja so richtig abgehen lassen. Natürlich nur rein psychisch…

  • truetigger sagt:

    Erst einmal grosses Lob an Erich Reismann: Er setzt Deinen Arsch wunderbar in Szene, auch wenn man ne Weile danach blättern muss. Tolle Arbeit!

    Zur Doppelmoral: Viele Menschen verstehen den Sinn von Pornos einfach nicht. Geilheit abbauen, Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Je nach Ansatz kann ein Hardcore-Streifen auch die Rubriken Entertainment oder Kunst streifen, die Masse ist allerdings schlichtweg auf Stimulation unserer Triebe ausgerichtet und funktioniert dabei hervorragend.

    Ich würd noch nicht einmal soweit gehen, dass Porno Desinteresse am Partner bedeutet. Vieles, was im Porno als Phantasie dargestellt wird, würde ICH privat nicht ausprobieren wollen – nicht jeder Traum will auch umgesetzt werden. An der Stelle hast Du vielleicht etwas übertrieben, doch wie kann man es Dir verdenken? Du hast ja dauernd mit eben dieser Doppelmoral zu tun…

    • erich sagt:

      @truetigger

      danke für die blumen, war nicht nur tolle arbeit sondern tolles vergnügen.

      erich

  • satriales sagt:

    wie immer brilliant. nur soviel: ich finde auch männer mit einem intakten horizontalleben innerbeziehungstechnisch sollen sich manchmal einen von der palme wedeln dürfen. allein schon der prostatakrebsvorbeugung wegen …

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