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Zum Beispiel: Konzerte

Von | 04.04.2008, 14:17 | Kein Kommentar

Die werten zwei Kolleginnen hatten was zu lachen. Schließlich fanden sie es brüllend komisch, dass ich zu einer CD-Präsentation von Christina Stürmer gehe. Fräulein Stürmer kommt im hippen Kosmos der zwei Damen ganz unten, ungefähr dort, wo man beim Gehen unabsichtlich drauftritt. Das ist aus vielen Gründen so, und einer davon wird wohl sein, dass […]

Die werten zwei Kolleginnen hatten was zu lachen. Schließlich fanden sie es brüllend komisch, dass ich zu einer CD-Präsentation von Christina Stürmer gehe. Fräulein Stürmer kommt im hippen Kosmos der zwei Damen ganz unten, ungefähr dort, wo man beim Gehen unabsichtlich drauftritt. Das ist aus vielen Gründen so, und einer davon wird wohl sein, dass die Sängerin in Interviews kein Problem damit hat, auch privat mit dem Adjektiv „langweilig“ assoziiert zu werden. Das finde ich grundsätzlich sympathisch, denn bei mir ist es wohl nicht anders. Nach Jahren des Kampfes dagegen bin ich dort angelangt und muss sagen: Langweilig sein ist verdammt bequem.
Nicht langweilig zum Beispiel wäre es, so wie die zwei Kolleginnen morgen ins Flex zu drängen, weil dort das sehr angesagte Duo The Kills spielt, das zugegebenermaßen auch eine sehr ansprechende Platte veröffentlicht hat. Deren eine Hälfte ist Jamie Hince und der geht derzeit mit Kate Moss ins Bett. Weil Kate wohl wenig zu arbeiten hat, begleitet sie ihre Rocker gerne und das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass Kate auch irgendwo im Flex herumsitzt und ihren Sieg über die Langeweile mit Kisten voller Kokain feiert. Heißa, da täten dann die Wände schon wackeln vor lauter Coolness. Nur habe ich schon vor meinem dreißigsten Geburtstag einsehen müssen, dass das Flex nicht zu mir passt. Ich sitze mittlerweile ganz gerne, ich habe was gegen Atemnot und wenn eine angesagte Band aus England spielt, besteht noch dazu große Gefahr, unter einem Berg von Palästinenserschals zu ersticken.
Insofern war es nur vernünftig, der Frau Stürmer den Vorzug zu geben und damit sicherzustellen, dass das Wochenende im Rahmen gediegener Langeweile verstreichen wird. Stürmer spielt derzeit eine so genannte Unplugged-Tour, was selten eine gute Idee ist. Und der Auszug, den sie gestern am Abend daraus gab, zeigte daher auch, dass ihre Songs leise genossen noch dürrer daher kommen als laut. So ergab es sich, dass ich gerne auf Gratis-Alkohol verzichtete und schon um 22 Uhr die Tür meiner Wohnung aufschloss. 22 Uhr! Wenn da die Kills am Samstag schon fertig sind, werden sie sicher mit Gegenständen beworfen, Palästinenserschals vielleicht. Echter Rock’n’Roll eben und nicht der aufgemotzte Schlager, mit dem die Frau Stürmer gestern das Jugendstiltheater am Steinhof nicht zum Beben gebracht hat.
Übrigens hat ihr Freund, der auch Gitarrist ihrer Band ist, eine neue Frisur. Das ist eine famose Beobachtung, wie ich finde. Sie gelingt nur jemandem, der seine Abende konsequent langweilig gestaltet.

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