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China Girl: Ex wie Examen

Von | 05.05.2011, 21:04 | 2 Kommentare

Wie erklärt sie ihrem Lover, dass er für immer Ex ist? In einem College in China ist das eine Prüfungsfrage.

China Girl by badjonni, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Abfuhr. Das war auf diesem Portal bereits einmal ein Sommerthema. Nur ging es dabei um hiesige Gefilde. Darum, dass die Schottin und die Italienerin zwar dasselbe sagen können („Eigentlich finde ich Dich nicht abstoßend.“), damit aber Unterschiedliches meinen („Du bist hinreißend“ bzw „verpiss Dich“). Darum, dass sich manche Boys nicht abwimmeln lassen („Willst Du ein Kind mit mir zeugen?“ – „Nein.“ – „Auch nicht, wenn wir aufpassen?“) und sie ihm daher Klartext servieren muss („Hm. Sieht aus wie ein Penis, nur kleiner“).

In einem College in Shenzhen, China, ist „die perfekte Abfuhr“ ein Thema fürs Examen, mit der Auflage, dass sie SMS-tauglich sein müsse, also auf maximal 50 Worte beschränkt, New Technology ist schließlich da, um sie anzuwenden.

Im Westen gab und gibt es immer wieder Sprachkünstler, die für wesentlich kompliziertere Sachverhalte weit weniger Worte benötig(t)en. Man denke an das berühmte Telegramm des US-Autoren Robert Benchley, der vom Magazin New Yorker für eine Story nach Venedig flog und dort auf unvorhergesehe Schwierigkeiten stieß („Straßen voll mit Wasser stop bitte um Rat“).

Aber in China müssen auch die Gesetze der Höflichkeit striktest wahr genommen werden, so gesehen können 50 Worte eine knappe Sache werden.

Und so wurden 30 000 StudentInnen mit der Prämisse vertraut gemacht: „Xiao Jun war Xiao Hongs Lover und sie brachen die Beziehung ab. Angenommen, Jun fragt seine Ex, ob er sie wiedersehen kann: Wie teilt sie ihm in 50 oder weniger Worten per SMS höflich aber klar mit, dass es kein Date mehr geben wird?“ –

Um den Lehrern nun einen Leitfaden für die Benotung der Studenten mit zu geben, wurde ihnen auch vorbeugend die „korrekte“ Antwort übermittelt, die da lautete: „Ich habe Deinen Brief erhalten, Deine Einladung bereitet mir großes Zögern. Ich denke, ein neuerliches Treffen würde weder Dich noch mich glücklich machen, also ist es wohl besser, dass wir uns nicht mehr sehen. Danke für die Einladung.“

Womit wir nach Hollywood schalten, wo in „Nie wieder Sex mit der Ex“ bewiesen wird, dass dasselbe Unterfangen nicht weniger kompliziert über die Bühne gehen kann, wenngleich es den frisch gebackenen Ex ungleich härter trifft, obwohl, vielleicht ist „härter“ nicht ganz das passende Wort.

2 Kommentare »

  • Tiger_Anne sagt:

    Naja, da wird in Schulen zumindest etwas erprobt, was man fürs Leben wirklich brauchen kann. Frage: sind bei den 50 Zeichen emoticons auch erlaubt? zB :-( als Ausdruck des Mitgefühls weil ja kein Treffen zustande kommt. oder gelten diese als unliterarisch?

    • Manfred Sax sagt:

      Interessante Frage, Tiger-Anne. Nachdem Kanjis im Vergleich zu den Buchstaben, wie wir sie gewohnt sind, einen überlegenen optischen Genuss bescheren, bin ich der Ansicht, dass Emoticons in China weit besser aufgehoben sind als hier zu Lande. Freundlichst, Ihr Sax

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