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Falsche Bilder

Von | 04.03.2008, 21:07 | Kein Kommentar

Nach ein paar Monaten muss ich nun sagen: Die Vorurteile im Zusammenhang mit dem Phänomen Fitnesscenter sind nicht gänzlich berechtigt.

Es rennen dort zum Beispiel großteils Menschen herum, die vernünftiger Gedanken mächtig aussehen. Mit der Hygiene weiß das Gros der Besucher gut umzugehen. Und es ist nicht verpflichtend, sich bei seinem Schuften in Spiegelwänden zu begaffen. Gut.

Aber gäbe es kein „Aber“, gäbe es auch nichts zu schreiben. Das hat mit jenen Menschen zu tun, die offensichtlich große Teile ihrer Tagesfreizeit in Etablissements zum Stählen der Muskulatur verbringen. Sie sind immer schon da, wenn ich hinkomme – und weil ich abgesehen von einem wöchentlichen Fixtermin bei meinen kurzen Besuchen keinem nachvollziehbaren Muster folge, muss ich nicht einmal Verschwörungstheoretiker sein, um das festzustellen.

Einer dieser Muskelmänner hat mich unlängst in der Bedienung eines Foltergeräts unterwiesen, weil ich es so benutzte, dass es „nichts bringt“, wie er meinte. Es folgte noch ein kurzes Geplänkel voller Höflichkeiten. Wir duzten einander, wie es die Etikette des Ortes gebietet. Er wandte sich wieder seinem nicht minder daueranwesenden Freund zu.

Ich habe die zwei schon öfter beobachtet. Sie sind prototypische Exemplare der Spezies freundlicher Riesen. Sie sind süchtig nach ihrem Körper. Sie haben Spaß miteinander. Und sie helfen einander an diversen Geräten.

Zum Beispiel stemmt der mit dem Bärtchen seine Gewichte und der mit den Tätowierungen sieht zu. Da kann dann passieren, dass der Bartmann kurz schwächlich ruckelt. Dann fangen die Augen vom Tattoomann kurz an zu lächeln. Ich weiß, falsches Bild, Augen lächeln normalerweise nicht … aber diese tun es trotzdem. Es ist schließlich ein Moment des selbstzufriedenen Triumphs über seinen Kumpanen. Bartmann weiß das. Er steht auf und murmelt was von einem Schnupfen. Und wieder: Tattoomanns Augen lächeln, die Runde geht an ihn.

Ansonsten muss ich endgültig zugeben, dass die Ärztin recht hatte, die mir die Zusammenhänge von mehr Bewegung und weniger Kreuzweh erklärt hatte. Daher entschuldige ich mich für alle hässlichen Worte, die ich damals nach ihren Belehrungen in inneren Monologen über sie ergossen habe.

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