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Lady Gaga: Die totale Penetration

Von | 20.05.2011, 9:12 | Kein Kommentar

Trotz ihres neuen Albums „Born This Way“ steht Musik in Lady Gagas Verwertungskette an letzter Stelle. Daher geht’s heute nur um sie.

Bist du Moped! Auszug aus dem Cover-Artwork zu "Born This Way" von Lady Gaga.

Man dürfe sie nicht an ihren Liedern messen, sagen die besonders Klugen. Vielmehr sind die Schuhe von Noritaka Tatehana wichtig. Und das Styling von Nicola Formichetti. Und das Gesamtkunstwerk. Und das Phänomen. Und überhaupt. Und scheiß auf die Lieder, denn die sind Scheiße.

Nun hat sich aber ergeben, dass dieser Tage ein neues Album von Lady Gaga erscheint, das auf den Titel „Born This Way“ hört und einmal mehr dem Anderssein mit maximaler Wirkung frönt. Dass es sich bei einer Sammlung von 14 Songs bei einem klickbasierten Pop-Star wie Lady Gaga um eine Kunstform handelt, die mit ihren Wurzeln im analogen Zeitalter anachronistischer nicht sein könnte, ist in diesem Zusammenhang herzlich egal. Irgendeinen Grund braucht es trotzdem, um ein bisschen über das nachzudenken, was Lady Gaga bedeuten könnte.

Außerdem: Wenn sie so geboren ist wie sie ist, bin ich eben so geboren, dass ich Popmusik immer noch gerne im Album-Kontext wahrnehme, weil sich daraus vielleicht bedeutungsschwere Schlüsse ziehen lassen könnten.

Musikkritik ist bei Lady Gaga ein Denkfehler

Im Zusammenhang mit „Born This Way“ ist dieser Ansatz allerdings ein veritabler Denkfehler, denn die Songs und deren Beziehung zueinander stehen in der Verwertungskette um Lady Gaga an letzter Stelle. Und selbst wenn Millionen diese Songs nicht beschissen finden, so blieben sie trotzdem scheißegal. Nur so viel: Sie passen in jede Großraumdisco, in jedes Auto, in jedes Radio, in jeden iPod, und einer der Songs heißt „Scheiße“, ungelogen.

Um das Produkt Lady Gaga zu verstehen, kann man das Album „Born This Way“ also getrost stoppen. Und man kann auch freihändig mal Pi erstellte Listen wie die zu „The World’s Most Powerful Celebrities“ auf Forbes.com, die dieser Tage gerne zitiert wird (Lady Gaga ist Nummer eins), außen vor lassen. Selbst dahinter steckt noch das Bedürfnis, ihre Welt mit den Messinstrumenten des vergangenen Jahrhunderts zu verstehen. Mit Summen aus Einkünften, Werbeverträgen und solchem Kram. Braucht keiner.

Der Prototyp einer neuen Popkultur

Macht ist in der Welt von Lady Gaga die schiere Präsenz ihres Abbilds in allen Kanälen. Lady Gaga ist die einmalige Kombination aus Suchmaschinenoptimierung, viralen Effekten und Infiltrierung des Social Web. Sie ist der Prototyp einer Popkultur von morgen.

So wie Lady Gaga werden in Zukunft alle Celebrities unser Leben penetrieren. Sie brauchen dazu keine sauteueren Hollywoodfilme. Sie brauchen dazu niemanden, der jemand Wichtigen kennt, der jemand Wichtigen kennt. Es kennt sie auch so jeder. Das neueste Video zu ihrem Song „Judas“ hält nach zwei Wochen bei rund 30 Millionen Aufrufen auf Youtube, auf Twitter folgen ihr, wir haben es gehört, 10 Millionen Menschen, und was das in Dollars bedeutet, weiß niemand.

Das muss auch niemand wissen, denn zumindest eine Regel der Popkultur gilt auch noch nach Lady Gaga: Wer zuerst ans Geld denkt, wird auch heute keine ordentliche Künstlerin. Da muss man schon dazu geboren sein.

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