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Swarovskis Blutjuwelen

Von | 01.05.2011, 16:11 | Kein Kommentar

Weil in Burma der Terror regiert, unterhält die EU Sanktionen gegen das Regime. Nicht dass dies eine heimische Firma sonderlich schert.

Glücksbringer Buddha, Sortiment Swarovski

Seht euch mal dieses Juwel an, ist es nicht süß? Ein Buddha! Das ist der Gott des Glücks, der Freude und der Weisheit, heißt es im Text zum Juwel, und nicht nur das, der Glücksbringer ist auch noch aus Jade geschliffen, das ist der Stein des Wohlstands.

Ironie des Daseins daher, dass dieser Stein aus Burma stammt, wo alles andere als Wohlstand herrscht, wo ein Militärregime das Volk terrorisiert, wo tausende Unschuldige im Kerker sitzen. Vor wenigen Wochen erneuerte die EU richtiger Weise ihre Serie von Wirtschaftssanktionen gegen das burmesische Regime, wenn auch nicht einstimmig. Österreich, zum Beispiel, war dagegen. Warum? Ist rätselhaft. Es gibt kaum was zu holen in Burma, das Erdgas geht nach Indien, das Öl nach China. Bleiben ein paar Edelsteine – über denen ein EU-Bann steht, weil ihr Abbau vom Militär betrieben wird. In die USA dürfen burmesische Edelsteine nicht einmal via Drittländer importiert werden. Und ja, obiger Buddha aus Burma ist made by Swarovski.

Seit den Aufständen in Nordafrika wird heftig debattiert. Ist Gaddafis Öl okay, soll man mit Diktatoren dealen, soll man mit mörderischen Regimes Wirtschaftsbeziehungen unterhalten? Soll man nicht, weiß jeder Mensch mit Rückgrat. Ist Burmas Regime mörderisch? Nicht halb.

Dann wiederum gibt es Männer wie Johannes Peterlik, Österreichs Botschafter in Thailand, der unlängst mit Delegierten des Hauses Swarovski nach Burma aufbrach, um sich im Golfparadies eines regimefreundlichen Geschäftsmannes namens Serge Pen verwöhnen zu lassen und mit Offiziellen der burmesischen Handelskammer zu parlieren. Ein Business-Trip, trotz Sanktionen? Selbstverständlich. Nur sah es Peterlik anders, er nannte es einen „Fact-finding Trip“ – womit für ihn jegliches Haltungsproblem aus der Welt geschafft war.

Seit Burmas Menschenrechts-Ikone Aung San Suu Kyi nicht mehr unter Hausarrest steht (siehe auch HIER), glauben Peterlik, Swarovski & Co offenbar, es sei wieder okay, in Burma nach Profit zu jagen. Miss Suu Kyi selbst ist anderer Meinung. Sie und ihre Nationale Liga für Demokratie (NLD) sprechen sich für einen Fortbestand der Sanktionen aus, weil dadurch – erstens – kein einfacher Bürger Burmas geschädigt wird. Zweitens, heißt es in einer offiziellen Aussage der NLD, dienen diese Sanktionen als „Warnung an die Regierung, dass Menschenrechte nicht ungestraft verletzt werden“.

Im übrigen sind die Zustände in Burma laut Menschenrechtsorganisation Burma Campaign schlimmer denn je und jedenfalls heftiger als etwa in Syrien oder Libyen. Regimegegner werden gefoltert, Frauen ethnischer Minderheiten vergewaltigt, ganze Dörfer bombardiert. Aber sag das Mister Peterlik, sag das den Swarovskis. Die sehen halt nur den Buddha aus Jade. Einen Glücksbringer wie keinen zweiten.

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