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Sag mir, warum ich twittern soll

Von | 31.03.2009, 21:52 | Kein Kommentar

„Zwitschern“ ist wohl der passende Begriff. Das globale Gerede um 140 Buchstaben.

Demis Arsch

Der Schnappschuss links machte die Runde ums Globale Dorf. Per Twitter. Es ist die Kehrseite von Demi. Jedenfalls behauptet das Ashton, ihr Gatte. „Pssst, verratet es nicht meinem Weiblein“, schrieb er dazu. Nicht wirklich das, was wir unter Information verstehen, aber hey, der formidable Mister Kutcher hat damit im Nu sein Twitter-Konto um ein paarhunderttausend „Anhänger“ bereichert. Was das nützt? Schwer zu sagen. Aber schaden kann es nicht. Alle tun es. Jedenfalls alle, die wir alle kennen. Tennisspieler Andy Murray zum Beispiel. Der teilte unlängst mit, dass er Steak zum Dinner haben wird. Oder 50 Cent (Rapper). Den führte „mein Ehrgeiz durch einen endlosen Tunnel“. Madonna (Popsängerin) enthüllte per Twitter ihrem Jesus (Model), dass er für sie gestorben sei, jedenfalls solange, bis die Sache in Malawi (Adoption) erledigt ist. Und dann ist da noch Jennifer Aniston (Amerikanerin). Die gab ihrem Typen (Haberer) auch den Laufpass. Nicht per Twitter, sondern weil er dauernd twitterte.
jon_favreau

Aber warum twittern? „Sag mir, warum ich twittern soll?“ Das fragte eine „Gwyneth“ einen Twitterer namens Jon Favreau. Twitterte er. Und bei „Gwyneth“ fällt uns doch gleich mal die Blonde vom Coldplay-Sänger ein, wie hieß der noch. Aber wer ist Favreau? Ach, der Schreiber der Reden von Präsident Obama. Ach ja, der US-Präsident  war es doch, der diese Twitterwelle los getreten hat.  Hat die Wahl gewonnen und gleich mal getwittert: „Wir haben soeben Geschichte gemacht … All das wegen Euch. Danke.“ Diese „Euch“, das sind derzeit sechshunderttausendundetliche Twitter-Anhänger. Der engere Freundeskreis. Ohne Gwyneth.
Das war am 5. November. Victory. In seinem Twitter-Protokoll kann man nachlesen, wie das lief. Am 4. November twitterte er soviel, dass man nicht mehr versteht, wie er auch noch was anderes machen konnte. Seit dem 6. November hat er … einmal getwittert. Nein, zweimal. Im Jänner. Wahrscheinlich fehlte seither der Anlass. Wenn es einen Anlass gibt, läuft der Twitter-Draht heiß. Wenn ein Flugzeug abstürzt, gibt es immer einen Passagier, der twittert („Wir stürzen aaaaaa —“). Während des Mumbai-Attentats wurde getwittert („du scheiss terrorist du hurenarsch terrorist“). Und jeder wollte es lesen.
Oder St Pölten. Als der Angeklagte (ein Niederösterreicher) zur Urteilsverkündung in den Gerichtssaal geführt wurde und der ORF-Reporter auf ihn zuging, twitterte die englische Sky-Reporterin Julia Reid (keine Mimose) „der will ihn interviewen. VOR dem urteil! imagine!“ an die Redaktion. Und natürlich, als der englische Schauspieler und Talkmaster Stephen Fry (kein Heterosexueller) vor ein paar Wochen in einem Lift steckte, hat er panisch getwittert („es ist ja soo eng hier“). Jetzt hat er 350 000 Anhänger.
Auch bei ZiB21 wird getwittert. Ganz oben, am Rand der Page ist unsere Twitterzeile. Meistens ist es was Internes, oft eine Debatte zwischen unserem ehrwürdigen Sonntagsredner Pater Hass und mir. Er spürt gern den heiligen Zorn, wenn meine Renee aus ihrem Porno-Alltag schildert, und da halte ich eben dagegen. Dass es schon Stundenmädchen gab, als es noch nicht einmal ein Wort für „Stunde“ gab und so weiter. Interessiert? Gehen Sie auf unsere Twitter-Page – ganz oben, wie gesagt – drücken Sie auf „mehr“ und dann runter scrollen bis zu den Twitters mit den Reizworten „whore“ und „horae“ …
Gestern hab ich jemanden, den ich zu uns locken will, auf eine Twitter-Page gelockt. „Sieh dir den Twitter der Yoko Ono an“, sagte ich, „die hat verraten, dass always so much space around her gwesn is.“ –
„Stimmt“, meinte der Jemand. „Und ihr neuester Twitter ist: sometimes the moon looks closer than tokyo. Dös hod wos.“-
Yoko twittert

Also gingen wir via Skype auf einen Chat. Es war 23.50h. Bedient? Aber wo.
„angeblich schreibt´s de twitters in lingerie.“-
„der den wos des intaressiert is seit 29 joa tot.“ –
„mir fällt bei da ono immer der propellerventilator vom hotel malaysia in bangkok ein.“ –
„do woar i no ned.“ –
„denk an apocalypse now, martin sheen allein im zimmer auf dem bett und der ventilator am plafond, der dann in den hubschrauber übergeht.“ –
„ah der, siehst, des ghört amoi wieda angschaut, gib ihm wagner sozusogn.“ –
„guter hendrix soundtrack an der mekongfront.“ –
„und da duvall-bertl auf an surfbrett …“ –
„oba da brando is da brando.“ –
„allerweil.“ –
„eben“. –
Man sieht, durch Twittern kommen die Leut´zusammen. Trotzdem: Warum sollte man nun wirklich twittern? Keinen Schimmer. Andererseits, als 50 Cent das neue Album fertig hatte, bat er seinen Webmeister Chris Romero gleich einmal, seinen 200 000 Anhängern diesen Umstand zu twittern. Hat eine gewisse Methode, muss man sagen. Und ehrlich gesagt, bei ZiB21 wird es nicht anders gemacht. Als dämmerte, dass Salam Pax für uns bloggen wird, waren unsere Twitter-Anhänger die ersten, die es wussten. Der engere Freundeskreis.

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