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Sex & Arnold Schwarzenegger

Von | 22.05.2011, 16:24 | 6 Kommentare

Selbst hochintelligente Männer riskieren für eine ruchlose Nummer ihre Karriere. Warum sollten simple Vorzeige-Ösis anders gestrickt sein?

Arnie Toasted. Artwork by Reismann

Es gab einmal Zeiten, da war Amerika nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, da hieß es zum Beispiel „ehe ein Schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten wird, schafft es ein Affe zum Gouverneur von Kalifornien“.

Und dann wurde Arnold Schwarzenegger Gouverneur von Kalifornien, Erinnerungen an den alten Spruch von Andre Heller wurden wach, wonach ein Lipizzaner bei guter Führung Bürgermeister von Wien werden kann, oder auch an den Römer Caligula, der sein Pferd Incitatus zum Mitglied des Senats erhöhte (mit dem hohe Staatsgäste dann speisen durften).

Aber Amerika ist weder Wien noch Rom, es gab da keinen Tyrannen, der Mister Schwarzenegger in den Gouverneursposten hievte, nein, er wurde demokratisch gewählt und sollten Sie einmal ein vernichtendes Argument wider das demokratische System brauchen, dann haben Sie es mit diesem simplen Satz: Arnold Schwarzenegger war Gouverneur von Kalifornien.

Eine famose Karriere und die Frage ist: Wie schaffte der zweitberühmteste Österreicher der Neuzeit das, wie wird ein steirischer Bullensohn zweimal gewählter Gouverneur von Kalifornien und Gatte einer Kennedy? Simple Antwort: indem er Dinge hob. Schwere Dinge. In Unterhosen. Er hob Dinge, die unsereins nicht im Traum anrühren würde, stellte sie wieder nieder, hob sie wieder auf und sagte: „Seht mal, was ich heben kann“, (so sah es der irische Denker Dylan Moran, Klickempfehlung).

Der Mann wurde groß, indem er Dinge hob.

Wie kommt nun ein Mensch mit allen Tassen im Schrank dazu, habituell ultraschwere Dinge zu heben? Genau das ist die Crux, Mister Schwarzenegger hatte sie nicht alle, im Schrank nämlich. Er hatte seinen Körper mit Steroiden vollgepumpt, sowas hat Effekte, man denkt nicht mehr daran, wie dämlich es eigentlich ist, schwere Dinge zu heben und mehr noch, Steroide haben Nebeneffekte – sie entfachen deinen Sexualtrieb nicht halb.

Steroide tun das auf makabre Art, sie trocknen deine Ratio aus, wischen alle Bedenken weg, erzeugen eine Tunnelvision, sie machen dich zum testosterongepeitschten Beutetier (Predator), wenn da mal keine Gewichte sind, muss wenigstens ein ordentlicher Arsch her. Es gibt nicht viele Männer, denen ähnliche sexuelle Unersättlichkeit nachgesagt wird. Hollywoodstars fallen einem ein. Und Politiker. Und hier haben wir also das Malheur: Schwarzenegger war nicht nur gewichthebender Steroid-Junkie, er war auch Hollywoodstar und Politiker. Er war ein hochexplosiver Zustand.

Das besonders Dumme am Zustand ist, dass der Verstand, im Normalfall zwischen den Ohren beheimatet, aufgrund akuten Sauerstoffmangels unter die Gürtellinie rutscht, dorthin, wo nur der Schwanz das Sagen hat – und der hat kein Gewissen. Noch hat er Pietät oder Geschmack, er hat nichts, was Bewusstheit signalisiert, er kann auch hochkarätige Persönlichkeiten dazu bringen, zugunsten einer ruchlosen Nummer eine ganze Karriere aufs Spiel zu setzen, siehe Strauß-Kahn, Tiger Woods und so weiter.

Und nicht nur das, die unterleibsdominierte Logik führt in der Ernüchterung danach häufig zu seltsamen Erklärungen, denen ein paar Vokabeln fehlen, um ein Verständnis zu erzeugen, mit denen man was Vernünftiges anfangen kann. Man denke an den Fall Bill Clinton/Monica Lewinsky, letztere war jene Bürokraft, die 1997 ihrem damaligen Präsidenten einen Blowjob widmete, eine stets als „sexuell“ gedeutete Technik – die der Ex-Präsident aber als solche in Frage stellte, indem er cool beteuerte, „keinerlei sexuellen Kontakt mit dieser Lewinsky“ gehabt zu haben.

Ein ähnliches logistisches Kunststück war schon lange vor den Gouverneursjahren auch Schwarzenegger gelungen, als er (laut nie dementierter Story des Filmmagazins Empire) einmal eine Drehpause nutzte, um sich einem weiblichen Mitglied des Drehpersonals per „Cunnilingus“ verständlich zu machen, eine Kommunikationsform, die im Amerikanischen auch „eating“ genannt wird. Die Umstände wollten es, dass ein Mitarbeiter der Filmcrew den Akt störte, was Schwarzenegger zu einem seiner berühmten Einzeiler animierte: „Eating is not cheating“.

Amerika, das Land auch der unbegrenzten Unmöglichkeiten, wo weder Fellatio Sex noch ein Cunnilingus Untreue darstellt.

Schwarzenegger hatte damit immerhin demonstriert, dass er wenigstens horizontal mühelos das Kaliber zum Politiker hat (siehe auch HIER). Mich wundert nur, wenn sich wer wundert, dass Conan der Barbar dazu fähig war, sich an seiner Haushälterin Mildred Baena zu vergreifen. Klar, tiefer geht es nicht. Aber selbst hochintelligente Männer riskieren manchmal für eine dumme Nummer ihre Karriere. Dieses Recht auf persönlichen Ruin hat auch ein Gewichtheber. Liebe Leute, ich weiß, ich war diesmal etwas grob. Aber warum sollte man mit so einem Mann anders umgehen als er mit den Frauen?

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