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Log-Stoff: Tag 11 (Seetag)

Von | 18.04.2011, 12:52 | Kein Kommentar

Seetag, again. Diesmal wollen wir den Tag nutzen, um uns ein wenig unters Schiffsvolk zu mischen. Nur damit keiner denkt, wir hätten was Ansteckendes.

Karin Spitra ist endlich an Bord. Dort ist noch niemand.

Seetag, again. Diesmal wollen wir den Tag nutzen, um uns ein wenig unters Schiffsvolk zu mischen. Nur damit keiner denkt, wir hätten was Ansteckendes. War aber keine so gute Idee…

Na gut. Nach fast zwei Wochen Urlaub darf man schon einige Rituale haben. Meines lautet: Vor Sonnenaufgang aufstehen, an Deck schlappen und einen Early-Bird-Kaffee trinken. Alleine. Soblicseks und der Mann sind Anhänger des langen Morgenschlafs. Danach ins bordeigene Fitness-Studio gehen und mit dem Aufwärmtraining anfangen. An einem guten Morgen ist es dort recht leer und die wenigen Menschen trainieren stumm und verbissen. An Seetagen gibt es auch Ausnahmen. Blondierte Damen aus Düsseldorf, zum Beispiel, denen man erste erklären muss, dass das Gerät nicht kaputt ist, sondern sie es einfach nur einschalten müssen. Und ja, die Griffe der Stepper, Cross-Trainer und Fahrräder messen den Puls. Aber nur, wenn man die Hände auch drauf lässt. Und ja, ich würde beim sporteln schwitzen. Immer.

Komisch, den Mann spricht dort nie jemand an. Egal. Nach dem Aufwärmtraining geht’s an die Geräte. Meine neue Freundin folgt mir. Sie ist eher der Pilates-Typ. Sagt sie. Wofür sie mich hält, lässt sie gnädig im Dunkeln. Egal. Wenn ich zur Hälfte durch mein Programm bin, kommt meist der Mann. Wie immer in monochromes Dunkel gehüllt, schafft er das doppelte Pensum in der Hälfte der Zeit. So dass er gleichzeitig mit mir fertig ist. Und mich mit einem „Tschö“, von der Düsseldorferin befreit. Die gerade die Erkenntnis sammelt, dass man mit drei Ringen an jedem Finger echt schlecht mit den Griffen hantieren kann. Sie würde sogar mit uns frühstücken. Kann sie aber nicht.

Wir haben nämlich einen eigenen Frühstücksraum. Also zusammen mit den anderen Suiten-Passagieren. Und dahin verzieht sich der Mann jeden Morgen. Weil es richtigen Kaffee gibt. Und sehr wenige andere Passagiere. Und die Kellner schon wissen, was er will. Und wie er es will. Und er dort ungestört die Morgennachrichten lesen kann. Aber hauptsächlich wegen der wenigen Leute.

Vielleicht hätte mir da schon klar sein sollen, dass es keine gute Idee ist, einen Seetag mit ihm an Deck verbringen zu wollen. Zusammen mit gefühlten 2000 anderen Menschen. Hingekriegt habe ich ihn jedenfalls mit dem Hinweis, dass ich wünsche, bis zum Ende der Kreuzfahrt mit ihm in einem der Pools geplantscht zu haben. Das zieht er kurz in Erwägung. Na ja, halt bis er die Pools sieht. Und wie viele Menschen drin sind. „Da kann ich ja gleich in ein Pissoir springen“, kommentiert er. „Grmpf“, antworte ich. Nur das Auftauchen der Düsseldorferin, das wir beide aus dem Augenwinkel bemerken, verhindert einen beginnenden Streit.

Irgendwo im Schatten hinsetzen? Völlig sinnlos! Die „guten“ Liegen sind alle bereits seit mindestens sechs Uhr morgens reserviert. Mit den obligaten Handtüchern. Die Crew hat bis morgens um acht meist schon gute dreihundert gelb-weiß-gestreifte Frotteeware von den Liegen entfernt. Nützt nur nix. Das Markieren des eigenen Territoriums mittels Handtücher ist dem Deutschen genauso genetisch vorgegeben, wie das Tragen von Trekkingsandalen mit Socken.

Findet man dann doch mal eine oder sogar zwei nebeneinanderstehende Liegen – meinetwegen sogar in der prallen Sonne – wird man umgehend aus der Nachbarschaft angeblafft. „Sind reserviert!“ „Die kommen gleich wieder.“  „Das sind unsere ZWEITLIEGEN!“ Bevor der Mann dem Zweitliegen-Besitzer mit dem neuen Messer ein „ach, echt?“ in die Stirn ritzen kann, gehen wir lieber. Mission Impossible.

Aber wozu hat man eine Suite mit riesigem Balkon? Eben! Es wird schön gewesen sein.

Foto: Scott Anderson, Lizenz: CC BY 2.0

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