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Kurz und schlecht: Der Staatssekretär für Integration ist eine Lachnummer

Von | 19.04.2011, 23:09 | 5 Kommentare

Mit Sebastian Kurz als Staatssekretär für Integration rückt ein rechtsnationaler Kanzler für Österreich ein weiteres Stück näher.

Mit Sebastian Kurz als Staatssekretär für Integration rückt ein rechtsnationaler Kanzler für Österreich ein weiteres Stück näher.

Klar, da fällt einem schon ein Schenkelklopfer ein. Schließlich ist er erst 24 und heißt Kurz. Schließlich fand er sich und die ÖVP im vergangenen Wahlkampf um Wien unglaublich geil. Und schließlich sind von damals Fotos wie dieses im Umlauf , offizielle Fotos, die einen jungen Herren zeigen, der keine Ahnung von der Macht der Bilder und des Archivs hat.

Es ist untragbar, so einen wie Sebastian Kurz zum Staatssekretär für Integrationsfragen zu bestellen. Nicht unbedingt, weil er erst 24 ist. Aber sicher, weil er sich erst kürzlich zum Geilomat-Deppen gemacht hat und in Sachen Integration nichts vorzuweisen hat. Keine Erfahrungen. Keine Ideen. Nichts.

Und klar, der erste Reflex ist natürlich, das alles wegzublödeln. Es gibt Facebook-Seiten zu Herrn Kurz. Sie tragen Titel wie „Ich mach den Integrationsstaatssekretär bei Humboldt“. Viele der dort geposteten Dinge sind lustig.

Aber muss tatsächlich immer alles lustig sein? Ertragen wir Skandale wie die von Karl-Heinz Grasser und seiner Bande tatsächlich nur, wenn wir deren Geisteshaltung weg lachen? Oder verarschen wir Sebastian Kurz doch nur, damit wir danach beruhigt unserem täglichen Trott nachgehen können, weil wir auf der richtigen Seite Flagge gezeigt haben?

Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Aber ich habe auch keine Lust mehr zu lachen, denn es ist bleibt auch mit Humor dramatisch und dumm, wenn hier ein dringend notwendiges Amt, das helfen könnte, die gesellschaftspolitische Kampfzone Integration nicht allein Rechtsextremen oder Discowahlkämpfern zu überlassen, mit einem besetzt wird, der außer (erfolglosen) Discowahlkämpfen wenig vorzuweisen hat.

Dieses Amt und dieser wackere Parteisoldat von Staatssekretär, erfunden von einer personell maroden ÖVP, ist damit bloß ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem rechtsnationalen Kanzler. Und dass das wichtige Thema Integration durch diese Personalentscheidung mit Füßen getreten wird? Wir werden sicher noch genug Gründe finden, auch darüber zu lachen.

Foto: ÖVP Online, Lizenz: CC BY-ND 2.0

5 Kommentare »

  • Roland sagt:

    Was heißt, er habe in Sachen Integration nichts vorzuweisen? Eine infame Unterstellung!

    Er hat doch bereits im Wiener Wahlkampf mit seiner höchst refelktierten und konstruktiven Forderung, in Moscheen sollen doch bitte die Predgten auf Deutsch abgehalten werden, aufhorchen lassen! Und Anas Schakfeh, den Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, mit dem er in seinem neuen wohlverdienten Amt vermutlich das eine oder andere Mal plaudern wird müssen, hat er ebenfalls schon medienwirksam angepatzt…

    Er hat also schon einschlägige Erfahrungen. Zwei. Immerhin.

  • CPK sagt:

    Der Kurze kann nichts dafür, der ist das Bauernopfer.(Und vermutlich ist ihm das gar nicht klar.) Am allermeisten schmerzt halt die vertane Chance, mit dieser Funktion die Integrationsdebatte endlich einmal sachlich zu führen…

  • Mo sagt:

    Stimmt schon, stimmt schon.

    Nur: Welche Möglichkeiten des -legalen- Widerstands hat meine Generation (jene der Facebook-Slacktivisten, Generation 2.0 etc) gegen derartig lachhafte Personalentscheidungen?
    Was bleibt uns anderes übrig, als uns mit minderbemittelter Satire den Schmerz von der Seele zu blödeln, mit einem qualvollen Lachen, das uns viel zu oft im Hals stecken bleibt..?

    So hab ich immerhin die Gewissheit, mit meinem Hass, meiner Frustration und meiner Ohnmacht nicht gänzlich alleine dazustehen..

    • Ja wenn ich das wüsste… Ich halte Satire ja eh für gut und wichtig, schon allein aus psychohygienischen Gründen. Aber irgendwie sollte sich die dafür verwendete Enrgie auch nachhaltiger anlegen lassen. Vielleicht ist es die Lösung eine Partei zu gründen. Und frage mich jetzt bitte niemand, warum ich das nicht schon längst getan habe. Der Unterscheid zwischen Reden und Handeln ist bekanntlich nicht bei der Satire groß.

  • Manfred Klimek sagt:

    sowas von richtig…

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