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Log-Stoff: Tag 18 (St. George’s – Grenada)

Von | 25.04.2011, 12:45 | Kein Kommentar

Können Wolken den Urlaub trüben? Unseren nicht. Und schon gar nicht, wenn wir wieder mal Grenada besuchen. Immerhin haben wir einen Plan B. Bloß dass der auch ins Wasser fällt.

Vor Grenada. Foto: Lee Coursey, Lizenz: CC BY 2.0

Tja, natürlich sind Karibik und Sonne für die meisten eine Traumkombination. Aber seien wir ehrlich: Wir sind jetzt schon seit über zwei Wochen in der Karibik unterwegs. Und hatten wirklich Sonne satt. Und traumhafte Strände. Und so ziemlich jeden nur erdenklichen Kitsch-Moment, den man sich vorstellen kann. Und sind braun. Da sind ein paar Wolken und ein bisserl Regen schon o.k. Die deutliche Mehrzahl der Passagiere sieht das anders. Zwei Tage Regen in Folge – und das am Reiseanfang – sehen die meisten als persönliche Beleidigung an.

Dementsprechend muffig ist die Stimmung an Bord. Vor allem als klar wird, dass die Wolken auch noch am nächsten Tag unsere Reisebegleiter sein werden. Wir hingegen freuen uns auf unseren Landausflug: Tubing steht auf dem Programm. Dabei wollen wir in einem riesigen Reifen einen Fluss hintersausen. Die Reiseleitung will das nicht. In der Früh läutet unser Kabinentelefon und man teilt uns mit, dass der Ausflug abgesagt ist. Aus Sicherheitsgründen. War es auf Jamaica noch zu wenig Wasser im Fluss, ist es hier das Gegenteil. Zu viel Wasser also. Und deshalb zu gefährlich. „Grmpf“, sagt der Mann.

Alle anderen Ausflüge finden natürlich statt, so dass die Bedauernswerten in die Busse verfrachtet werden. Rundfahrten können schließlich auch bei Regen stattfinden. Damit es keine Meuterei gibt, werden längere Zwischenstopps bei Anbietern von „inseltypischem Rum“ eingelegt. Wenn es etwas umsonst gibt, sind die meisten wieder mit ihrem Schicksal versöhnt. Wir sowieso. Dann halt kein Tubing. Grenada kennen wir schon von einem früheren Besuch. Eh‘ nett. Wenn nur nicht die anderen Schiffe wären….

Selbstverständlich liegen wir auch heute wieder mit zwei anderen Kreuzfahrtriesen im Hafen. Heißt: Egal wo du hingehst, es sind schon Amis da. Und zwar viele. Die meisten Cafés und Restaurants sind zum Bersten gefüllt. Kein Wunder – bei dem Wetter. Nur sind die Lokale dafür nicht so richtig ausgelegt. Denn eigentlich will sonst nie jemand drinnen sitzen. Sondern immer draußen, auf der Veranda. Oder unter den Sonnenschirmen. Weshalb das Innere meist recht klein ausfällt.

Aus diesem Grund verabschiede ich mich auch von meinem Vorhaben, mir ein kleines Restaurant zu suchen und dort Pepperpot zu essen, einen Eintopf aus mehreren Fleischsorten, der mit unfassbaren Mengen Pfeffer, Knoblauch, Zwiebeln und Thymian gekocht wird. Der Mann hat eh‘ keinen Hunger und hält nicht viel von Mittagessen. Nur bei meinem Wunsch nach Carib, der sehr empfehlenswerten lokalen Biermarke, unterstützt er mich.

So landen wir in einer Sportbar, in der ein einsamer Ungar verzweifelt versucht, der über ihn hereinbrechenden Dollarflut Herr zu werden. Amis trinken Bier und essen Burger. Die Deutschen trinken Säfte und packen ihre Laptops aus. Es gibt WiFi. Wir sind das verbindende Element: Wir entscheiden uns für Laptop UND Bier. Und Krabbenkuchen. Prima. Ausnahmsweise karibisches Essen, das einem nicht gleich die Geschmackspapillen weglötet. Aber unglaublich lecker ist. Besonders nachdem wir begreifen, dass die Schale nur das Gefäß für den Krabbenkuchen ist und gar nicht mitgegessen werden soll. Da ist eine riesige Krabbenschale aber schon akkurat zersäbelt. Der Ungar nimmt’s gelassen. Und noch einen Zug von der dicken Zigarette, die in der Küche kursiert. Einer der Hauptanziehungspunkte für europäische Aussteiger in der Karibik dürfte – neben dem meist superben Wetter – sicher in der unfassbaren Mengen Cannabis liegen, das in diesem Klima wie Unkraut gedeiht. Jedenfalls habe ich noch keinen ohne Joint gesehen.  Und so viel zum Thema Rauchverbot.

Entsetzt stellen wir fest, wie viele Mails sich in über zwei Wochen ansammeln und beratschlagen: Alle lesen? Alle löschen? Womöglich antworten? Drei Bier und eineinhalb Stunden später habe ich noch zweihundert Mails übrig. Gräßlich. Dabei habe ich noch keine einzige gelesen. Aber das Löschen dauert Ewigkeiten. Das WiFi-Netz der Bar geht regelmäßig in die Knie. Neuankömmlinge können sich nicht mehr einloggen. Uploads kann man vergessen. Werden die gesammelten Blog-Einträge der letzten Tage halt erst morgen verschickt.

Auf dem Pier vor den Schiffen spielt eine Steeldrum-Band um ihr Leben. Dummerweise liegen auch einige Partyboote dort vor Anker. Die „Rhum-Runner“-Flotte bietet Törns mit viel Rumpunsch, Limbo-Wettbewerben und noch mehr Rumpunsch an. Und wenn die Gäste keine Lust auf den Törn haben, dann bleiben die Boote halt im Hafen und es gibt den Rumpunsch dort. Leider auch den Limbo. Der Mann bittet mich, wahlweise den DJ des Rhum-Runner-Bootes oder einen aus der Steeldrum-Band ermorden zu dürfen. Darf er natürlich nicht. Schlechtes Karma und so. Mit blutunterlaufenen Augen verschwindet er im Wellness-Bereich. Dort wird man nur mit Vogelgezwitscher oder Walgesängen beglückt.

Aber es wird schön gewesen sein.

Foto: Lee Coursey, Lizenz: CC BY 2.0

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